„Russisch jeden Tag“ – ein Blick in die Arbeit des Retorika Verlags

Victoria Viererbe mit einem Autor auf der Frankfurter Buchmesse 2012. Foto: Verlag Retorika

Victoria Viererbe mit einem Autor auf der Frankfurter Buchmesse 2012. Foto: Verlag Retorika

Victoria Viererbe, Leiterin 
des Retorika Verlags, über russische Lehrbücher und bilinguale Familien.

Frau Dr. Viererbe, skizzieren Sie bitte kurz die Geschichte ihres Verlages: Wer hatte die Idee, und wann wurde sie verwirklicht?

Vor fast 20 Jahren wurde in Lettland von dem Philologen Alexey Zhuckov der Verlag Retorika A ins Leben gerufen. Er war auf Lehrbücher und -materialien für Russisch spezialisiert. Die Idee für den zweiten Verlag ist als Folge der großen Nachfrage in Deutschland entstanden. Und sogründeten wir 2012 gemeinsam den Verlag Retorika.

Wie lässt sich die Zielgruppe des Verlags beschreiben?

Wir machen Lehrwerke und Unterrichtsmaterialien für alle, die Russisch lernen wollen. Für jene, die Russisch als Fremdsprache erlernen und für jene, die Russisch als Muttersprache sozusagen geerbt haben. Der besondere Fokus liegt bei uns selbstverständlich auf Kindern aus russischsprachigen Familien. Es ist ja bekannt, dass Kinder, die zweisprachig aufwachsen, spezielle, auf ihre 
Bedürfnisse zugeschnittene Bücher brauchen. Für sie haben wir in unserem Programm sowohl Lehr- und Lernmaterialien auf Russisch als auch bilinguale Kinderliteratur.

Welche Ihrer Bücher betrachten Sie persönlich als besonderen Erfolg des Verlags? War dieser Erfolg immer vorhersehbar?

Der Erfolg ist vorhersehbar, doch möchte ich ihn nicht nur unter dem Profit verbuchen. Wenn ich höre: „Mein Kind liest ihre Bücher gern", empfinde ich, dass sich die ganze Arbeit gelohnt hat. Unser Bestseller ist der Sprachkalender für Erwachsene „Russisch jeden Tag" speziell für deutschsprachige Leser. Jetzt haben wir auch einen Sprachkalender für Kinder gemacht.

Was gibt es an Neuem in Ihrem Sortiment?

Wir haben Lernspiele zur Sprachförderung von Kindern im Vor- und Grundschulalter entwickelt. Das Material für diese Sprachspiele ist in zehn Sprachen vorhanden: Russisch, Deutsch, Lettisch, Englisch, Französisch, Spanisch, Türkisch, Arabisch, Polnisch und Bulgarisch. Es geht um die Laute von Tieren und Menschen, die bekanntlich in allen Sprachen ein bisschen anders sind. Wir haben die Spiele in einer russisch-lettischen Schule und in einem deutsch-russischen Kindergarten getestet. Die Kinder haben großen Spaß daran, und wir sind überzeugt, dass sie gefragt werden. Zum ersten Mal wollen wir dem breiten Publikum diese Lernspiele auf der Frankfurter Buchmesse 2014 präsentieren, wo wir am Gemeinschaftsstand „Mehrsprachige Kinderbücher" ausstellen. Der ist in Halle 3.0 zu finden – Nummer K 138–140.

Das Buch „Mit einem Drachentöter durch Moskau" von Carola Jürchott ist in Deutschland recht populär. Wie wurde die Autorin entdeckt?

Carola Jürchott: „Mit einem

Drachentöter nach Moskau".

Retorika Verlag 2014

Das ist einem Zufall zu verdanken. Ich habe Carola Jürchott auf den Deutsch-Russischen Festtagen im letzten Jahr als Übersetzerin im Literaturzelt kennengelernt. Später stellte sich heraus, dass sie Fantasy-Geschichten über europäische Städte schreibt. Ich las ihr Venedig-Buch und fragte sie, ob sie Lust hätte, eine Geschichte über die russische Hauptstadt zu verfassen. So wurde der Moskauer Drachentöter geboren.

Haben Sie nun eine neue Reihe an Reiseführern, analog dem von Jürchott, im Blick?

Eine Serie von Reiseführern ist nicht geplant. Der „Drachentöter" ist ja auch nur eine Art Reiseführer, es ist in erster Linie ein Kinderbuch. Aber wir machen mit Carola Jürchott noch ein Buch über Berlin. Moskau und Berlin sind Partnerstädte, das passt sehr gut zusammen. Den Titel kann ich Ihnen noch nicht verraten, aber das Buch wird genauso spannend sein. Und noch etwas: 2015 werden wir den

„Drachentöter" auf Russisch herausbringen, und zwar auch als Hörbuch.

Unter anderem werden von Ihnen auch die methodischen Leitfäden für Lehrer, die mit bilingualen Kindern arbeiten, verlegt. Ziehen Sie zur Erfüllung dieser anspruchsvollen Aufgabe Experten hinzu?

Aber natürlich! Wir arbeiten mit den führenden Spezialisten für Russisch zusammen: Professor Elizaveta Chamraewa aus Moskau, Professor Larisa Ignatjewa und Jelena Platonova aus Riga, außerdem mit Fachleuten für Russisch als Fremdsprache, Professor Anatolij Berditchevskj aus Wien, Dr. Christine Heyer aus Magdeburg und Anneliese Hoenack aus Berlin. Sie alle haben viel Erfahrung. In ihren Lehrwerken verbinden sich Theorie und Praxis, und das ist es, was ein Lehrer dringend braucht, eine konkrete Hilfestellung für seine tägliche Arbeit.

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland