„Ballett ohne Grenzen“: Bolschoi-Theater unterstützt Kollegen in Kiew

Swetlana Sacharowa auf der Bolschoi-Bühne. Foto: Alexander Krjaschew/RIA Novosti

Swetlana Sacharowa auf der Bolschoi-Bühne. Foto: Alexander Krjaschew/RIA Novosti

Am 7. Dezember veranstaltet das Bolschoi-Theater ein Benefizkonzert zugunsten der Staatlichen Akademie für Choreografie in Kiew. Im Rahmen des Konzerts treten die Stars der internationalen Ballettszene auf. Der Erlös aus dem Ticketverkauf soll den ukrainischen Kollegen zugutekommen.

Initiiert und organisiert wurde das Benefizprogramm „Ballett ohne Grenzen" von Swetlana Sacharowa, der Primaballerina des Bolschoi-Theaters. Sacharowas Weg ins Ballett begann in der Staatlichen Akademie für Choreografie in Kiew, dem der Erlös aus dem Ticketverkauf zugutekommen soll. Nach ihrem Abschluss zog Sacharowa nach Sankt Petersburg um, wo sie Karriere am Mariinskij-Theater machte. Anschließend gewann das Bolschoi-Theater das Talent für sich.

2013 besuchte sie zum ersten Mal nach ihrem Abschluss die Kiewer Akademie. Die Balletttänzerin war zunächst über den Zustand des Gebäudes entsetzt, wie sie erzählt. Es habe brüchig und stark renovierungsbedürftig gewirkt. „Die Schüler brauchen vernünftige Bedingungen, um zu lernen. Im Winter sollen sie in den kalten Balletthallen nicht frieren müssen und sie sollten auch keine Angst haben, dass jeden Moment ein Teil der Decke herabstürzen kann, weil das Dach undicht ist", beschreibt Sacharowa die Zustände der Schule und die Motivation für ihr Projekt.

 

Die Kiewer Schule und russisches Ballett

Die Staatliche Akademie für Choreografie Kiew wurde im Jahr 1949 eröffnet und gilt als eine der stärksten Ballettschulen unter den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Bereits im Jahr 1934 nahm die Akademie in Form eines kleinen Studios am Kiewer Oper- und Balletttheater ihre Arbeit auf, in dem die Schülerinnen der berühmten Agrippina Waganowa unterrichteten. Choreografin und Ballettpädagogin Waganowa prägte im großen Maße die Entwicklung des russischen Balletts, das zu einem Exportschlager in der Sowjetunion wurde. Nach ihrer Methode wurden mehrere Generationen von Balletttänzern ausgebildet.

Später wurde die Akademie zur Talentschmiede des sowjetischen Balletts: Kiew sorgte für den Nachwuchs in den Theatern der ganzen Sowjetunion. Im Gespräch mit RBTH erzählt der Leiter der Akademie, Iwan Doroschenko, dass trotz der komplizierten russisch-ukrainischen Beziehungen noch immer russische Choreografen und Regisseure kämen, um bei den jungen Künstlern für ihre Theater zu werben. Die besten Absolventinnen und Absolventen des letzten Hochschuljahrgangs wurden ins Kreml-Ballett sowie ins Sankt Petersburger Boris-Ejfman-Balletttheater eingeladen.

Laut Iwan Doroschenko ist die Situation mit der Sanierung des Hochschulgebäudes nicht so dramatisch, wie sie Sacharowa beschrieb. „Wir haben Förderer, die die Hochschule finanziell unterstützen. In den vergangenen Jahren haben wir das Internat und einige Unterrichtsräume saniert. Geplant ist auch die Wiederherstellung des Schultheaters. Wie haben keine perfekten Bedingungen, aber sie verbessern sich." Allerdings sei die Initiative von Sacharowa angesichts des russisch-ukrainischen Konfliktes für die Akademie sehr wichtig, fügt Doroschenko hinzu. „Man muss die Beziehungen verbessern und Freundschaften pflegen", betont der Schulleiter.

 

Konzertprogramm als Geste des Friedens

Im Rahmen des Konzertprogramms „Ballett ohne Grenzen" werden die berühmtesten Ballettfragmente der Theater aufgeführt, auf deren Bühne die Teilnehmer des Benefizabends auftreten. Das Ballett von Swetlana

Sacharowa bildet den Anfang und den Schlusspunkt des Konzerts. Gemeinsam mit ihren Partnern tanzt sie die legendäre „Carmen-Suite" und das Pas de Deux aus „Le Corsaire".

Auf der Bühne tanzen mit Sacharowa unter anderem die besten Absolventen der Kiewer Hochschule. Zum Konzert kommen Alina Cojokaru, die Balletttänzerin des englischen Nationalballetts, Ivan Putrov und Natalja Ossipowa von der Ballettkompanie des Royal Ballet in Covent Garden und Iana Salenko und Dinu Tamazlacaru von dem Berliner Staatsballett.

Den zentralen Platz im Programm wird ein Stück einnehmen, das perfekt zu diesem Anlass passt. Der deutsche Choreograf und Tänzer Patrick de Bana hat die Inszenierung „Digital Love" ins Leben gerufen, in der es um Liebe über große Entfernungen geht, um die Gefühle und Emotionen, die über die Grenzen hinweg von einem Teil der Welt in den anderen weitergegeben werden.

Patrick de Bana widmete dieses Projekt dem tragischen Verschwinden der Boeing der Malaysia Airlines, die im März dieses Jahres über dem südchinesischen Meer verschwand. Die Performance legt den Fokus auf den

menschlichen Aspekt der Tragödie, die die Welt erschütterte und vereinte. „Ballett ohne Grenzen" ist somit nicht nur als eine philanthropische, sondern auch als eine Geste des Friedens zu verstehen.

Das Benefizkonzert zugunsten der Kiewer Staatlichen Akademie für Choreografie kann auch zu einem Prestigeprojekt des Bolschoi-Theaters werden. Bereits in der Sowjetzeit reiste die Kompanie mit ihren Inszenierungen um die Welt, trotz der Grenzen, des Eisernen Vorhangs und des Kalten Krieges. In Zeiten, in denen das Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine nicht eindeutig definiert ist, bekräftigen solche Veranstaltungen die Rolle des Bolschoi-Theaters als Bollwerk der Kunst ohne Politik.

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