Theater in Moskau: Wohin gehen wir heute?

Moskau hat über 150 Schauspielhäuser, teilweise laufen dort mehrere Aufführungen parallel. RBTH nimmt Sie mit auf die Bretter, die die Welt bedeuten, und stellt die interessantesten Inszenierungen der Saison vor.

Bolschoi-Theater: Tradition und Perfektion


Foto: TASS

Das berühmteste und populärste Haus in Moskau ist das Bolschoi-Theater. Hier werden berühmte Ballettstücke und Opern aufgeführt, auch ausländische Künstler und Ensembles geben hier regelmäßig Gastspiele. Oft sind die Vorstellungen auf Monate im Voraus hinaus ausgebucht, eine Karte zu bekommen ist daher gar nicht so einfach. Die Eintrittspreise sind recht hoch: Karten für die 4. Galerie kosten 2 500 Rubel (etwa 43 Euro), im Parterre müssen bereits 25 500 Rubel (437 Euro) bezahlt werden. Aktuell wird im Bolschoi das Ballett die „Kameliendame" von Alexandre Dumas d.J. in einer Inszenierung von John Neumeier aufgeführt und „Onegin" von John Cranko nach einer Romanvorlage von Alexander Puschkin.

Das Ballett von Neumeier wurde im Jahr 1978 uraufgeführt, die Hauptrolle übernahm damals der Regisseur selbst. 36 Jahre später wird das Stück nun neu umgesetzt. Die besten Tänzerinnen und Tänzer des Bolschoi-Theaters bringen die Liebes- und Lebensgeschichte der Kurtisane

Marguerite und ihres Geliebten Armand auf die Bühne. Bezaubernde Kostüme und faszinierend grazile Ballettschritte zur Musik von Chopin – all das macht diese Inszenierung unvergesslich!

„Onegin" ist das zweite Ballett, das im Bolschoi ein neues Zuhause bekommen hat. John Cranko führte dieses Ballett erstmals 1965 in Stuttgart auf. Sein Ensemble ist damit in der ganzen Welt aufgetreten, sogar in der UdSSR. Doch dort erntete die Inszenierung des Stücks Kritik wegen eines nachlässigen Umgangs mit dem Original und angeblicher Unkenntnis der russischen Kultur. Inzwischen hat sich der Geschmack des Publikums verändert. Die neue Inszenierung wird sicher viele Zuschauer anziehen.

Das Bolschoi-Theater ist nicht nur wegen seiner Ballettaufführungen berühmt geworden, sondern auch durch Opernaufführungen. In dieser Saison lohnt ein Besuch der Aufführung von „Boris Godunow". Nicht nur die Musik von Mussorgski und die talentierten Sänger werden die Zuschauer in den Bann ziehen, sondern auch das Bühnenbild und die opulenten, authentischen Kostüme, die eines Zaren wahrhaft würdig sind. Die Aufführung entführt den Zuschauer in das zaristische Russland.

 

Lenkom-Theater: Das beste Drama


Foto: RIA Novosti

Als eines der besten dramatischen Theater der Stadt Moskau gilt das Lenkom. Zu Sowjetzeiten nannte es sich „Moskauer Theater des Leninschen Komsomol" – der russischen Vorliebe für Abkürzungen ist es zu verdanken, dass es heute schlicht Lenkom heißt. In diesem Theater gab es schon viele wunderbare Aufführungen, zum Beispiel „Juno und Avos", die berühmteste sowjetische Rock-Oper. Die Arien daraus sind populär, selbst Menschen, die noch nie in der Oper waren, kennen sie. Die Geschichte von „Juno und Avos" basiert auf wahren Ereignissen aus dem 19. Jahrhundert, sie erzählt von der Liebe zwischen einem russischen Offizier und der Tochter des Gouverneurs von Kalifornien. Im Lenkom läuft die Oper bereits seit 35 Jahren und ist seitdem immer ausverkauft. Der Preis für die Karten liegt zwischen 700 Rubel (12 Euro) und 7 000 Rubel (120 Euro).

 

Tschechow-Kunsttheater: Tschechows Hausbühne


Foto: RIA Novosti

Keinesfalls sollte man das Moskauer Tschechow-Kunsttheater übergehen, das abgekürzt MchAT genannt wird . Gegründet wurde das Haus im Jahre 1898 von den hervorragenden Regisseuren Konstantin Stanislawski und Wladimir Nemirowitsch-Dantschenko. Das moderne MchAT erfreut die Besucher heute noch mit interessanten Schauspielen, nicht nur von Tschechow. Im September 2014 fand die Premiere des Stücks „Endstation Sehnsucht" nach einem Drama von Tennessee Williams statt. Kritiker und Publikum waren begeistert. Eintrittspreise: 500 (9 Euro) bis 3 000 Rubel (51 Euro).

 

Wachtangow-Theater: Populär und gegenwärtig


Foto: RIA Novosti

Zu den populärsten Musentempeln der Stadt Moskau gehört das Wachtangow-Theater  auf dem Alten Arbat – einer der beliebtesten Flaniermeilen der Hauptstadt. Dieses Theater gibt es bereits seit über 90 Jahren, jedoch lebt es, getreu dem Vermächtnis seines Begründers – des herausragenden Regisseurs Eugen Wachtangow – „mit den Problemen der Gegenwart". In dieser Saison lädt das Stück „Onkel Wanja" von Rimas Tuminas nach dem gleichnamigen Drama von Anton Tschechow zu einem Besuch ein. Die Stücke des bekanntesten russischen Dramatikers werden oft und gern vorgetragen, jedoch ist Tuminas gelungen, ganz neue Facetten herauszuarbeiten. Karten kosten zwischen 600 (10 Euro) und 4 500 Rubel (77 Euro).

 

Gogol-Center: Modern und experimentell


Foto: RIA Novosti

Den Geschmack der Liebhaber des modernen und experimentellen Theaters wird wohl eher das Gogol-Center treffen – ein Theater unter der

Leitung von Kyrill Serebrennikow, der bereits seit mehreren Jahren als einer der berühmtesten Macher des russischen Theaters gilt. Den Stücken hier ist die aktive Nutzung von modernen Techniken zu eigen, wie Video-Art, mobile Bühnendekorationen, eine offene Bühne und die direkte Interaktion mit dem Publikum. Eine der neuen Richtungen, die vom Gogol-Center gefördert werden, sind Stücke nach Filmdrehbüchern. Die Inszenierung des Stücks „Die Idioten" nach Motiven des gleichnamigen Films von Lars von Trier ist provokant und kühn, es reagiert abrupt auf die umgebende Wirklichkeit. Karten ab 500 Rubel (9 Euro) bis 3 000 Rubel (51 Euro).

Lesen Sie weiter: Russische Theaterwelten in Berlin

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland