Kulturjahr 2014: Highlights aus Kunst, Film und Geschichte

Das russische Kulturjahr 2014 hatte viel zu bieten. Die Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele war sicherlich ein künstlerischer und artistischer Höhepunkt. Darüber hinaus aber war es ein Jahr der historischen Jubiläen – sowohl im positiven als auch im negativen Sinne.

Die Eröffnung der Olympischen Spiele


Foto: AP

Zur Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2014 am 7. Februar in Sotschi präsentierte sich Russland in einem neuen Licht. Die Bühnenaufführung „Träume von Russland" war die technisch aufwendigste Show in der Geschichte der Olympischen Spiele. Sie führte durch die russische Geschichte und präsentierte die kulturellen Errungenschaften des Landes. Umrisse der alten Rus, musikalisch untermalt von Igor Strawinskis „Le sacre du printemps", wurden genauso dargestellt wie die „Polowetzer Tänze" von Borodin, das goldene 19. Jahrhundert, dessen Darstellung nach Motiven aus Tolstois „Krieg und Frieden" gestaltet wurde, die Geburt der russischen Avantgarde und des Konstruktivismus und schließlich die Gegenwart des Landes. Die Hymne des russischen Olympiateams war der Song „Not Gonna Get Us" der russischen Band t.A.T.u.

 

Das Gold der Skythen


Foto: AP

Zeitgleich zur Angliederung der Krim an Russland wurde die Sammlung „Gold der Skythen" – antike Goldskulpturen, Schmuck und Rüstungsbesatz – aus Museen der Schwarzmeerinsel in Amsterdam gezeigt. Als die Ausstellung schließlich enden sollte, gerieten die niederländischen Partner in ein Dilemma. Sie mussten sich entscheiden, die Sammlung entweder den Ukrainern zu schicken, mit denen sie die Ausstellung organisiert hatten, oder die Goldexponate den Museen der Krim zurückzugeben.

Ein kleiner Teil der Ausstellungsstücke befindet sich heute in Kiew. Die Prüfung der Frage, wie es mit dem Grundbestand der Sammlung weitergeht, zögern die niederländischen Behörden immer weiter hinaus. Im November reichten Museumsleiter der Krim vor einem Amsterdamer Gericht Klage auf Rückgabe der Schätze ein. Wird die Sache nicht in ihrem Interesse entschieden, planen sie, ihr Anliegen der Unesco vorzutragen. Die Entscheidung dieses Konfliktes ist völlig unvorhersehbar – es gibt keinen Präzedenzfall.

 

Internationales Projekt von Hans-Ulrich Obrist „do it" in Moskau


Foto: Pressebild

Im Sommer 2014 war im Museum für zeitgenössische Kunst „Garage" und an anderen Kunstorten Moskaus eine Serie von Ausstellungen des berühmten internationalen Projekts „do it" zu sehen. Das Projekt wurde 1993 von Kurator Hans-Ulrich Obrist ins Leben gerufen und bereist seitdem die ganze Welt. Es zeichnet sich durch eine besonders tiefgründige Interaktion zwischen Künstler und Betrachter aus. Die Kunstwerke werden von zwei Autoren geschaffen – der eine schreibt die Anleitung zur Schaffung eines Kunstwerks, der andere setzt die Vorgaben um.

Ausführende der Instruktionen bei „do it Moscow" waren bekannte russische Künstler wie Oleg Kulik, Andrej Monastyrski und Anatoli Osmolowski, neben Teams anderer Museen. An der Ausstellung konnten aber auch gewöhnliche Besucher teilnehmen. „do it Moscow" war die bisher weltweit größte Ausgabe des Projekts.

 

100 Jahre seit Beginn des Ersten Weltkriegs


Foto: RIA Novosti

Der Erste Weltkrieg war ein schwerer Schlag für Russland. Das Land hatte einerseits enorme Opferzahlen zu beklagen – die höchste Zahl an Toten

unter den am Krieg beteiligten Ländern. Zum anderen ließ der Erste Weltkrieg die Unzufriedenheit des russischen Bauernstandes und der Arbeiterklasse eskalieren, war also ein Wegbereiter der Revolution von 1917. Die sowjetische Regierung brandmarkte den Krieg als „imperialistisch" und löschte die Erinnerung an ihn systematisch aus.

Dieses Jahr begann die russische Regierung ein neues Kapitel dieser Geschichte und würdigte die namenlose Tragödie. Im August eröffnete bei Sankt Petersburg ein Museum des Ersten Weltkrieges seine Türen. Dort werden seltene Objekte gezeigt: Uniformen, Abzeichen, Waffen, Dokumente und persönliche Gegenstände von Soldaten und Offizieren. Im Russischen Museum gab es eine Ausstellung von Gemälden über den Ersten Weltkrieg, Moskau widmete dem Jahrestag eine große interaktive Ausstellung im Multimedia Art Museum.

 

Aktionen des Künstlers Pawlenski


Foto:Reuters

Im Sommer 2012 betrat eine neue und schrille Figur die Bühne der russischen Oppositionskunst: Pjotr Pawlenski. Damals inszenierte der Aktionskünstler im Alleingang eine Mahnwache zur Unterstützung von Pussy Riot vor der Kasaner Kathedrale in Sankt Petersburg. Er hatte sich zu diesem Zweck seinen Mund zugenäht. 2013 folgten die skandalträchtigen Aktionen „Tuscha" (zu Deutsch: „Wanst") und „Fiksazija" („Fixierung"). Er nagelte dabei seinen Hodensack an einen Pflasterstein des Roten Platzes. Mit der Aktion wollte er auf die politische Apathie in der russischen Gesellschaft aufmerksam machen.

2014 erschütterten die Aktionen Pawlenskis zweimal das russische Internet. Im Februar steckte er im Zentrum von Sankt Petersburg Autoreifen in Brand, auf denen er die ukrainische Flagge gehisst hatte. Es war ein Zeichen der Solidarität mit den Protesten auf dem Maidan. Im November kletterte der glatzköpfige Künstler auf das Dach des Moskauer Serbski-Zentrums für Sozial- und Gerichtspsychiatrie und schnitt sich ein Ohrläppchen ab. Diese Aktion richtete sich gegen die Praxis der Strafpsychiatrie in Russland.

 

25. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer


Foto: Ullstein Bild / Vostock Photo

Am 9. November feierte Deutschland einen Tag, der auch für Russland wichtig ist: das 25. Jubiläum des Falls der Berliner Mauer, die einst auf Beschluss der damaligen DDR-Regierung errichtet worden war. Der offizielle Vertreter Russlands bei den Feierlichkeiten war der letzte sowjetische Regierungschef Michail Gorbatschow, dem bei den epochalen Ereignissen im Jahr 1989 eine Schlüsselrolle zukam. Während der Feierlichkeiten verewigte sich Gorbatschow unter den Klängen von Pink Floyds legendärer Rockoper „The Wall" mit seinem Handabdruck auf einer an den Mauerresten angebrachten Gipsplatte. Im Anschluss an die offizielle Feier brachte der Ex-Präsident jedoch die wirklich wichtige Lektion des Jahrestages auf den Punkt: „Es geht nicht um Kunststücke und Inszenierungen – wir müssen die Welt verbessern."

 

Junges russisches Kino weckt weltweites Interesse


Foto: Kinopoisk.ru

Das Jahr 2014 startete mit guten Nachrichten für den Nachwuchs des russischen Film. Oksana Bytschkowa holte mit „Ein weiteres Jahr" einen der wichtigsten Preise der Filmfestspiele Rotterdam. Etwa zur Jahresmitte entdeckte die westliche Presse dann den einzigartigen Film „Der Test" von Alexander Kott, der ohne ein einziges Wort auskommt. Im Herbst gewann er

den Hauptpreis des Tokyo International Filmfestival. Eine weitere junge Regisseurin, Anna Melikjan, die dieses Jahr mit dem Film „Der Star" bekannt wurde, wurde vom Magazin „Variety" unter die Top-10 der meistversprechenden Regisseure der Welt gewählt. Kürzlich kamen „Die Korrekturklasse" von Iwan Twerdowski und „Kak menja sowut" (zu Deutsch: „Wie ich heiße") von Nigina Sayfullaeva in den Verleih, die bisher ebenfalls jeweils einen Preis gewannen. Sie wurden in Marrakesch und in Warschau als beste Filme des Jahres ausgezeichnet.

Gemeinsam ist all diesen Filmen ihr „leichter Atem", mit dem sie sich dem internationalen Publikum zuwenden. Auf dem russischen Filmfestival im französischen Honfleur erkannte das europäische Publikum eine neue Form des russischen Kinos. „Vor unseren Augen verändert sich ein Land – wir erkennen das an neuen Sujets, neuen Typen von Protagonisten und der Fokussierung auf andere Probleme", kommentierte Françoise Schnerb, Präsidentin des Festivals, das Filmprogramm.

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland