Russland eröffnet erstes Art-déco-Museum

Moskaus Museenlandschaft hat vor kurzem eine wertvolle Bereicherung erfahren: Der Geschäftsmann und Kunstliebhaber Mkrtich Okrojan präsentiert in einem neu gegründeten Museum seine einzigartige Art-déco-Sammlung im Wert von geschätzten 82 Millionen Euro.

Seit 1980 sammelt Mkrtich Okrojan Kunst. Zunächst ging er dabei wenig selektiv vor. Die Arbeiten von Ajwazowskij, Sawrasow, Gontscharow, Bakst und Sudejkin fanden ebenso Einzug in seine Sammlung wie kunstvolle Gegenstände, Möbelstücke und Geschirr unterschiedlicher Stile und Epochen. Okrojans Leidenschaft für Art déco begann, als er sich mit der Architektur dieser Zeit beschäftigte. Seit der Jahrtausendwende konzentriert er sich auf Werke der Malerei und Bildhauerei sowie Designerstücke aus dieser Zeit.

Besonders hervorzuheben sind die mehr als 700 Skulpturen seiner Sammlung, die als eine der größten der Welt gilt. Darunter sind Werke namhafter Künstler des Art déco wie Dmitrij Chiparus oder Ferdinand Preiss, Claire Colinet oder Bruno Zach.

Nun zeigt Okrojan seine Sammlung in einem privaten Museum in Moskau, das er am 22. Dezember  im Luschneukaja Ufer, 2/4, Gebäude 4, für das allgemeine Publikum eröffnet hat. RBTH stellt Ihnen zehn Werke vor, die Sie unbedingt gesehen haben sollten.

 

Jean Dunand: „La Chasse" (um 1935)


Foto: Pressebild

Diese Miniatur fertigte der Künstler als Kopie einer Holztafel an, die er einst für den Erste-Klasse-Zigarrensalon des legendären französischen Kreuzfahrtdampfers „Normandie" geschaffen hatte. Das Schiff selbst wurde wegen seiner Einrichtung, die von führenden Innenarchitekten dieser Zeit entworfen wurde, auch „schwimmendes Museum" genannt. Die Holztafel war eine von insgesamt sieben, die Dunand aus vergoldetem und lackiertem Holz für das Kreuzfahrtschiff anfertigte.

 

Dmitrij Chiparus: „Les Girls" (um 1930)


Foto: Pressebild

Das Museum ist stolz auf die Skulpturenkollektion des großen französischen Bildhauers rumänischer Abstammung Dmitrij Chiparus. „Les Girls" ist inspiriert von Pariser Kabaretts und Ballettaufführungen unter Regie von Sergej Djagilew. Es handelt sich um einen der fünf Bronzegüsse der Statue und, wie die Kuratoren der Sammlung betonen, ist es einer der am besten erhaltenen. Die Gesichter der Tänzerinnen sind aus Elfenbein geschnitzt, der Sockel besteht aus Marmor und Quarz.

 

Dmitrij Chiparus: „Thais"


Foto: Pressebild

Ein weiteres Meisterwerk des Künstlers widmet sich der Oper „Thais" von Jules Massenet, die 1894 in der Pariser Grande Opera uraufgeführt wurde. Das Libretto der Oper stammt aus dem Roman von Anatole France über Thais. Der Name leitet sich von der historischen Figur einer griechischen Mätresse ab: Thais folgte Alexander dem Großen auf seinem Feldzug nach Persien. Modell für die Figur stand Sibyl Sanderson, eine berühmte Opernsängerin und Muse Massenets. Die Skulptur war für sie bestimmt.

 

Paul Follot: Tisch und Stuhl mit einem geometrischen Muster (1920er-Jahre)


Foto: Pressebild

Nicht weniger berühmt als Dunand war Paul Follot, einer der Innenarchitekten des Schiffs „Normandie". Der Durchbruch gelang ihm nach einer Ausstellung seiner Möbelstücke auf der Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes in Paris im Jahr 1925 und nachdem er die Leitung des Ateliers Pomone übernahm. Das Mobiliar aus Ebenholz mit Einlegearbeiten aus Elfenbein stammt aus der Kollektion von Madame Andrée Putman, der bekannten französischen Innenarchitektin und Designerin.

 

Edgar Brandt: Konsole (1920er-Jahre)


Foto: Pressebild

Der Meister der Schmiedekunst ist in der Ausstellung mit gleich mehreren seiner Werke vertreten. Darunter sind Einrichtungsgegenstände aus Holz und Metall. Eine seiner besten Arbeiten ist eine Konsole aus Schmiedeeisen mit einer Tischplatte aus Marmor. In ihr hat Brandt die charakteristischen Stilzüge des Art déco in all seiner geometrischen Strenge mit seiner Leidenschaft für die Kunst Altägyptens vereint.

 

Albert Cheuret: „Cigogne", Spiegel mit eingebauter Beleuchtung (1925)


Foto: Pressebild

Lampendesigns mit einfachen geometrischen Formen und stilisierten Vogel- und Pflanzenabbildungen ist das Aushängeschild der Kunst Albert Cheurets. Der Designer und Bildhauer war ein ständiger Teilnehmer an Pariser Salons und nahm 1925 gemeinsam mit vielen anderen Begründern des Stils Art déco an der Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes teil.

 

Louis Majorelle: Möbelgarnitur für das Billardzimmer

Foto: Pressebild

„Ich bin sehr stolz auf die wahrscheinlich einzige vollständig erhaltene Billardgarnitur von Louis Majorelle", sagt Sammler Mkrtich Okrojan. Und auch wenn die Arbeiten des Holzschnitzers, die übrigens auch im Pariser Musée d'Orsay aufbewahrt werden, in die Epoche des Jugendstils gehören, wird man ihre Anwesenheit in dieser Ausstellung mit Leichtigkeit verzeihen. Ein Blick auf die rhythmischen Schwünge holzgeschnitzter Blumen und auf die in Bronzeplastik festgehaltenen Tänzerinnen genügt dazu.

 

Pierre Bobot: Panneau ohne Namen (1947)


Foto: Pressebild

Die achtteilige Holztafel ist ein Fragment eines riesigen Wanddekors, geschaffen vom französischen Maler und Bildhauer Pierre Bobot nach dem Zweiten Weltkrieg. Es sollte den berühmten New Yorker Roseland Ballroom zieren. Die lackierten Gipsplatten haben eine Blattgoldauflage und wurden im Jahr 2000 in mehreren Teilen auf Auktionsveranstaltungen bei Christie's in New York gehandelt. Die Tafel ist mehr als sechs Meter lang und zwei Meter hoch.

 

Ferdinand Preiss: „Flammentänzerin" (um 1930)


Foto: Pressebild

Der deutsche Fotograf Hugo Erfurth war bekannt für seine in Bewegung aufgenommenen Fotografien von Tänzern. Davon inspiriert schuf Ferdinand Preiss seine Art-déco-Skulptur einer Tänzerin, die über Flammenzungen zu schweben scheint. Vorbild war für ihn die Tänzerin Gret Palucca, die berühmt war für ihre unvorstellbar langen und hohen Tanzsprünge.

 

Bruno Zach: „Mädchen mit Peitsche" (1920er-Jahre)


Foto: Pressebild

Die Bronzeskulpturen des als exzentrisch geltenden österreichischen Bildhauers wurden gleich von mehreren bekannten europäischen Fabriken hergestellt, zum Beispiel von den Argentor-Werken im österreichischen Wien und der Firma Broma Companie. Sie waren sehr beliebt in den Herrensalons Europas und Amerikas. Frivole Kurtisanen, Tänzerinnen und modebewusste Avantgardistinnen standen Zach Modell. Das Mädchen mit der Peitsche ist ein charakteristisches Beispiel seiner Kunst.

Lesen Sie weiter: Oligarchen als Mäzene - Die teuersten Kunstkäufe russischer Milliardäre

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland