Buch-Trailer: Wenn Filme für Bücher werben

Da Buch-Trailer in Russland nach wie vor neu sind, sind Verlage offen für Experimente. Foto: Shutterstock / Legion-Media

Da Buch-Trailer in Russland nach wie vor neu sind, sind Verlage offen für Experimente. Foto: Shutterstock / Legion-Media

Im digitalen Zeitalter fällt es der Buchindustrie zunehmend schwerer, junge Menschen zum Lesen zu animieren. Eine Idee aus den USA könnte nun auch den russischen Markt revolutionieren: Buch-Trailer. Noch sind die kleinen Werbefilme für Bücher aber eine Randerscheinung.

Buch-Trailer sind für Bücher so etwas wie Trailer für neue Filme. Ein kleiner Videofilm soll den Lesern ein Buch schmackhaft machen und ihnen eine Vorstellung von der Geschichte und dessen Autor vermitteln. So entstehen Videofilme, in denen die Themen des Buchs wie zum Beispiel Liebe, Tod oder auch Magie verarbeitet werden.

Der Werbefilm zum Roman „Die toten Seelen“ von Gogol etwa bezeichnet das Buch als „Thriller, über dem man nicht einschläft“. Der Trailer ist ein Amateurfilm, der im Rahmen des Russischen Buch-Trailer-Wettbewerbs entstand. Erstmals fand der Wettbewerb 2012 statt und hat seitdem das Ziel, Jugendliche für das Lesen zu gewinnen. Laut Regeln darf ein Werbespot nicht länger als zweieinhalb Minuten dauern. „Die Technik ist egal, es kann auch ein beliebiges Buch sein“, erklärt die Pressesprecherin des Wettbewerbs Nina Suslina.

Kreativ war beispielsweise ein Wettbewerbsteilnehmer, der alle im Roman „Der Meister und Margarita“ eingeschlagenen Fensterscheiben, vergossenen Liter Öl und zum Ball eingeladenen Margaritas zählte und alles in einer Infografik zusammenfasste.

 

"Was mag ein durchschnittlicher Leser gern? Frauen, Magie und Katzen. In diesem Buch finden Sie alles, aber nicht so banal", fängt der Buch-Trailer zum Roman "Der Meister und Margarita" an. Quelle: www.booktrailers.ru

Ein anderer wählte „Petersburg“ von Andrei Bely und zeichnete die historischen Kulissen jener Zeit. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr mehr als 500 Arbeiten zum Wettbewerb eingereicht. Der Gewinner des Wettbewerbs durfte für den großen russischen Verlag Eksmo einen Buch-Trailer kreieren. Da diese Werbeform in Russland nach wie vor neu ist, sind Verlage offen für Experimente.

 

Eine Idee aus den USA

 

Buch-Trailer tauchten erstmals Ende der 1980er-Jahre in den USA auf, als ein Werbefilm zum Roman „Wildwood“ von John Farris erschien. Darin wurde der Buchumschlag gezeigt, während eine Stimme im Hintergrund positive Kritiken vorlas. 2003 erzählten die Autoren eines Videos zur Vampir-Saga „Dark Symphony“ von Christine Feehan deren Geschichte in verkürzter Fassung und zeigten den Film auf der Buchmesse in Louisiana. Seitdem wird diese Art von Werbung häufig anstelle von klassischen Buchpräsentationen genutzt.

 

Der Buchtrailer zum „Petersburg“ von Andrei Bely. Quelle: www.booktrailers.ru

2008 schwappte der Trend nach Russland über: Der russische Verlag Ad Marginem nutzte diese Form der Werbung für den „ersten russischen Horror-Roman“ von Igor Lessew mit dem Titel „23“. Bilder aus dem Leben eines russischen Durchschnittsbürgers – vierstöckige Häuser, ein alter Bus, ein Weg am Friedhof entlang – waren mit pornografischen Aufnahmen kombiniert. Ob sich der Trailer auf den Absatz des Romans auswirkte, ist allerdings nicht bekannt. Buch-Trailer galten für den Buchhandel bis dahin nicht als Marketinginstrument.

Und seitdem hat sich kaum etwas geändert. „Unsere Buch-Trailer gibt es hauptsächlich im Internet zu sehen“, sagt Sergej Rubis, Leiter des Belletristik-Lektorats im Eksmo Verlag. „Wie sie sich auf den Absatz auswirken, wissen wir nicht.“ Seinem Erachten nach sei es schwierig, die Zielgruppe von Buch-Trailern klar zu definieren. Produzenten der Werbefilme richteten sich deshalb schlicht nach dem Geschlechterdurchschnitt der Besucher von Buchhandlungen: 75 Prozent sind Frauen, 25 Prozent Männer.

 

Werbemittel für besondere Anlässe

 

Dabei ist auf der Webseite von Eksmo, ebenso wie bei vielen anderen russischen Großverlagen, eine Sonderrubrik für Buch-Trailer eingerichtet. Laut Rubis werden sie meistens für Erstausgaben produziert. Also dann, wenn über einen Buchautor mehr erzählt werden muss oder die Besonderheiten eines Produkts hervorzuheben sind – zum Beispiel wenn ein Buch im Katalog-Format als Daumenkino erscheint.

Der Buchtrailer zum Roman „Psoglavtsy“ von Alexei Mawrin. Quelle: Yuotube. 

Wer dreht Werbespots für Bücher? Der erste „professionelle“ Buch-Trailer wurde in Russland 2012 zum Roman „Psoglavtsy“ von Alexei Mawrin gefilmt. An der Produktion wirkte ein Team aus Drehbuchautoren, Schauspielern und Kameraleuten mit. Wenn man nicht wüsste, dass es um ein Buch geht, könnte man das Video für Szenen aus einem Fantasyfilm halten, der vom Raub einer seltenen Ikone handelt. Die Verlagsgruppe Atticus gab dafür beinahe 9 000 Euro aus.

Andere Werbefilme des Verlags sind weniger aufwendig, ebenso wie die Trailer ihrer Mitbewerber. Bei Eksmo befassen sich damit Mitarbeiter des Verlags, die dabei auf verfügbare Hilfsmittel zurückgreifen. Die Werbung beschränkt sich in der Regel auf eine verfilmte Powerpoint-Präsentation oder auf Filmaufnahmen, sofern der jeweilige Roman inzwischen auf die Leinwand übertragen wurde. Obwohl der Slogan aus einem Film, „Demnächst in allen Buchhandlungen des Landes erhältlich!“, bereits auf alle Poster gedruckt wird, bleibt die Werbeform des Buch-Trailers nach wie vor Amateuren vorbehalten.

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