Historischer Handschlag: 70 Jahre „Elbe-Day“

Am „Elbe-Day“ trafen 1945 sowjetische auf US-amerikanische Soldaten. Foto: Mikhail Sinitsyn/RG

Am „Elbe-Day“ trafen 1945 sowjetische auf US-amerikanische Soldaten. Foto: Mikhail Sinitsyn/RG

Im russischen Noginsk wurde mit einer Gedenkfeier an den „Elbe-Day“ erinnert. An diesem Tag trafen an der Elbe bei Torgau sowjetische und US-amerikanische Soldaten erstmals aufeinander. Anlässlich der Feierlichkeiten wurde die wichtige Bedeutung eines gemeinsamen Kampfes gegen globale Bedrohungen auch in der heutigen Zeit betont; trotz aller Unterschiede.

Am 25. April 1945 begegneten sich auf deutschem Boden erstmals US-amerikanische und sowjetische Soldaten. Bei Strehla, 30 Kilometer von der Stadt Torgau in Sachsen entfernt, gab es den ersten Kontakt. An diese denkwürdige Begegnung wurde in der russischen Stadt Noginsk in der Oblast Moskau am 25. und 26. April mit dem Festival „Wir bewahren die Erinnerung" gedacht. Unter anderem wurde die historische Szene von Freiwilligen nachgestellt. Am Originalschauplatz auf deutscher Seite fand ebenfalls eine mehrtägige Gedenkfeier statt.

Die Veranstalter des Festivals und die Besucher in Noginsk waren sich einig, dass die Erinnerung an die Begegnung an der Elbe einen besonderen Stellenwert bei all den Gedenkfeiern zum 70. Jahrestag des Kriegsendes einnehmen sollte: Sie sei ein Symbol für die gemeinsamen und erfolgreichen Anstrengungen der Verbündeten im Kampf gegen den Nationalsozialismus.

Gerade jetzt, in einer Zeit, in der die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen deutlich abgekühlt und so schlecht wie nie seit dem Ende des Kalten Krieges seien, sei es wichtig, an dieses Ereignis zu erinnern. „Die Geschichte erteilt uns wichtige Lektionen und dieses Ereignis lehrt uns, dass wir trotz bestimmter Gegensätze gemeinsam globale Probleme angehen und gemeinsam, auf gleichberechtigter Basis, voranschreiten müssen", betonte Alexej Masurow, Historiker und Abgeordneter der Moskauer Kreisduma, in seiner Rede während der Eröffnungsfeier.

Nach Angaben der Organisatoren des Festivals wurde Noginsk für die Feierlichkeiten ausgewählt, weil die Landschaft der Stadt am Fluss Kljasma dem Elbufer in Torgau sehr ähnlich und für eine originalgetreue Rekonstruktion der Ereignisse daher besonders geeignet gewesen sei. Die Veranstalter betonten, mit der Feier sollten zudem die Bewohner von Noginsk geehrt werden, die während des Krieges an der Front und dahinter kämpften. Dazu wurden auch die Kämpfe zwischen der vorrückenden Roten Armee gegen die deutschen Soldaten nachgestellt, inklusive der Gefechtsgeräusche. Höhepunkt der Veranstaltung war die Rekonstruktion der Begegnung zwischen den sowjetischen und US-amerikanischen Soldaten.

 

Ein gemeinsamer Sieg

Auch in Torgau fand eine mehrtägige Gedenkveranstaltung mit vielen Programmpunkten statt. Dort traf der Botschafter der Russischen Föderation in Deutschland Wladimir Grinin auf seinen US-amerikanischen Amtskollegen John B. Emerson. In Torgau wurden ebenfalls die Ereignisse aus dem April 1945 rekonstruiert, darunter der berühmt gewordene historische Handschlag, der auch 1945 noch einmal eigens auf den Trümmern der Elbbrücke von Torgau für die Fotografen nachgestellt wurde. Bilder der Veranstaltung und Beiträge von Veteranen wurden via „Fernsehbrücke" nach Noginsk übertragen.

Der hochdekorierte Veteran Michail Wologdin berichtete, dass man die US-Amerikaner wie echte Freunde empfangen habe. „Es war ein sonniger, ein fröhlicher Tag", erinnert er sich. Er sei voller Vorfreude auf das vielleicht bald bevorstehende Kriegsende gewesen und voller Hoffnung, dass „wir ab dann in Freundschaft miteinander leben werden". Ein anderer Veteran, Boris Grinkewitsch, sagte, dass er nach Kriegsende bei der Siegesparade auf dem Roten Platz in Moskau gedacht habe, dass es ein „gemeinsamer Sieg" gewesen sei.

Auch an anderen Orten in Russland und in der Hauptstadt Moskau fanden Veranstaltungen zum „Elbe-Day", wie der Tag international genannt wird, statt. So auch eine Konferenz, die vom Carnegie Moscow Center organisiert wurde. Die Teilnehmer, darunter US-Botschafter John Tefft, betonten, wie wichtig die damalige Zusammenarbeit gewesen sei und beschworen den Geist von Torgau.

Der frühere US-Botschafter in Russland John Byerly erklärte vor dem Hintergrund der aktuellen Beziehungslage zwischen Moskau und Washington, dass „es gerade in Zeiten wie diesen notwendig ist, zu einer Allianz wie im Zweiten Weltkrieg zurückzukehren. Unsere damaligen Unterschiede waren, objektiv betrachtet, weitaus größer als heute, doch es ist uns gelungen, einen pragmatischen Zugang zueinander zu finden, der nicht nur unsere nationalen Interessen förderte, sondern auch den Gang der Geschichte veränderte."