Russische Tänzer aus der Provinz erobern die Welt

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Die Tomsker Tanzgruppe UDI, die mit ihrer Neon-Show auf YouTube bereits Millionen Menschen begeistern konnte, belegte den zehnten Platz in der britischen Show „Britain's Got Talent“, Vorbild des deutschen Das Supertalent. Schon bald werden die Künstler auf ihrer Tournee auch in Deutschland auftreten.

Die Tomsker Gruppe UDI gründete sich 1998. Der Name basiert auf den Vornamen der drei Gründungsmitglieder Juri Bakin, Denis Wischnjak und Igor Andrikjewitsch. Später kamen noch Sergej Scharow, Wladimir Li, Dmitrij Titow, Wladimir Sarafan, Andrej Bachtin und Nikolai Mitkin dazu.

Swetlana Andrikjewitsch, Igors Mutter, erinnert sich an die Anfangsjahre: „Sie waren damals gerade mal zwölf Jahre alt. Denis und Juri kannten sich bereits, Igor kam dann dazu. Bevor sie zum Tanztraining in die Sporthalle gingen, schauten sie Videos von Akrobatik-, Capoeira- und Breakdance-Vorführungen an und übten die Elemente anschließend." Zwanzig Jahre ist das her. Igor Andrikjewitschs Mutter gibt zu, dass sie anfangs gar nicht begeistert war vom neuen Hobby ihres Sohnes: „Sie hatten keinen Trainer. Ich hatte Angst, dass sie sich verletzen könnten, vor allem bei den Sprüngen. Sie trainierten so hart. Igor bekam sogar Fieber." Doch als sie sah, wie viel Freude das Training den Kindern machte, freute sie sich mit.

Heute ist Swetlana Andrikjewitsch die Leiterin der UDI-Tanzschule, in der sich 650 Schüler im Alter von fünf bis 30 Jahren mit Akrobatik und Breakdance beschäftigten. Zu den Schülern gehören auch Menschen mit körperlichen Behinderungen, Waisenkinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien. Andrikjewitsch glaubt an sie, wie sie immer an ihren eigenen Sohn geglaubt hat: „Ich wusste, dass die Jungs mit ihrer ganzen Seele dabei sind, und das zahlt sich immer aus".

Vor einem Jahr beschloss die Gruppe, die zuvor die Juroren des russischen TV-Wettbewerbs Minuta slawy (zu Deutsch: „Moment des Ruhms") und einer ukrainischen Talente-Show begeistern konnten, sich auch dem europäische Publikum zu stellen. Und so meldeten sie sich bei „Britain's Got Talent" an.

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„Wir füllten das Formular auf der Webseite der Show aus und fügten unseren Videoclip hinzu. Hoffnungen machten wir uns keine, denn bisher hatte es noch nie jemand aus Russland in diese Show geschafft", berichtet Igor. Sie dachten schon gar nicht mehr daran, als plötzlich die Einladung zum Casting in London kam.

Einfach war es dort nicht für die russischen Künstler. Sie erzählen, dass ihnen nicht wie den britischen Teilnehmern ein Team aus Stylisten, Maskenbildnern und Schneidern zur Verfügung gestanden habe. Sie seien ganz auf sich gestellt gewesen. Auch sei es schwierig gewesen, mit den anderen Teilnehmern in Kontakt zu kommen, sagt Denis. Der Grund dafür seien auch mangelnde Sprachkenntnisse gewesen: „Die anderen unterhielten sich und scherzten miteinander. Wir standen immer etwas abseits. In der Schule haben wir uns ganz aufs Tanzen konzentriert und keiner von uns spricht daher wirklich Englisch. Das hat sich hier als Fehler herausgestellt."

 

Wie Michael Jackson

In absoluter Dunkelheit „zeichnen" die Jungen auf der Bühne aus Neonlicht und akrobatischen Elementen ihre philosophische Erzählung über den Kampf zwischen Gut und Böse. Vor den Augen der Zuschauer fliegen Schmetterlinge, die von einem unbekümmerten Knaben mit einem Schmetterlingsnetz gejagt werden; ein Fahrradfahrer tritt in die Pedale; aus dem Nichts tauchen Leuchtschwerter und rätselhafte Masken auf; und natürlich siegt am Ende das Licht über die Dunkelheit.

Wie es ihnen gelingt, über die Bühne zu schweben, auf einem Fahrrad aus Licht zu „fahren", und die Schmetterlinge zu scheinbarem Leben zu erwecken, das verraten die Künstler nicht. Aber sie versichern, dass keine komplizierte Technik im Einsatz ist. Sie erklären, dass sie sich für ihre Show von Michael Jackson haben inspirieren lassen. „Er ist unser Idol! Wir sind mit seiner Musik aufgewachsen und haben sogar sein Konzert in Bukarest besucht. Dort tanzten weiße Skelette in der Dunkelheit. Und genau da ist der Funken übergesprungen und uns kam die Idee mit dem Neonlicht", erzählt Denis.

Im Finale kam UDI dann auf den zehnten von zwölf Plätzen, Siegerin wurde die „Dompteuse" Jules O'Dwyer mit ihrem Hund Matisse. Die Jungs aus Tomsk waren dennoch sehr zufrieden, denn ihr Auftritt brachte ihnen weltweite Aufmerksamkeit – das dazugehörige Video haben auf YouTube inzwischen mehr als zehn Millionen Menschen gesehen; auf Facebook erhielt es zwölf Millionen Klicks.

 

Der Erfolg kam sofort

Zu Hause in Tomsk wurden die Finalisten der britischen Show nicht nur von ihren Landsleuten, sondern auch vom Gouverneur stürmisch empfangen. Auf dessen Anordnung hin ließ die Tomsker Gebietsregierung der UDI-Tanzschule ein 2 500 Quadratmeter großes Grundstück und 5 Millionen Rubel, ungefähr 80 000 Euro, für den Bau eines Gebäudes zukommen.

Nach der Teilnahme an der Show ließen die Tournee-Angebote für die Gruppe nicht lange auf sich warten. So wurden die Jungs in die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Australien und nach Deutschland eingeladen. Beginnen wird ihre Tournee bereits Ende Juni in China.

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