Parallelwelten der Kunst in Moskau und Wien

Sergej Manzerew und Olga Truschnikowa in ihrem Atelier in Moskau.

Sergej Manzerew und Olga Truschnikowa in ihrem Atelier in Moskau.

Pressebild
Am 14. Juni eröffnet die Russische Akademie der Bildenden Künste in ihren Sälen eine Ausstellung mit dem Titel „Wo treffen sich Parallelen?“. Nur Mitglieder der Akademie können in diesem elitären Rahmen ausstellen. Parallel dazu zeigt der Kunstraum in Wien Werke der beiden Künstler dieser Ausstellung.

Der Titel „Wo treffen sich Parallelen?“ bezieht sich auf zwei Künstlerkarrieren, die seit Ende der 1980er privat und beruflich parallel verlaufen sind. Olga Truschnikowa, geboren 1963 in Uljanowsk und Sergej Manzerew, geboren 1957 in Pensa, kennen sich seit ihrer Studienzeit in den 1980er-Jahren in Moskau. Seit 25 Jahren verheiratet, haben sie etwas geschafft, was in Künstlerehen selten gelingt: zwei starke Persönlichkeiten, die früh ihren eigenen Stil gefunden und über all die Jahre weiter entwickelt haben, ohne sich gegenseitig einzuengen oder gar im Weg zu stehen.

Sergej Manzerew braucht sich mit Vielfalt und Qualität seiner Werke nicht hinter weltbekannten Namen wie Ilja Kabakow oder Michail Schemjakin zu verstecken. Der Künstler überzeugt als Bildhauer ebenso wie als Maler. In seinem Projekt „Der Tempel Svetovids“ hat sich Manzerew intensiv mit der Mythologie der alten slawischen Völker beschäftigt und ihre Symoble in großformatigen Bildern und Skulpturen verarbeitet. Insbesondere Funde archäologischer Grabungen auf Rügen, wo der Tempel Svetovids (auch: Svantovit) gefunden wurde, haben den Künstler inspiriert. Sein Wiener Galerist Hubert Thurnhofer ist der Meinung, dass dieser Werkzyklus „qualitativ weit über allem steht, was die zeitgenössische Kunst heute üblicher Weise zu bieten hat.“

Sergej Manzerew und Olga Truschnikowa in ihrem Atelier in Moskau. Foto: PressebildSergej Manzerew und Olga Truschnikowa in ihrem Atelier in Moskau. Foto: Pressebild

Kabakov, Schemjakin und andere konnten zu Sowjetzeiten in Amerika und Europa reüssieren. Auch Manzerew und Truschnikowa haben Anfang der 1990er viele internationale Sammler gefunden, aber ihr Wirkungskreis war immer Moskau. Hier haben sie auch Hubert Thurnhofer kennen gelernt, dessen Kunstraum in der Nähe der Wiener Oper mittlerweile zu den Top-10-Galerien Wiens zählt. Der Galerist erinnert sich: „Manzerew und Truschnikowa haben nie überlegt ins Ausland zu gehen, denn sie wollten die Zukunft ihres Landes mitgestalten. Das klingt wie sowjetischer Hurra-Patriotismus, ist aber eine ethische Grundhaltung, dort zu wirken, wo die künstlerischen Wurzeln und die familiären Bindungen sind. Auch wenn das Leben nicht immer leicht war.“

So kämpft Manzerew trotz Anerkennung durch die Akademie immer noch um die weitere Entwicklung seines Skulpturenparks in Zelenograd, einer Vorstadt Moskaus, wo er seit zwei Jahrzehnten mit Olga und zwei Kindern lebt. Die Stadtregierung von Zelenograd unterstützt das Projekt zwar grundsätzlich, doch um die Finanzierung jeder einzelnen Skulptur muss sich der Künstler selbst kümmern. Hier treffen sich die Parallelen zwischen Westeuropa und Russland: Künstler, die nur für die Kunst leben, finden oft nicht den Erfolg am Kunstmarkt, den sie verdienen. Aber dieses Phänomen bleibt nicht auf Westeuropa und Russland beschränkt. Auch nicht nur auf unsere Zeit.

Das Werk „Lot“ von Sergej Manzerew in der Galerie „der Kunstraum“ neben der Oper von Wien. Foto: PressebildDas Werk „Lot“ von Sergej Manzerew in der Galerie „der Kunstraum“ neben der Oper von Wien. Foto: Pressebild

Ein Doppelporträt auf der Homepage des Künstlerpaares Manzerew und Truschnikowa hat entsprechenden Symbolcharakter. Bei einem Studienaufenthalt in Paris haben sie tagelang die Alten Meister im Louvre studiert. Hier haben Olga und Sergej entschieden, sich gegenseitig zu porträtieren – im Stil der italienischen Renaissance. Diese Parallel-Porträts sind auf der Website zu sehen und zeigen selbstbewusste Persönlichkeiten, Florenz im Hintergrund, doch fokussiert auf innere Werte, ihre Blicke gerichtet auf ein gemeinsames Ziel: die Zukunft der Kunst.

„Die Leichtigkeit und Stilsicherheit dieser Porträts sind im Oeuvre dieser beiden Ausnahmekünstler das Tüpfelchen auf dem i. Damit zeigen sie der Kunstwelt, dass wahre Künstler die Kunstgeschichte kennen und schätzen und imstande sind, sich selbst ohne Eitelkeit in der Kunstgeschichte zu positionieren. Truschnikowa mit ihren leichtlebigen, bunten Alltagsszenen, Manzerew mit immer wieder neuen Interpretationen der Kunstgeschichte. Beide Künstler können sicher sein, dass sie schon heute Teil der Kunstgeschichte sind, auch wenn sie noch nicht auf dem Gipfel des schrillen Kunstmarktes angelangt sind“, meint der Wiener Galerist der beiden Künstler.

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