Manifesta 11: Zürich zeigt russische Kunst

Oleg Krasnov
Die Manifesta 11 macht in diesem Jahr in Zürich Station und stellt zeitgenössische Kunst aus aller Welt vor. Unter dem Motto „What Do You Do for Money?“ zeigt Kurator Christian Jankowski auch die Werke von vier russischen Künstlern.

1. Andrej Tarkowski

 

Einer der größten Regisseure des 20. Jahrhunderts wird auf der diesjährigen Manifesta in Zürich gewürdigt: Andrej Tarkowski, das Gesicht der Autorenfilme der UdSSR. Am 29. Dezember jährt sich sein Todestag zum 30. Mal. Möglicherweise ist das der Grund, weshalb ein Ausschnitt aus seinem legendären Film „Solaris“ als eine Art Vorspiel zur Hauptausstellung der Biennale dient. Die eigentliche Ausstellung behandelt das Thema Arbeit in verschiedenen Formen und Interpretationen.

Der Film, der seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1972 nicht nur in der Sowjetunion, sondern weltweit zum Kultfilm wurde und den Grand Prix der Filmfestspiele von Cannes gewann, basiert auf dem Buch des polnischen Science-Fiction-Autors Stanislaw Lem. Die Geschichte der Erkundung des fiktiven Planeten Solaris greift auch das Thema der Beziehung des Schöpfers und seinem Werk auf.

Der Ausschnitt, der während der Ausstellung gezeigt wird, enthält die Szene, in der die Filmhelden in der Bibliothek der Raumstation schwerelos mit dem Bild „Die Jäger im Schnee“ von Pieter Bruegel dem Älteren schweben. Die Idee der Kuratoren war es, das „Treffen“ des ältesten Gewerbes der Welt (Jäger) mit dem wissenschaftlichen Fortschritt (Raumfahrer) darzustellen, da es Gemeinsamkeiten mit vielen anderen Werken gibt, die von den Künstlern in Zusammenarbeit mit gewöhnlichen Menschen – Ärzten, Pastoren, Kellnern und anderen Berufsvertretern – für die Biennale angefertigt wurden.  

Ort: Löwenbräukunst

2. Olga Tschernischowa

Foto: Oleg KrasnowFoto: Oleg Krasnow

Olga Tschernischowa zählt im Westen zu den derzeit bekanntesten russischen Künstlern. Ihre Fotos und Videos, die einen sozialen Fokus haben, werden auf der ganzen Welt ausgestellt – vom Moskauer Museum der modernen Kunst „Garage“ bis zum Pariser Zentrum Pompidou und der Biennale in Schanghai. Letztes Jahr war ihre große grafische Reihe Teil der Hauptausstellung der Venedig-Biennale.

Bei der Manifesta wird die Reihe „On Duty“ aus dem Jahr 2007 ausgestellt. Die Künstlerin fotografierte dafür Porträts vom Personal der Moskauer Metro. Darunter finden sich viele Frauen, die die meiste Zeit tief unter der Erdoberfläche verbringen.

Ort: Löwenbräukunst

3. Alexander Schejn

Foto: Alexander SchejnFoto: Alexander Schejn

Der Regisseur und Produzent stellt in Zürich einen Teil seines aktuellen Filmprojekts „Majakowski“ vor, an dem er schon seit etwa fünf Jahren dreht. In seinen Filmen thematisierte Schejn immer wieder die Kunst – er war Co-Autor und Produzent der Dokumentarfilme „Oleg Kulik: Herausforderung und Provokation“ und „Winogradow und Dubosarski: Bild auf Bestellung“, die den namensgebenden, zeitgenössischen Künstlern gewidmet sind.

Der Film, der auf der Manifesta gezeigt wird, erzählt die Geschichten der wichtigsten Vertreter der russischen Avantgarde: des Dichters Wladimir Majakowski und des Theaterregisseurs und Theoretikers Wsewolod Meierhold. Letzterer zeigt eine Tanzperformance zur tragischen Liebe des Dichters zu seiner Muse vor dem Hintergrund der sowjetischen Geschichte.

Ort: Löwenbräukunst

4. Jewgeni Altufjew

Foto: Oleg KrasnowFoto: Oleg Krasnow

Er ist der jüngste Teilnehmer der russischen „Delegation“. Noch vor seinem dreißigsten Lebensjahr erhielt er zwei eigene und große Ausstellungen – bei Collezione Maramotti in Reggio Emilia (Italien) und im Moskauer Multimedia Art Museum. Er nahm außerdem an internationalen Wettbewerben im Pariser Palais de Tokyo, New Yorker New Museum sowie an der Industrie-Biennale in Jekaterinburg teil.

Im Alter von acht Jahren zog Antufjew aus der kleinen Stadt Kasyl, der Hauptstadt von Tuwa (4 600 Kilometer östlich von Moskau), nach Moskau und begann im Geiste von Louise Bourgeois und Annette Messager zu arbeiten: Er schuf Werke aus verschiedenen und teilweise selbstgefertigten Objekten, die sich auf die tuwinische und persönliche Mythologie beziehen.

Für die Manifesta erarbeitete er ein gemeinsames Projekt mit Martin Rüsch, dem Pastor der Kathedrale Großmünster, das dem berühmten Schriftsteller und Nobelpreisträger Wladimir Nabokow, dem Autor von „Lolita“ und „Verteidigung“, gewidmet ist. Der Künstler macht auf eine andere Seite Nabokows fernab der Literatur aufmerksam – seine Leidenschaft für Schmetterlinge. Der russisch-amerikanische Schriftsteller befasste sich wissenschaftlich mit der Lepidopterologie und machte sogar mehrere Entdeckungen in der Ordnung der Schuppenflügler. Seine große Schmetterlingssammlung ist in vielen Museen weltweit ausgestellt, unter anderem in Lausanne, wo für die Installation in der Wasserkirche einige Exponate abgegeben wurden.

Ort: Helmhaus

Die Ausstellung kann noch bis zum 18. September 2016 besichtigt werden.

3. Ural-Industrie-Biennale: Moderne Kunst braucht Kopf

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