Basilius-Kathedrale: Acht Dinge, die Sie noch nicht wussten

Am 12. Juli wird eine der schönsten und meistfotografierten Sehenswürdigkeiten Moskaus – die Basilius-Kathedrale – 455 Jahre alt. Sie wollen vor ahnungslosen Touristen angeben? Dann passen Sie jetzt gut auf: Hier sind die acht interessantesten Fakten ihrer Geschichte.

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1. Erbaut zum Sieg über die Tataren

Die Kathedrale auf dem Roten Platz wurde von 1555 bis 1561 auf Erlass des Zaren Iwan IV. in Gedenken an den Sieg über das Kasaner Khanat im Jahr 1552 errichtet. Jener Sieg fand zu Mariä Verkündigung statt, weshalb die Kirche offiziell den Namen Mariä-Schutz-und-Fürbitte-Kathedrale am Graben trägt. Dieser ist zugleich ein Hinweis auf den Standort der Kirche: Bis 1813 war der Kreml vonseiten des Roten Platzes durch eine Art Burggraben geschützt.

Vier der acht Kirchen der Kathedrale erhielten ihren Namen zu Ehren von Kirchenfesten und stehen für Schlüsselereignisse im Kasan-Feldzug. Eine weitere Apsis wurde nach der Heiligen Dreifaltigkeit benannt – eine Legende besagt, dass sich hier im Mittelalter die Dreifaltigkeits-Kirche befand.

2. Symbol der Himmlischen Stadt

Einer Legende zufolge symbolisiert das Gotteshaus das Himmlische Jerusalem, oder anders gesagt das Reich Gottes, dessen Wände mit Edelsteinen verziert sind. Eine andere Version besagt, dass die Architekten versuchten, die Marienkirche aus Blachernae – einer Vorstadt im Nordwesten Konstantinopels –, nachzubauen, in der das Wunder der Gewandniederlegung stattfand, bei dem die Gottesmutter ihre Gewänder über die gesamte Christenheit ausbreitete, um sie vor den angreifenden Sarazenen zu schützen.

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3. Neun Kirchen in einer

Auf einem Sockelgeschoss, dem gemeinsamen Fundament des späteren ganzheitlichen Gotteshauses, wurden zuerst nacheinander neun kleine Kirchen errichtet, die durch Galerien und Übergänge miteinander verbunden waren. Im Sockelgeschoss, dem sogenannten Podklet, wurden im 16. Jahrhundert die Staatskasse des Zaren sowie die Ersparnisse der gut situierten Bürger der Stadt aufbewahrt. Die Kathedrale war mit einem Ziegelmauerwerk verkleidet.

Jede Epoche hinterließ ihre Spuren in der architektonischen Gestalt der Kathedrale. Nach einem Feuer im Jahre 1595 wurden den Kirchen die herrlichen Kuppeln aufgesetzt. Ihre Farbenpracht erhielten sie aber erst im 18. Jahrhundert. Ende des 17. Jahrhunderts wurde ein das Gebäude umgebender Fries hinzugefügt, der bis Ende des 18. Jahrhunderts existierte und auf dem die Geschichte des Gotteshauses dargestellt war. 1817 verstärkte der Architekt Osip Bowé im Rahmen der Restaurierung des Roten Platzes die Stützmauer der Kathedrale und umgab sie mit einer Gusseisen-Umfriedung.

4. Benannt nach einem Moskauer Narren

Der zweite Name des Denkmals – Basilius-Kathedrale – entstand nicht zufällig. Der Moskauer Jurodiwy (die russische Variante eines Narren in Christo) Basilius besaß die Gabe der Vorsehung und sagte das Feuer im Jahre 1547 voraus, bei dem fast ein Drittel Moskaus zerstört wurde. Nahezu sein gesamtes Leben verbrachte er in Askese, lief bei jedem Wetter ohne Kleidung und Schuhe umher und hatte kein Dach über dem Kopf.

Als er starb, gab ihm der Metropolit Makarij die letzte Ölung, seine Grabträger waren Iwan der Schreckliche selbst und dessen Bojaren. Nach der Seligsprechung Basilius’ im Jahre 1588 wurde eine zehnte Kirche an die Kathedrale angebaut, in die die Gebeine des Seligen gebracht wurden. Daraufhin erhielt das gesamte Ensemble den Namen des Heiligen.

5. Die Legende über die Verblendung

Es gibt mehrere Geschichten darüber, wer der wirkliche Architekt des Ensembles ist. Die verbreitetste besagt, dass die Kathedrale von den Baumeistern Barma und Postnik errichtet wurde. Iwan der Schreckliche soll angeordnet haben, die Architekten, die dieses herrliche Gotteshaus errichtet hatten, zu blenden, damit sie ihre Meisterleistung nicht wiederholen oder gar übertreffen konnten. Aber diese Geschichte ist nichts weiter als eine Legende, denn später baute Postnik die Mariä-Verkündigungs-Kathedrale sowie die Wände und Türme des Kasaner Kremls.

Es gibt jedoch noch eine andere Version: Die Mariä-Schutz-und-Fürbitte-Kathedrale wurde möglicherweise von einem italienischen Baumeister errichtet, der im Moskauer Kreml arbeitete.

6. Ihre Rettung war der Mut eines Einzelnen

Der im Herzen Moskaus gelegenen Kathedrale drohte nicht selten Gefahr. 1812 wollten die Napoleonischen Truppen, als sie die Stadt verließen, die Basilius-Kathedrale sprengen, aber kamen nicht mehr dazu. Ende der Zwanzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts beschlossen die Sowjets, das Gotteshaus abzutragen, denn diese „Kultstätte“ im Zentrum der Stadt war den Kommunisten ein Dorn im Auge.

Dass die Kirche schließlich überlebte, ist dem Architekten und Restaurateur Pjotr Baranowskij zu verdanken, der sich für ihre Bewahrung einsetzte und dafür sogar Stalin ein Telegramm schickte. Die Mariä-Schutz-und-Fürbitte-Kathedrale wurde letztlich nicht abgetragen, Baranowskij jedoch war wegen seiner „antisowjetischen Tätigkeit“ anschließend Repressionen ausgesetzt.

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7. Eine Glocke im Original

Der Glockenturm der Kathedrale funktioniert auch heute noch, aber von den vielen Glocken hat seit der Errichtung des Bauwerks im 16. Jahrhundert lediglich eine einzige überlebt. 1929 begann die sowjetische Regierung, die Bronzeglocken einzuschmelzen, und nur durch ein Wunder, so versichert der Glöckner Alexej Konowalow, blieb eine erhalten. „Sie erklingt auch immer noch im selben Oberton wie einst im 16. Jahrhundert“, sagt er.

8. Denkmal von Weltrang

Die junge Sowjetunion machte aus der Schutz-und-Fürbitte-Kathedrale 1923 zunächst ein Geschichts- und Architekturmuseum und firmierte es 1929 zu einer Filiale des Staatlichen Historischen Museums um. Zu Beginn der Neunzigerjahre wurde hier der Gottesdienst wieder aufgenommen, darunter auch in der Apsis der Basilius-Kathedrale. 1990 wurde die Kathedrale in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen.

Von Moskau in die Umgebung: Russlands Unesco-Welterbe

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