Zum 80. Geburtstag von Yves Saint-Laurent: Russland, seine große Liebe

Der französische Modeschöpfer Yves Saint-Laurent hält das deutsche Model Claudia Schiffer an den Händen, 1996.

Der französische Modeschöpfer Yves Saint-Laurent hält das deutsche Model Claudia Schiffer an den Händen, 1996.

Reuters
Am 1. August würde der große französische Modeschöpfer 80 Jahre alt. Seine Verbindung mit Russland begann in den 1950er-Jahren und lebt selbst nach seinem Tod fort. RBTH blickt zurück auf das innige Verhältnis von Yves Saint-Laurent zu Russland.

1. Modehaus Dior und erste Moskaureise

Im Jahr 1957 wurde der 21-jährige Yves Saint-Laurent nach dem unerwarteten Tod des Modehausgründers Christian Dior der künstlerische Leiter dieses Unternehmens. Seine erste, ein Jahr später präsentierte Kollektion, die „Ligne Trapèze“, spielte mit den Formen des traditionellen russischen Sarafans. Manche Modelle trugen russische Namen wie Nadjeschda oder Tatjana.

Models von Dior im GUM während ihres Aufenthalts in der Sowjetunion, 1959. Foto: Getty ImagesModels von Dior im GUM während ihres Aufenthalts in der Sowjetunion, 1959. Foto: Getty Images

1959 brachte Yves Saint-Laurent als erster Modedesigner aus dem Westen seine Kollektion in die Sowjetunion. Ihre Präsentation sorgte für Furore: Die Öffentlichkeit war praktisch ausgeschlossen, Einladungen erhielten nur Unternehmensleiter der Leichtindustrie, Stars aus der Welt des Kinos und Theaters sowie Ehefrauen hochrangiger Parteikader.

Später, als die Modelle die Verkaufsräume des GUM und für Fotosessions den Roten Platz eroberten, konnte sie bewundern, wer wollte. Fotochroniken aus diesen Jahren halten Bilder fest, auf denen Russen Models in Dior-Kostümen bestaunen wie Marsmenschen.

Die Models von Dior ziehen bei einem Spaziergang durch Moskau alle Blicke auf sich, 1959. Foto: Getty ImagesDie Models von Dior ziehen bei einem Spaziergang durch Moskau alle Blicke auf sich, 1959. Foto: Getty Images

Eines der wichtigsten Medien dieser Zeit, die Zeitschrift „Ogonjok“, kommentierte eine Modenschau mit den Worten: „Das Publikum betrachtet die Models mit größter Aufmerksamkeit. Manche ziehen sich die Kleider im Geiste über und werfen sich den Pelzmantel über die Schultern, andere versuchen, den interessanten Schnitt zu erfassen und sich ihn einzuprägen. Die Zuschauerinnen bemerken: ‚Warum sind Kleider aus dicker Wolle so weit ausgeschnitten? Das ist ja fast ein Sarafan. Für uns aus dem Norden ist das nicht besonders praktisch. Im Sommer, selbst abends, wird es einem in einem solchen Kleid heiß. Die Kleider sind etwas kurz geraten. Für Fülligere und eher kleine Frauen ist ein solcher Schnitt nicht besonders schmeichelhaft. Die Handstickerei auf dem Tüll ist natürlich sehr, sehr schön. Aber wer kann sich einen solchen Luxus schon leisten?‘“

2. Die „russische“ Kollektion von 1976

Wie der Designer selbst bekannte, liebte er Russland und seine Kultur, deren Einfluss in vielen seiner Kreationen erkennbar ist. In keiner jedoch ist er so ausgeprägt wie in seiner Herbst-Winter-Kollektion von 1976, die den Anfang des 20. Jahrhunderts in Paris und New York gezeigten Ballettstücken „Saisons Russes“ von Sergei Djagiljew gewidmet sind. Der Meister ließ sich auch von Protagonistinnen der russischen Literatur inspirieren, vor allem von Natascha Rostowa und Anna Karenina.

Dieses Outfit war von der Kleidung der Kosaken inspiriert und Teil der Winterkollektion 1976/77 von Yves Saint-Laurent. Foto: APDieses Outfit war von der Kleidung der Kosaken inspiriert und Teil der Winterkollektion 1976/77 von Yves Saint-Laurent. Foto: AP

In seinen Modeschöpfungen finden sich Motive, die er Kosakenuniformen, traditioneller russischer Bauerntracht und modernen Ballettkostümen des Künstlers Léon Bakst entnommen hat. Die Kollektion war ein durchschlagender Erfolg. Die „New York Times“ bezeichnete sie als „revolutionär“ und als „richtungsweisend“ für die internationale Mode. Yves Saint-Laurent selbst sagte über sie: „Ich weiß nicht, ob diese Kollektion meine beste Arbeit ist. Mit Sicherheit aber ist sie die schönste.“

3. Freundschaft mit Lilja Brik

Lilja Brik, die vor allem wegen ihrer leidenschaftlichen Affäre mit dem Dichter der russischen Revolution Wladimir Majakowski von sich reden machte, galt als Frau, die ihrer Zeit voraus war. Sie war keine Schönheit, übte auf Männer jedoch eine magische Anziehung aus. Viele namhafte Künstler, Romanciers und Dichter des beginnenden 20. Jahrhunderts bezeichneten sie als ihre Muse. Sie galt daher auch als „Muse der russischen Avantgarde“.

Lilja Brik, die Geliebte des Dichters Wladimir Majakowski. Foto: Mikhail Ozerskiy/RIA NovostiLilja Brik, die Geliebte des Dichters Wladimir Majakowski. Foto: Mikhail Ozerskiy/RIA Novosti

Yves Saint-Laurent lernte sie zufällig auf einem Moskauer Flughafen kennen. Sie war damals bereits über 80 Jahre alt. Später erinnerte sich sein bester Freund und Lebenspartner, der Couturier Pierre Bergé: „An uns ging eine ausdrucksstarke Frau mit grauen Haaren vorbei. Sie trug einen ausgestellten Pelzmantel mit fließendem Schnitt (…)“.

In ihr fand Saint-Laurent eine sehr wichtige Gesprächspartnerin: „Mit Lilja Brik konnte ich über absolut alles offen reden – über Liebesfragen, Anstand, Malerei und sogar über Politik. (...) Selbstverständlich auch über Mode“, sagte er.

Der Modeschöpfer schenkte ihr viele seiner Arbeiten. Zu ihrem 85. Geburtstag überreichte er ihr ein Abendkleid, das sie sehr liebte und häufig trug – entgegen der Etikette, die es nicht erlaubte, sich zwei Mal im selben Kleid in der Öffentlichkeit zu zeigen.

4. Arbeit mit Maja Plissezkaja

Der französische Modeschöpfer Yves Saint-Laurent und die russische Primaballerina Maja Plissezkaja, 1971. Foto: Corbis/Vostock-PhotoDer französische Modeschöpfer Yves Saint-Laurent und die russische Primaballerina Maja Plissezkaja, 1971. Foto: Corbis/Vostock-Photo

Elsa Triolet, Schriftstellerin, Ehefrau von Louis Aragon und Schwester von Lilja Brik, machte die legendäre russische Ballerina Maja Plissezkaja in Paris mit modischen Trends und Designern bekannt. Der Star des internationalen Balletts musste Yves Saint-Laurent einfach begeistern. So entwarf der Modeschöpfer für sie das Kostüm zum Ballett „Tod der Rose“.  Das leichte, in zartem Rosa gehaltene Kleid, das aus Blütenblättern einer Rose genäht zu sein schien und dabei volle Bewegungsfreiheit bot, war eine Sensation in der Kostümschneiderei des Bolschoi-Theaters und harmonierte ideal mit dem gefühlvollen, dramatischen und innovativen Geist des Stücks.

5. Liebe nach dem Tod

Der „russische“ Duft „Magnificent Blossom Oriental Collection 2015 Russian Limited Edition“. Foto: PressebildDer „russische“ Duft „Magnificent Blossom Oriental Collection 2015 Russian Limited Edition“. Foto: Pressebild

2008 starb der Couturier und Revolutionär der Modewelt. Das nach ihm benannte Modehaus jedoch bleibt seinem Faible für Russland treu und bringt von Zeit zu Zeit Modelle auf den Markt, die von dieser alten Verbindung inspiriert sind. So etwa wurde der „russische“ Duft „Magnificent Blossom Oriental Collection 2015 Russian Limited Edition“ exklusiv für Russland kreiert. 2014 kam eine lebendige Lidschatten-Palette auf den Markt, die erneut der ewigen Liebe des Yves Saint-Laurent gewidmet war – dem russischen Ballett.

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