Wo finden die besten Orgelkonzerte Moskaus statt?

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Im Großen Konzertsaal des Moskauer Konservatoriums, das diesen Herbst sein 150. Jubiläum feierte, findet am 17. Dezember das Einweihungskonzert der restaurierten Orgel des Konzerthauses statt. Ein guter Anlass, um herauszufinden, wo man in Moskau sonst noch gute Orgelkonzerte erleben kann. Wir stellen die acht besten Orte vor.

1. Großer Konzertsaal des Moskauer Konservatoriums

Foto: Vladimir Pesnya/RIA NovostiFoto: Vladimir Pesnya/RIA Novosti

Kritiker sind überzeugt, dass die Orgel in diesem Konzerthaus nicht nur ein wunderschönes Instrument ist, sondern auch ein beeindruckendes Exponat russischer Musikgeschichte. Das Instrument wurde im Jahr 1901 aufgebaut und gilt als erste Konzertorgel Russlands. Es stammt aus den Händen des bekannten französischen Orgelbaumeisters Aristide Cavaillé-Coll. Pjotr Tschaikowski selbst, der eng mit vielen französischen Musikern befreundet war, empfahl den Bau der Orgel bei speziell diesem Meister. Bis dahin waren für gewöhnlich deutsche Baumeister mit der Herstellung von Konzertinstrumenten beauftragt worden.

Die Orgel kostete damals mehrere Millionen Rubel in Gold und bestach durch ihr außergewöhnliches Design. Dies brachte ihr auch den Hauptpreis auf der Weltausstellung in Paris im Jahr 1900 ein. In die Front des Instruments wurde der Name Sergei Pawlowitsch von Derwis eingeprägt, der die Orgel zum Großteil finanziert hatte. Seit damals gaben auf der Orgel viele Musikgrößen ihr Talent zum Besten – unter ihnen der französische Orgelpianist Charles-Marie Widor, der Komponist Charles Tournemire und der italienische Orgelpianist und Komponist Marco Enrico Bossi.

Zum Einweihungskonzert des restaurierten Stückes am 17. Dezember, wie auch damals auf der Premierenfeier im Jahr 1901, wird ein französischer Pianist auf der Orgel spielen. Wer dies sein wird, wird allerdings noch bekanntgegeben.

2. Bolschoi-Theater

Foto: Sergei Fadeichev / TASSFoto: Sergei Fadeichev / TASS

Seit Ende des 19. Jahrhunderts ziert eine Orgel die historische Bühne des Bolschoi-Theaters. Das erste Instrument wurde 2013 jedoch durch eine neue Konzertorgel der Firma Glatter-Götz ersetzt. Viele Opern und Ballette, die das bekannteste Theater Russlands aufführt, werden von Orgelmusik begleitet. Dazu zählen zum Beispiel Pjotr Tschaikowskis „Die Jungfrau von Orleans“, Giuseppe Verdis „Don Carlos“ und „Othello“ oder Giacomo Puccinis „Tosca“. Ebenso erklingt in Sergei Prokofjews Ballett „Romeo und Julia“ Orgelmusik. Reine Orgelkonzerte finden im Bolschoi-Theater heute jedoch nur selten statt.

3. Tschaikowski-Konzertsaal

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Im Tschaikowski-Konzertsaal der Moskauer Philharmonie befindet sich eine der bedeutendsten Konzertorgeln der russischen Hauptstadt. Das Instrument wurde im Jahre 1959 von der Firma Rieger-Kloss aus der ehemaligen Tschechoslowakei nach Moskau gebracht und wird heute als Erinnerungsstück an die Sowjetzeit betrachtet. Musikexperten sind nämlich der Meinung, dass das Musikinstrument überholt sei und dass die Hauptbühne der Moskauer Philharmonie eine neue Orgel verdiene.

4. Glinka-Museum

Hannelore Kohl und Raissa Gorbatschowa im Glinka-Museum. Vitaliy Saveliev/RIA NovostiHannelore Kohl und Raissa Gorbatschowa im Glinka-Museum. Vitaliy Saveliev/RIA Novosti

Die älteste noch funktionierende Orgel Moskaus befindet sich im Foyer des Glinka-Museums. Das Instrument, das 1865 gebaut wurde, war von dem Kaufmann und Mäzen Wasilij Chludow zu Lehrzwecken an das Moskauer Konservatorium gespendet worden und wurde dort fast 100 Jahre lang bespielt. Heute wird sie erneut für Konzerte genutzt. Im Orgelsaal des Museums steht zudem noch eine Barockorgel, die von der deutschen Firma Alexander Schuke hergestellt und dort im Jahr 1979 aufgebaut wurde. Auf ihr werden meist Stücke von Johann Sebastian Bach, Dieterich Buxtehude, Johann Pachelbel und anderen deutschen Komponisten gespielt.

5. Swetlanowskij-Saal im Moskauer Haus der Musik

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Hier befindet sich die größte Orgel Russlands, die zudem einzigartige musikalische Möglichkeiten eröffnet. Sie wurde von den deutschen Firmen Klais und Glatter-Götz im Jahr 2004 gebaut. Auf der Orgel lassen sich klassische Stücke spielen, doch besonders beeindruckend erklingen moderne Melodien der Romantik. Das Instrument verfügt über eher ungewöhnliche Register wie beispielsweise jenes der „Walstimme“ oder jenes der tiefsten Frequenz von „64 Fuß“, welches an die Vibration eines wegfliegenden Helikopters erinnert.

6. Zarizyno-Park

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Im Vergleich zu anderen Konzerthäusern wird hier erst seit Kurzem Orgelmusik gespielt, da der Zarizyno-Park erst seit 2008 eine Konzertorgel der Firma Glatter-Götz besitzt. Die Komposition des Instruments eignet sich besonders für klassische Musik, weshalb in das Konzertprogramm vorwiegend Stücke klassischer Komponisten aufgenommen wurden, die vor allem wahre Orgelmusikliebhaber ansprechen.

7. Katholische Kirche Moskaus in der Straße Malaja Grusinskaja Uliza

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Die Orgel, die dieser Tage ihr 60. Jubiläum feierte, stammt ursprünglich aus der Schweiz und wurde von der Firma Kuhn hergestellt. Sie ist im Stil der Romantik gefertigt und beeindruckt durch eine reiche Klangpalette. Der Wohltätigkeitsverein „Iskusstwo dobra“ (zu Deutsch „Kunst des Guten“) veranstaltet regelmäßig Kirchenmusikkonzerte, bei denen berühmte internationale und russische Orgelpianisten ihr Können unter Beweis stellen.

8. Kathedrale St. Peter und Paul

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Im Jahr 2006 erhielt die Kathedrale eine historische, romantische Orgel der Firma W. Sauer, die im Jahr 1898 gebaut worden war. Ursprünglich hatte sich diese in der Kirche des Heiligen Michael im Moskauer Stadtviertel Lefortowo befunden. Die Orgel überstand die Februarrevolution im Jahr 1917 wie durch ein Wunder unbeschadet und stand danach für lange Zeit im Krematorium des Donskoi-Klosters.

Der Wohltätigkeitsverein „Bel Canto“ organisiert in der Kathedrale viele Konzerte. Um der Orgelmusik mehr Popularität zu verleihen, hat sich der Verein überlegt, die musikalischen Darbietungen mit visuellen Effekten und Videoinstallationen zu untermalen, die eigens für jedes Konzert erstellt werden. Auf den Orgelkonzerten werden neben Stücken berühmter Komponisten auch moderne Orgelkompositionen dargeboten.

Der Artikel erscheint hier in gekürzter Fassung.

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