Glockenspiel des Kremls: Sechs Fakten zum Symbol der Silvesternacht

Jedes Jahr hält der russische Präsident eine Feierrede nur wenige Minuten vor dem Läuten der Glocken.

Jedes Jahr hält der russische Präsident eine Feierrede nur wenige Minuten vor dem Läuten der Glocken.

Lori/Legion-Media
Die Uhr am Spasski-Turm ist nicht nur ein Moskauer Wahrzeichen, sondern auch ein Symbol der Silvesternacht in Russland. Beim Läuten der Glocken wird das alte Jahr verabschiedet und das neue begrüßt. Wenn man sich in diesem Moment etwas wünscht, so heißt es, wird es auf jeden Fall in Erfüllung gehen.

1. Tradition seit über 600 Jahren

Die erste Turmuhr des Kremls wurde im Jahr 1404 an einem Bogen am Hofeingang des Großfürsten Wassili angebracht. Aufzeichnungen zufolge fertigte die Uhr der serbische Mönch Lazarus, der sie auch montierte. Im Jahr 1624 wurde das Glockenspiel an ein Kloster in Jaroslawl verkauft; der Kreml erhielt bereits ein Jahr später ein neues Glockenspiel, dieses Mal auf dem Spasski-Turm. Es wurde unter der Leitung des schottischen Meisters Christopher Galloway angebracht.

2. Ein rotierendes Ziffernblatt

Der Entwurf für die alte Uhr mit den Großbuchstaben des slawischen Alphabets. / ArchivbildDer Entwurf für die alte Uhr mit den Großbuchstaben des slawischen Alphabets. / ArchivbildDas 400 Kilogramm schwere Ziffernblatt wurde im 18. Jahrhundert aus Brettern erbaut und blaugefärbt. Aufgrund der maximalen Tageslänge im Sommer war das Blatt in 17 Teile gegliedert. Die Abschnitte begannen jeweils mit den Großbuchstaben des slawischen Alphabets.

Die Uhr war mit goldenen und silbernen Sternen-, Sonnen- und Mondbildern geschmückt. Es gab keine gewöhnlichen Zeiger, ihre Rolle wurde von der Sonne und ihren Strahlen übernommen. Das Besondere an dieser Uhr war, dass nicht die Strahlenzeiger, sondern das Ziffernblatt sich bewegte.

Die Glocken läuteten, sobald der erste Sonnenstrahl auf den Spasski-Turm fiel. Mit dem Anbruch der Nacht wechselte die Uhr in die Nachtstunden. Alle 16 Tage änderte sich das Verhältnis zwischen Tages- und Nachtstunden, weshalb man den Mechanismus stets neu ausrichten musste.

3. Mit Gold überzogen

Im Jahr 1705 wurde die Uhr auf Befehl von Peter dem Großen nach deutschem Vorbild auf zwölf  Stunden umgestellt. Die goldene Oberfläche wurde dabei erneuert. Der Mechanismus der heutigen Kreml-Uhr entstand in Russland durch das dänische Brüderpaar Butenop in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die kupfernen Ziffern und die Teilstriche ließen die Brüder mit rotem Gold beschichten. Auch die eisernen Zähler wurden, zunächst in Kupfer gewickelt, mit Gold beschichtet.

4. „Oh, du lieber Augustin“ und „Die Internationale“

Nach der Restaurierung durch den deutschen Meister Fatz im Jahr 1776 spielte die Uhr das Lied „Oh, du lieber Augustin“.

Die Brüder Butenop planten, die Hymne des Russischen Kaiserreiches spielen zu lassen, doch Nikolaus I. untersagte das. Bis 1917 spielte die Uhr den „Marsch des Leibgarde-Preobraschenski-Regiments“ und „Ich bete an die Macht der Liebe“ – bis zu vier Mal am Tag.

Die Kreml-Uhr spielt "Die Internationale". Quelle: Youtube

Im Jahr 1918 wurde die infolge des Sturms auf den Kreml beschädigte Uhr auf Befehl von Wladimir Lenin erneuert. Bis zum Jahr 1938 spielte sie die Hymne „Die Internationale“.

5. 58 Jahre Schweigen

Die Uhr am Spasski-Turm ist ein Wahrzeichen von Moskau. Foto: Mikhail Voskresenskiy/RIA NovostiDie Uhr am Spasski-Turm ist ein Wahrzeichen von Moskau. Foto: Mikhail Voskresenskiy/RIA Novosti

Im Jahr 1938 wurde das Glockenspiel zum Schweigen gebracht. Alle 15 Minuten wurde lediglich geläutet. Im Rahmen der ersten Restaurierung im Jahr 1974, bei der der Mechanismus auseinandergebaut und die Teile erneuert wurden, kam die Sonderkommission zu dem Schluss, dass es unmöglich sei, mit den Glocken des Spasski-Turms die sowjetische Hymne zu spielen.

Und so wurde das „Schweigen“ erst im Jahr 1996 beim Amtsantritt des ersten russischen Präsidenten Boris Jelzin gebrochen. Die Glocken spielten das „Patriotische Lied“ von Michail Glinka, das damals die russische Nationalhymne war.

Seit 1999 spielt das Glockenspiel zwei Melodien. Um sechs und um zwölf Uhr ertönt die aktuelle russische Nationalhymne („Hymne der Russischen Föderation“), um drei und um neun Uhr jeweils Glinkas „Patriotisches Lied“.

6. Das Glockenspiel läutet das neue Jahr ein

Das Läuten zum Neuen Jahr wurde zum ersten Mal im Jahr 1923 im Radio übertragen. Diese Tradition ging auf das Fernsehen über. Heute hält der russische Präsident eine Feierrede, die ebenfalls im Fernsehen übertragen wird, nur wenige Minuten vor dem Läuten der Glocken. Man sagt, dass Wünsche auf jeden Fall in Erfüllung gehen, wenn man sich in diesen Sekunden etwas wünscht.

Kein Neujahrsfeier gibt es in Russland ohne diese Uhr. Ein freues neues Jahr wünscht Ihnen die RBTH-Redaktion!

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