Fünf Persönlichkeiten mit asiatischen Wurzeln, die in Russland ihre Spuren hinterließen

Der größere Teil des russischen Territoriums liegt seit Jahrhunderten, geografisch gesehen, in Asien und so spielte der östliche Kontinent natürlich auch eine bedeutende Rolle in der russischen Geschichte. Russia Beyond stellt Ihnen fünf Persönlichkeiten vor, die aus Asien stammen und die russische Politik, Kultur oder den Sport auf den Kopf stellten.

1 Petr Badmajew, Doktor der tibetischen Medizin

Petr Badmajew

Petr Badmajew (1851 – 1920) stammt aus einer burjatischen Familie und wurde im sibirischen Irkutsk geboren. Er studierte später Östliche Studien an der Sankt Petersburger Universität und wurde ein berühmter Arzt  der tibetischen Medizin.

Badmajew züchtete in seinem eigenen Garten verschiedene Gräser und Kräuter. Obwohl er seine Methoden niemals gänzlich offenlegte, gaben ihm der Erfolg und die Heilungsquote Recht. Und so wurde er bald Leibarzt des Zaren Alexander III. und dessen Sohnes Nikolaj II.

Außerdem engagierte sich Badmajew sehr für seine Heimatregion Burjatien: Er unterstützte Verbesserungen im Bildungssystem, gründete eine Zeitung und sogar einen Goldabbau-Konzern in der Baikal-Region.

Badmajews Erfolge in der Forschung zur tibetischen Medizin wurden letztlich jedoch erst nach seinem Tode wirklich anerkannt. 1991 wurden seine Studien dann auch von der Russischen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht.

2 Viktor Zoi, Rocker-Legende

Viktor Zoi

Der in Russland geborene berühmte Frontmann mit koreanischen Wurzeln von der Band Kino, Viktor Zoi, stammte aus einer einfachen Arbeiterfamilie. Ende der 80er Jahre stieg er schnell zur Ikone der sowjetischen Jugend auf.

In seinem Sankt Petersburger Umfeld galt er weder als besonders schön noch als musikalisches Wunderkind. Aber er folgte seinem Kindheitstraum, wurde Musiker und verkörperte einen einfachen Schlucker, der es ganz nach oben schaffte, indem er sich einfach treu blieb.

In seinen Songs findet er einfache Ausdrücke, die die Sorgen der Jugendlichen seiner Zeit stark und klar trafen. Dies war für die Jugendlichen der langsam zerfallenden Sowjetunion mehr als attraktiv.

3 Irina Chakamada, Geschäftsfrau und Politikerin

Irina Chakamada

Irina Chakamada wurde 1955 in Moskau geboren. Ihr Vater war ein japanischer Kommunist, der in die Sowjetunion emigriert war, und dort eine Russin heiratete. Ihr älterer Bruder ist Russistik-Professor in Japan.

Chakamada studierte und promovierte in Wirtschaftswissenschaften. Ihr eigentlicher Karrieredurchbruch kam jedoch Anfang der 90er Jahre, als sie gemeinsam mit dem Geschäftsmann Konstantin Borowoj die erste Russische Börse (RTSB) in Moskau aufbauten.

Seit 1992 verfolgte sie dann bewusst eine politische Karriere, wurde Abgeordnete der russischen Staatsduma. Bei den Präsidentschaftswahlen 2004 erhielt sie immerhin 3,84 Prozent der Wählerstimmen.

Heute ist sie Mitglied des Öffentlichen Rates des Verteidigungsministeriums. Außerdem arbeitet sie als Business-Coach, Dolmetscherin und ist Buchautorin.

4 Kostja Tzju, Boxer

Kostja Z

Kostja Tzju wurde 1969 im Swerdlowsker Gebiet im Ural in einer koreanischen Familie geboren. Sein Großvater gehörte der koreanischen Minderheit in China an und wanderte später in die Sowjetunion aus.

Kostja Z, wie er sich oft nennt, begann mit neun Jahren zu boxen, mit 17 Jahren war er bereits sowjetischer Jugendmeister. 1989 und 1991 erreichte er dann den Europameistertitel, 1991 wurde er auch Weltmeister. Zeischen 2001 und 2003 blieb Tzju völlig ungeschlagen.

2005 beendete er dann mit 36 Jahren seine eigene Boxkarriere und trainiert seitdem den Nachwuchs. Außerdem engagiert er sich für verschiedene wohltätige Zwecke und ist einer der wichtigsten Vertreter und Sprecher des russischen Boxsports. 2011 wurde er in die Internationale Boxer-Hall-of-Fame aufgenommen.

5 Sergej Schoigu, Politiker

Sergej Schoigu

Sergej Schoigu wurde 1955 in der südsibirischen Republik Tuwa geboren. Viele Jahre arbeitete er zu Sowjetzeiten in der Maschinenbauindustrie. 1991 dann wurde er Chef des staatlichen Komitees für Notsituationen und zivile Verteidigung, 1994 bis 2012 Zivilschutzminister und nun seit 2012 russischer Verteidigungsminister.

Schoigu ist schon jetzt länger als alle anderen Minister in seinen Ämtern. Mehrmals belegten Umfragen, dass er das größte Vertrauen in der Bevölkerung genieße.

Schoigu gehört selbst zwar der Orthodoxen Kirche an, unterstützt jedoch auch den Buddhismus in Russland, da jener die vorherrschende Religion in seiner Heimat ist.

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