Keine Propaganda-Streifen: Acht sachliche Filme über den Kalten Krieg

Sowohl Ost als auch West betrieben während des Kalten Krieges unverhohlene Propaganda. Einige amerikanische und sowjetische Filme versuchten jedoch, die angespannten Beziehungen zwischen den beiden Ländern reflektierter oder humorvoller abzubilden.

Haben Sie heute, wenn Sie Fernsehnachrichten schauen, auch das Gefühl, dass die Welt bald untergeht? Haben Sie eventuell sogar Angst den Fernseher einzuschalten? Nun, früher war es viel schlimmer. Heute wissen wir zumindest, dass Ironie zusammen mit dem gesunden Menschenverstand und den guten alten Klassikern das beste Gegengift sind. Werfen Sie zusammen mit Russia Beyond einen Blick aus verschiedenen Blickwinkeln auf die globale ideologische Konfrontation zwischen Ost und West in der Zeit des Kalten Krieges.

1 „Dr. Seltsam, oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ von Stanley Kubrick (1964, USA)

Diese düstere Komödie ist ein Antidepressivum für all diejenigen, die sich um internationale Spannungen sorgen, ganz zu schweigen von einer Lektion für Machthaber, die der Film bereithält. Er zeigt die von Politikern in Gang gesetzte Apokalypse, die zu gierig waren, andere Interessen als ihre eigenen zu berücksichtigen. Gleichzeitig ist der Film sehr lustig und zeigt, wie verrückt die Männer an der Macht wirklich sind. Er erschien ein Jahr nach der Kubakrise auf dem Bildschirm und war als antimilitaristische Satireantwort auf militärische Programme der US-Regierung gedacht. „Dr. Seltsam“ basiert auf Peter Georges’ Thriller „Der rote Alarm“, der erstmals im Jahr 1958 veröffentlicht wurde und die allgemeine Angst vor einer nuklearen Apokalypse widerspiegelt. Er erzählt die Geschichte des fiktiven US-Generals Jack D. Ripper, der an antikommunistischer Paranoia leidet und einen nuklearen Angriff auf die UdSSR in Gang bringt.

2 „Der Fehler des Residenten“ von Weniamin Dorman (1968, UdSSR)

Dieser Kultfilm ist der erste Film einer Trilogie. Er erzählt die Geschichte des erfahrenen Geheimdienstbeamten und Sohnes des russischen Aristokraten Pawel Tuljew, der in die Sowjetunion kommt, um geheime Informationen über die Nuklearindustrie des Landes zu erhalten. Der KGB ist ihm stets auf den Fersen, als er schließlich einen fatalen Fehler begeht. „Der Fehler des Residenten“ ist ein Film, der ebenso wie „Siebzehn Augenblicke des Frühlings“ und „Die tote Jahreszeit“, in der feinsten Tradition des sowjetischen Noirgenres gehalten ist und alle Charakteristika eines traditionellen sowjetischen Spionagefilms besitzt, die definitiv dazu beitrugen, dass er ein Kassenschlager wurde.

3 „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ von Steven Spielberg (2015, USA)

Im Gegensatz zu zahlreichen anderen amerikanischen Filmen stellt dieser Film einen sowjetischen Geheimdienstoffizier in einem positiven Licht dar und meidet die Karikatur des „bösen Russen“, die man sonst häufig in Hollywood sieht. Durch die Darstellung der gegenseitigen Paranoia und des Hasses zwischen der Sowjetunion und den USA sowie der Angst vor dem Dritten Weltkrieg wird es der heutigen Generation leichtfallen, sich mit diesem Film zu identifizieren. Der berühmte sowjetische Agent Rudolf Abel ist dabei der Schlüssel zum Austausch mit dem amerikanischen Piloten Francis Gary Powers, der 1969 bei seiner Spionage-Mission über dem sowjetischen Territorium abgeschossen und von den Sowjets gefangen genommen wurde.  

>>>12 russische Schurken gegen James Bond

4 „Der Dritte Mann“ von Carol Reed (1949, Vereinigtes Königreich)

Dieser Thriller ist einer der ältesten und erschütterndsten Filme über den Kalten Krieg und hat zahlreiche Preise – darunter einen Oscar sowie einen Grand Prix in Cannes – gewonnen. Der Film spielt im Wien der Nachkriegszeit, das unter den Amerikanern, Briten, Franzosen und der Sowjetunion aufgeteilt wurde. Ein amerikanischer Schriftsteller und Autor von Billig-Romanen wird von einem Freund, der einen Tag vor seiner Ankunft unter seltsamen Umständen umkommt, eingeladen, in die Stadt zu kommen. Der Held versucht, dem Tod seines Freundes auf den Grund zu gehen und zu verstehen, was wirklich passiert ist. Im Jahr 1999 erklärte das Britische Filminstitut den „Dritten Mann“ zum besten britischen Film aller Zeiten.

5 „Die tote Jahreszeit“ von Sawwa Kulisch (1968, UdSSR)

Dieses spannende sowjetische Schwarzweißdrama ist ein intelligenter Film über den Kampf intellektueller Köpfe und Intrigen. „Die tote Jahreszeit“ war der erste sowjetische Film über den Geheimdienst des Landes während des Kalten Krieges. Sein Drehbuch basiert auf Material, das vom KGB zur Verfügung gestellt wurde; als Prototyp der Hauptfigur diente der berühmte sowjetische Spion Konon Molodyj.

6 „Der Mann, der die Welt rettete“ von Peter Anthony (2014, Dänemark)

Dieser Dokumentarfilm ist einem Mann gewidmet, der durch seine schnelle und mutige Entscheidung buchstäblich die Welt rettete. Der Oberleutnant der sowjetischen Luftverteidigungskräfte Stanislaw Petrow war am 26. September 1983 im Dienst, als das Frühwarnsystem meldete, dass die Atomraketen von den USA in Richtung Sowjetunion unterwegs waren. Petrow hatte die Anweisung, in einer solchen Situation so schnell wie möglich einen Gegenangriff durchzuführen. Er traf jedoch eine andere Entscheidung und rettete damit Millionen von Menschen das Leben.

Der niederländische Regisseur Peter Anthony hatte in einer lokalen Zeitung einen kurzen Artikel über Stanislaw Petrow gelesen und war von ihm so beeindruckt, dass er ihn in seiner kleinen Wohnung in der Moskauer Region aufspürte. Zusammen mit einem Filmteam reiste Petrow in die USA, um einen angesehenen UN-Preis entgegenzunehmen, seinen Lieblingsschauspieler Kevin Costner zu treffen und die Leute daran zu erinnern, wie schwachköpfig es ist, über den Einsatz von Atomwaffen überhaupt nachzudenken.

7 „TASS ist ermächtigt zu erklären…“ von Wladimir Fokin (1984, UdSSR)

Diese zehnteilige Serie handelt vom geheimen Krieg zwischen dem sowjetischen und dem amerikanischen Geheimdienst und zeigt, wie sowjetische Agenten der komplexen und gefährlichen Aufgabe nachgehen, einen in Moskau lebenden US-Spion zu jagen. Der US-Spion arbeitet indessen in einer Institution, die wichtige Informationen über die Aktivitäten der UdSSR in Afrika enthält. Von dem Erfolg der Operation hängt dabei nicht nur das weitere Leben der beteiligten Menschen, sondern auch die Zukunft des afrikanischen Kontinents ab. Ein Teil der Dreharbeiten zum Film fand in Kuba statt und die meisten darin abgebildeten sowjetischen Agenten wurden von Personen aus dem wahren Leben inspiriert.

8 „Das Russland-Haus“ von Frederic Schepisi (1990, USA)

Dieser amerikanische Spionagefilm mit Sean Connery und Michelle Pfeiffer in den Hauptrollen war der erste US-Film, der von einem australischen Regisseur in der UdSSR gedreht wurde. Zu Beginn der Perestroika übergibt ein brillanter sowjetischer Physiker seiner ehemaligen Geliebten Katja, einer Mitarbeiterin eines Moskauer Verlages, Informationen über das sowjetische Militär. Sie muss die Dokumente an einen britischen Freund weiterleiten, doch der britische Geheimdienst macht ihnen einen Strich durch die Rechnung. Der Film ist nicht nur ein spannender Spionagethriller, sondern enthält hat auch romantische Elemente und lässt den Zuschauer einen Blick auf ein paar atemberaubende russische Orte werfen.

>>>Drei fiktive sowjetische Spione und ihre Vorbilder im echten Leben

>>>Wie der KGB sowjetische Schauspieler anwarb

>>>Wie prominente ausländische Geheimagenten in Russland arbeiteten – und scheiterten

Möchten Sie die besten Geschichten aus Russland regelmäßig per E-Mail erhalten? Dann hier entlang zu unserem wöchentlichen Newsletter: >>> Jetzt Newsletter abonnieren

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung ausschließlich unter Angabe der Quelle und aktiven Hyperlinks auf das Ausgangsmaterial gestattet.

Weiterlesen