Dreifaltigkeitskathedrale: Die goldenen Sterne von Sankt Petersburg

Hier gaben sich Fjodor Dostojewski und Anna Snitkina einst das Ja-Wort.

Hier gaben sich Fjodor Dostojewski und Anna Snitkina einst das Ja-Wort.

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21 Jahre nahm die Restaurierung einer der schönsten Sakralbauten in Sankt Petersburg, der Dreifaltigkeitskathedrale, in Anspruch. Jetzt sind die Arbeiten abgeschlossen. RBTH stellt bedeutende historische Details des Bauwerks vor.

1. Errichtet als Garnisonskirche des Ismailowski-Regiments

In der Mitte des 18. Jahrhunderts standen an der Stelle der heutigen Kathedrale Kirchengebäude für das Ismailowski-Regiment. Die Soldaten waren in angrenzenden Kasernen untergebracht. Mangels ständiger Wohnungen baute man anfangs eine mobile Kapelle. Als im Jahr 1734 die erste mobile Kirche, ein Holzbau, entstand, schenkte ihr die Gründerin des Regiments, Kaiserin Anna Ioannowna, einige Priestertalare.

Ehrenkommandanten sollten später Familienangehörige der Romanows werden, unter anderem Katharina die Große, Kaiser Paul I. und Großfürst Nikolai Pawlowitsch, später Nikolai I. Das Ismailowski-Regiment kämpfte in sehr bedeutenden Schlachten: im Sturm auf Otschakow, in der Schlacht bei Austerlitz und in der Schlacht bei Borodino. 1814 marschierte es in Paris ein.

Im Jahr 1754 wurde für die Regimentssiedlung ein neues Kirchengebäude mit fünf Kuppeln errichtet, das ebenso für eine begrenzte Zeit angelegt war. Es stand dort bis zum Jahr 1828.

2. Zweitgrößte Kirchenkuppel Europas

Die Kuppeln wurden in hellblauer Farbe gehalten und mit goldenen Sternen besetzt wie die der Erzengel-Michael-Kathedrale in Moskau. / Georgy Dolgopsky (CC BY-SA 4.0)Die Kuppeln wurden in hellblauer Farbe gehalten und mit goldenen Sternen besetzt wie die der Erzengel-Michael-Kathedrale in Moskau. / Georgy Dolgopsky (CC BY-SA 4.0)

Den Grundstein für die neue Kathedrale legte Zarin Maria Fjodorowna im Jahr 1828. Der Bau wurde aus Mitteln von Nikolai I., dem einstigen Truppenchef, finanziert. Er wünschte sich, dass die neue, für 3 000 Besucher ausgelegte Kathedrale nach dem Vorbild der früheren Holzkirche gebaut würde, und überwachte das Projekt persönlich.

Das von dem Architekten Wassili Stassow entworfene, eher nüchterne Gebäude mit vier Portiken wird von fünf Kuppeln gekrönt. Noch vor Beginn der Bauarbeiten ordnete der Zar an, die Kuppeln in hellblauer Farbe zu halten und mit goldenen Sternen zu besetzen wie die der Erzengel-Michael-Kathedrale in Moskau.

Die kleinen Kuppeln sind nicht diagonal angeordnet, sondern nach den Himmelsrichtungen. Sie stehen dabei so nahe beieinander, dass man sie aus der Ferne als eine einzige große Kuppel mit glänzenden goldenen Sternen wahrnehmen kann. Die Kuppel sollte Europas zweitgrößte Holzkuppel werden.

3. Militärische Gedenkstätte

In dem Kirchenbau wurden die Trophäen des Regiments aufbewahrt und die jeweils aktuellen Regimentsfahnen. Es lagerten hier auch die Schlüssel verschiedener Festungen, so etwa von Bajaset, Nikopol und Andrianopol, außerdem die Fahnen der gegnerischen, in den Schlachten geschlagenen Truppen.

An den Wänden der Kathedrale waren Marmortafeln angebracht, in die man die Namen der gefallenen Offiziere des Ismailowski-Regiments gemeißelt hatte. Die Kathedrale war eine der ersten Garnisonskirchen mit derartigen Gedenktafeln. Oft ließen ausgediente Soldaten, wenn sie die Truppe verließen, ihre Auszeichnungen in der Kathedrale zurück. Als der Zar es verbot, die Kathedrale mit Medaillen zu „schmücken“, goss man aus dem bereits vermachten Edelmetall eine Einfassung für eine Ikone des Nikolai Tschudotworez.

4. Denkmal zu Ehren russischer Streitkräfte

Geschütze der einst geschlagener Feinde fanden neben der Kathedrale auch ihren Platz. / Peter Kovalev/TASSGeschütze der einst geschlagener Feinde fanden neben der Kathedrale auch ihren Platz. / Peter Kovalev/TASS

Im Jahr 1886 wurde vor der Kathedrale in Anwesenheit von Alexander III. ein Ehrenmal eingeweiht, das an den Sieg im Russisch-Osmanischen Krieg (1877-1878) erinnerte. Die Säule wurde aus den Läufen von 108 im Krieg gegen die Türken eroberten Geschützen errichtet. Ihre Spitze krönt eine mit einem Lorbeerkranz geschmückte Siegesfigur. Neben dem Ehrenmal fanden ebenfalls Geschütze geschlagener Feinde Platz. In den 1930er-Jahren ließ die sowjetische Regierung das Denkmal einschmelzen. Erst 2005 wurde es rekonstruiert und an seinen alten Platz verbracht.

5. Trauungsort von Dostojewksi und Anna Snitkina

Die Kathedrale bezeugt nicht nur Militärgeschichte, sondern auch Ereignisse aus dem zivilen Leben. So ließen sich hier der Schriftsteller Fjodor Dostojewski und Anna Snitkina kirchlich trauen. Der Kirchenbau beherbergt darüber hinaus die älteste Ikone von Sankt Petersburg – die Ikone der Heiligen Lebensschaffenden Dreifaltigkeit aus dem Jahr 1406. Der Sakralbau selbst wurde als Teil des historischen Zentrums von Sankt Petersburg in die Liste der Unesco-Welterbestätten aufgenommen.

6. Mehr als 20-jährige Restaurationszeit

Nach 21 Jahren sind die Restaurierungsarbeiten nun abgeschlossen. / Peter Kovalev/TASSNach 21 Jahren sind die Restaurierungsarbeiten nun abgeschlossen. / Peter Kovalev/TASS

In der Sowjetunion wurde die Kathedrale geschlossen und lange Zeit für gesellschaftliche Zwecke genutzt. In den Kellerräumen war ein Gemüsespeicher untergebracht, das Gebäude selbst diente als Lager. Man plante, das Gelände der Kathedrale für einen Straßenbahn-Wendekreis zu nutzen, später sollte der Bau als Konzertsaal des Konservatoriums dienen.

Keiner dieser Pläne jedoch wurde umgesetzt. In den 1990er-Jahren begannen die Restaurierungsarbeiten. Ein Brand im Jahr 2006 verursachte erhebliche Schäden an der Kuppel. Sie ließ sich nur mithilfe eines speziellen Verfahrens rekonstruieren. Anhand von Fotos gelang es schließlich, auch den zentralen Kronleuchter der Kathedrale wiederherzustellen. Nach 21 Jahren ist die Restaurierung einer der berühmtesten Kathedralen Sankt Petersburgs vollendet.

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