Wodka: Was Sie schon immer über das "Wässerchen" wissen wollten

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Auch wenn die Russen den Wodka nicht wirklich erfunden haben, haben sie ihn doch gern in ihre Kultur integriert. Seit Jahrhunderten ist er nun schon Segen und Fluch für das Land.

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"Wodka ist das Schmiermittel, das die Spannungen zwischen den Russen und der Realität um sie herum abschwächt", ssagte einst der russische Publizist Dmitrij Bykow. "Ohne Wodka würden sich die verletztliche Seele des Russen und die grausame Realität einander die Augen auskratzen. Der Alkohol hilft den Russen, mit der Welt klarzukommen."

Bykow muss gescherzt haben. Denn das Jahrhunderte alte Klischee ist nicht (mehr) wahr: Nicht jeder Russe liebt Wodka, einige hassen das "Schmiermittel" sogar. Schon Lew Tolstoi kritisierte die Trunkenbolde seines 19. Jahrhunderts: "Es ist schwer vorstellbar, wie glücklich die Gesellschaft sein könnte, wenn die Menschen aufhören würden, sich selbstmit Wodka, Wein und Taback zu vergiften."

Und dennoch gehen Russland und Wodka in den weltweiten Stereotypen doch immer noch zusammen. Das Land ist ein unverzichtbarer Teil des sogenannten "Europäischen Wodka-Gürtels", wo der Schnaps bis heute noch Bier und Wein vom Spitzenplatz der Alkoholkonsumliste fernhält. Aber so war es nicht immer.

Alte Vorgeschichte

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In Russland ist man sich bis heute uneinig darüber, wann genau der Wodka ins Land gekommen sein könnte und wie er sich so sehr verbreiten konnt. Eine Legende besagt, dass es Dmitrij Mendelejew, der Erfinder des Periodensystems der Elemente, war, der 1894 den ersten echten, 40-prozentigen Standard-Wodka gemacht hat. Darum wird er oft als "Vater des Wodkas" bezeichnet. Aber das stimmt nicht ganz, denn der Schnaps war schon viel früher ins Land gekommen.

Laut dem Historiker Alexander Pidschakow muss das Getränk schon im 15. und 16. Jahrhundert die Leber der Russen "mariniert" haben. Aus Italien, wo zu dieser Zeit experimentell nach dem "Aqua vitae", dem Wasser des Lebens aus destillierten Gewürzen gesucht wurde, ließen sich die Russen wohl zu dem Getränk inspirieren. Das "Lebenswässerchen" war extrem stark, nicht weit entfernt von reinem Spiritus. In Russland wurden daraus die ersten Variationen eines neuen "Brotweins". Also begann es wohl im 16. Jahrhundert. Bald schon wurde dieser erste Wodka sogar schon ins Ausland exportiert. 

Wässerchen für die Massen

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Die Produktion von Wodka war schon damals billig, also konnte man mit dem Schnaps schnell großen Gewinn machen. Im 18. Jahrhundert allerdings wollte die Regierung des zaristischen Russlands verhindern, dass weiter jeder Hans, Horst und Iwan seinen eigenen Schnaps brauen kann. Zarin Elisabeth regelte darum per Erlass, dass ab sofort nur noch Adlige das "Wässerchen" ("Wodka" ist die Diminutiv-Form von "woda" - deutsch Wasser) herstellen und verkaufen durften. Das erhöhte auch die Qualität des Getränks, da sich die Adligen natürlich bessere Instrumente und Zutaten leisten konnten, zum Beispiel Tierproteine. Sie ergänzten außerdem immer wieder neue Aromate und jeder Wodka-Produzent kreierte so eine eigene einzigartige Geschmacksnote.

Aber: Das Adelsprivileg hielt nicht lange stand. Schon im 19. Jahrhundert nutzten Illegale sogar Kartoffelblüten zur Herstellung von Wodka. Und dann verschärfte der russische Herrscher die Regelung: Von nun an durfte nur noch der Staat Alkohol produzieren. 40 Prozent wurde als Standardwert für den Alkoholgehalt festgelegt.

Fairer Wettbewerb?

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Und dieses Staatsmonopol überdauerte sowohl die Zaren als auch die Kommunisten der Sowjetunion. Während des Ersten Weltkrieges wurde dieses Staatsmonopol zur wichtigsten Bargeldquelle für die Behörden und lieferte bis zu 32 Prozent des staatlichen Einkommens.

"Du kannst den Sozialismus nicht mit weißen Handschuhen aufbauen", sagte einst Josef Stalin und richtete sich damit gegen die starken Alkohol-Gegner im Land. Und so wurde der Schnaps auch nach 1924 noch weiter verkauft. Und das bis zum Zerfall der Sowjetunion. In den 90er Jahren dann griffen private Unternehmer dankbar nach der Wodka-Herstellung und sie verbreitete sich wieder im ganzen Land. Und so ist es bis heute, auch wenn immer wieder einzelne Politiker in populistischen Reden versuchen wollen, durch ein staatliches Monopol oder gar Komplettverbot den Alkoholkonsum zu mindern. 

Nun kennen Sie Geschichte und Theorie. Nun zur Praxis:

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