Trickfilmfestival Krok: Fünf Kronen der Animationskunst

Das französisch-belgische Projekt „Counting Sheeps“ von Frits Standaert wurde beim Krok in der Kategorie „Bester Film für Kinder“ nominiert.

Das französisch-belgische Projekt „Counting Sheeps“ von Frits Standaert wurde beim Krok in der Kategorie „Bester Film für Kinder“ nominiert.

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In Russland ist das Internationale Trickfilmfestival „Krok“ zu Ende gegangen, eines der größten seiner Art. Die Teilnehmer kamen aus 24 Ländern, darunter aus Frankreich, Deutschland, Indien, den USA, China und Spanien. RBTH hat fünf der interessantesten Filme für Groß und Klein ausgewählt.

„Counting Sheeps“ / „Compte les moutons“ (Frits Standaert)

Das französisch-belgische Projekt von Frits Standaert wurde beim Krok in der Kategorie „Bester Film für Kinder“ nominiert. Tatsächlich ist der Beitrag besser für Eltern geeignet als für ihre Kinder.

Ein Junge beginnt, vor dem Einschlafen Schäfchen zu zählen. Da bemerkt er plötzlich ein Dutzend dieser Paarhufer neben seinem Bett. Nach der Version des Regisseurs ist es eine Geschichte über die Kraft der Fantasie und der parallelen Realität, in der sich das Kind befindet. Sie ist nur dann möglich, wenn die Mutter ewig auf Arbeit ist, und der Vater, der sich zu Hause um alles kümmern muss, Zeitungsartikel mehr interessieren als sein eigener Sohn.

Standaert, dessen bekannteste Arbeit „Gerüchte“ – eine komödiantische Tierpantomime – ist, hat mit dem Film „Counting Sheeps“ eine neue Seite seiner kreativen Biografie aufgeschlagen und sich dabei dem Poetischen und Sanften zugewandt. Dies ist für die Zuschauer ein weiterer Beleg dafür, dass Animationsfilme aus den frankophonen Ländern durchaus eine Konkurrenz sind. 

„Baths“ / „Łaźnia“ (Tomek Ducki)

Tomek Ducki stammt aus Ungarn, wo er seinen Berufsweg begann. Sein Studium setzte er in Großbritannien fort. Seit mehreren Jahren lebt er in Polen, wo sich eine starke Trickfilmschule noch aus sozialistischen Zeiten erhalten hat. Dort schuf er auch den Kurzfilm „Baths“.

Das in Mischtechnik ausgeführte Werk ist ein Nachsinnen über das Leben. Indem er seine Akteure in das Wasser eintauchen lässt, gibt Ducki dem Betrachter die Möglichkeit, selbst in eine andere Realität einzutauchen. Der Regisseur sucht die unfassbare Grenze zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Fantasie und Wirklichkeit, und studiert damit gleichzeitig die Verbindung zwischen Körper und Bewusstsein, eingebettet in ein unkonventionelles Milieu.

„Baths“ hat bereits Hauptpreise bei Festivals in den USA, der Schweiz und Portugal bekommen. In Russland wurde der Beitrag zum besten Film in der Kategorie „Bis 5 Minuten“ auserkoren. 

„Nuggets“ (Andreas Hykade)

Andreas Hykade aus Deutschland ist – wie Tomek Ducki auch – fasziniert vom Studium von Lebensprozessen. Seine „Nuggets“ sind ein ausgezeichnetes Beispiel für Minimalismus. Der Animationsfilm belegt, dass gerade in der Einfachheit eine große Stärke verborgen ist. Hykade sagt, dass er während der Arbeit oft an seine Kinder denken müsse. Daher zieht „Nuggets“ Zuschauer jeden Alters in seinen Bann: Die Kleinen sehen ein lustiges Vöglein, die Größeren erkennen das eigentliche Sujet – Drogenabhängigkeit.

Hykade leitet die Abteilung Animation an der Filmakademie Baden-Württemberg. Seine Arbeit ist unter anderem auch ein bemerkenswertes Vorbild für diejenigen, die ihren Weg in dieser Richtung der Kinematografie machen wollen. Nicht von ungefähr hat German Films zuvor den „Nuggets“ die begehrte Auszeichnung „Next Generation Short Tiger“ als bestem Animationsfilm zugesprochen. 

„We Can’t Live Without Cosmos“ / „Мы не можем жить без космоса“ (Konstantin Bronsit)

Der Film von Konstantin Bronsit ist mit einer der Auszeichnungen des Krok prämiert worden, die den Titel „Für Geschicklichkeitsflug“ trägt. Bronzit, der schon einmal für einen Oscar nominiert war, kam auf wunderbare Weise zur Weltfilmkunst. Der Regisseur, der früher eher eine Affinität zu ironischen Filmen hatte („Am Rande der Welt“ / „На краю Земли“, „Garderobengeschichte – Liebesgeschichte“ / „Уборная история – любовная история“, „Aljoscha Popowitsch und der Drache Tugarin“ / „Алеша Попович и Тугарин Змей“) entwickelte hier eine dramatische Facette seines Könnens. Der neue Film vereint Leichtigkeit und Tiefgang, der Begriff „Kosmos“ jedoch beinhaltet ein breites emotionales Spektrum – von Liebe bis Trauer.

Es ist erstaunlich, dass dieser Streifen im Ausland höher bewertet wurde als in Russland selbst. Im Sommer hat Bronzit den Hauptpreis des Festival d’Animation Annecy – einem der ältesten Filmwettbewerbe – bekommen. Andererseits blieb dieser Film auf den einheimischen Filmforen nahezu unbemerkt.

„Brutus“ / „Брут“ (Swetlana Filippowa)

Den Grand Prix des Krok erhielt Swetlana Filippowa für ihren mit Holzkohle gezeichneten Animationsfilm „Brutus“. Es ist die erschütternde Geschichte von der Vernichtung der Prager Juden während des Krieges, erzählt von einem Schäferhund mit Namen Brutus.

Hunde kommen in jedem Film der Regisseurin vor, angefangen bei ihrem Debüt-Werk „Die Nacht ist gekommen“ („Ночь пришла“) bis hin zum Film vor „Brutus“ mit dem Titel „Wo die Hunde krepieren“ („Где умирают собаки“). Von all ihren Lehrern hat Filippowa vor allem die Traditionen des berühmten Juri Norstein geerbt: Du schaust auf ihre Hunde und denkst an den kleinen Wolf aus „Märchen der Märchen“ („Сказки сказок“), der von der renommierten Filmkunst-Akademie Los Angeles im Jahre 1984 als „bester Animationsfilm aller Zeiten und Völker“ ausgezeichnet wurde.

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