Spielend Russisch lernen

Die Finalisten des Russischpokals tellten ihr Können im Dezember in Gelsenkirchen unter Beweis.Foto: Pressebild

Die Finalisten des Russischpokals tellten ihr Können im Dezember in Gelsenkirchen unter Beweis.Foto: Pressebild

Der Bundescup „Spielend Russisch lernen“ findet in jedem Jahr deutschlandweit an zahlreichen Schulen statt. Im Dezember wurden die Finalisten nach Gelsenkirchen eingeladen. Russland HEUTE erzählt über die Endrunde des Russischpokals.

„Putin, Öl, Rubel, Raum" – das war alles, was Karl Schulz aus Königs-Wusterhausen sich vor Beginn des Bundescups „Spielend Russisch lernen" merken konnte. Heute weiß der Abiturient deutlich mehr über Russland. Gemeinsam mit seinem Teamkollegen Nico Weber erriet der 17-jährige Karl die meisten russischen Wörter und antwortete am besten auf die Fragen zu Kultur, Geschichte und Gegenwart Russlands. Die beiden Brandenburger gingen letztendlich aus dem bundesweit ausgetragenen Russisch-Lern-Spiel als Sieger hervor und gewannen den Hauptpreis des Wettbewerbs: eine Reise nach Moskau und St. Petersburg.

 

Russisch von April bis Dezember

Im Frühjahr 2012 beschloss Karl Schulz wie auch weitere über 5 000 Schülerinnen und Schüler, am Bundescup teilzunehmen. Den Wettkampf

um die besten Russischkenntnisse organisiert das Deutsch-Russische Forum in Zusammenarbeit mit der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch. Lokale Spielrunden zur Vorauswahl fanden deutschlandweit in 220 Schulen statt. Die meisten Teilnehmer kamen in diesem Jahr aus Sachsen. „Um den Sieg wetteiferten dort Teams aus 41 Schulen. Kaum wenig hinter Sachsen zurück lagen zahlenmäßig die Länder Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Thüringen", berichtet die Pressesprecherin des Events Dana Ritzmann.

In jedem Team treten zwei Personen an. Eine von ihnen lernt russisch, die andere hat gar keine Ahnung von dieser Sprache. Die Wettkämpfe zogen sich über das ganze Jahr hin. Zunächst wurde das beste Team einer jeden Schule ermittelt, danach traten die Gewinner der schulinternen Wettkämpfe in regionalen Spielen gegeneinander an. Die Besten stellten ihr Können im Dezember mit Unterstützung von Gazprom Germania in Gelsenkirchen unter Beweis. Dort wurden nicht nur die Sieger ermittelt; die Teilnehmer durften darüber hinaus alle das Heimspiel des FC Schalke 04 gegen den SC Freiburg live miterleben.

Die Finalisten des Russischpokals aus Leipzig Alexander Nikischow und Jonas Kujath erreichten den ehrenvollen zweiten Platz und gewannen als Preis eine Reise nach St. Petersburg. „In unserer Schule rannten mir die Schüler die Tür ein und veranstalteten Losziehungen, um an dem Wettkampf teilnehmen zu können", erinnert sich die Lehrerin der Preisträger Hanna De Almeida, die die beiden nach Gelsenkirchen begleitet hat.

Die zwei Schüler der sächsischen Schule lernen schon seit fünf Jahren „spielend" Russisch und haben um alle Bundescups gekämpft. Im Jahr 2010 schafften sie es ebenfalls bis ins Finale und kamen auf den vierten Platz. Auf der nunmehr fünften Jubiläumsveranstaltung präsentierten sich die Schüler der Johannes-Kepler-Schule auf der zweiten Stufe des Siegertreppchens. Wenn sie sich weiter so erfolgreich nach oben arbeiten, dann sei den beiden Leipzigern, so die Russischlehrerin, im Jahr 2013 der erste Preis sicher.

 

Mit Cleverness und Glück zum Sieg

Unter den 30 Finalisten aus zehn Bundesländern sind viele russischsprachige Schüler – Migranten aus osteuropäischen Ländern. „Die Spielregeln sind aber so konstruiert, dass es keine Favoriten gibt. Natürlich ist es ein bisschen entmutigend, wenn im Zimmer am Tisch des Gegners jemand sitzt, der akzentfrei russisch spricht, und du selbst lernst die Sprache mühevoll seit ein paar Jahren", erzählt Dana Ritzmann.

„Die Bedeutung des Wortes „Matrjoschka" kennen die meisten, ganze Wortgruppen wie „Umstellung auf erneuerbare Energien" dagegen sind eine deutlich andere Herausforderung. Die Teilnehmer aber sind alle sehr ehrgeizig bei der Sache und kämpfen aus vollem Einsatz um ihren Sieg". Letztendlich, so Ritzmann, hänge alles von der Cleverness und der Geschlossenheit des Teams und natürlich auch vom Glück ab.

Im Frühjahr 2013 werden Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland wieder aufeinandertreffen und loslegen mit den Spielwürfeln und Vokabelkärtchen. Das Finale wird in diesem Jahr allerdings nicht in Gelsenkirchen ausgetragen, sondern im süddeutschen Rust. Das kleine Städtchen ist Standort des Europa-Parks, des deutschlandweit größten Freizeitparks.

„Im Finale fliegen auf einem Schlag acht Mannschaften aus dem Turnier. Die betreffenden Jungen und Mädchen sind traurig und haben nichts mehr zu tun", erläutert Dana Ritzmann. „Daher haben wir vor, die Chancen auf einen Sieg für alle zu erhöhen. Wer im Finale ausgeschieden ist, kann im Freizeitpark zusätzliche Punkte sammeln." An dem Konzept wird noch gearbeitet. Sicher ist aber, dass in diesem Jahr noch einige Tausend mehr deutsche Schülerinnen und Schüler am Spieltisch die russische Sprache für sich entdecken werden.

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