Nicht immer Bären-stark

Foto: Reuters

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Russland und die Berlinale verbindet eine wechselvolle Geschichte: Erst waren die Filme aus der Sowjetunion gar nicht zugelassen, dann wurden sie dekoriert. Nach ein paar Jahren Boykott kam die Perestroika und mit ihr ein ganz neues Interesse an Land und Filmen. Inzwischen herrscht Normalität.

Der Bär ist sowohl das Wappentier von Berlin als auch das Symbol Russlands. Doch was da so kompatibel klingt, war alles andere als harmonisch, als die Berlinale im Juni 1951 das erste Mal über die Bühne ging.

1951 waren Filme aus sozialistischen Ländern nämlich noch »grundsätzlich ausgeschlossen«, wie es in einem Papier der Organisatoren hieß. Diese dem Kalten Krieg geschuldete Position blieb jahrzehntelang unverändert, auch wenn hinter den Kulissen seit dem Ende der 60er Jahre durch die Festivalleitung vereinzelt vorsichtige Einladungen ausgesprochen wurden.

Doch jetzt wollte die andere Seite nicht. Vor allem die Regierungen der DDR und der Sowjetunion beobachteten sehr genau, ob und in welcher Weise die Berlinale von der Regierung in Bonn finanziert und möglicherweise „politisch instrumentalisiert“ würde.

Das Argument des »Sonderstatus« der Stadt und ihres Viermächtestatuts wurde auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs nun für politische Willensäußerungen benutzt. Und so dauerte es bis nach der Unterzeichnung der Ostverträge durch Willy Brandt, dass zum ersten Mal ein Film aus der Sowjetunion an den »Internationalen Filmfestspielen« teilnehmen durfte: »Mit dir und ohne dich« von Rodion Nachapetow im Jahr 1974.

Russische Filme auf der 63. Berlinale

Tragödie der Redlichkeit

Beginn der 63. Berlinale

Schon 1975 wanderte dann der erste Bär Richtung Russland. Sergej Solowjow bekam einen in Silber für die beste Regie; ausgezeichnet wurde sein Film »Hundert Tage nach der Kindheit«. 1977 gab es dann schon den ersten Bär in Gold für »Die Erhöhung« (Regie: Larissa Schepitko), und für diesen Film auch den damals in Moskau sicherlich nicht so gern gesehenen Preis der Katholischen Filmkritik.

Dennoch, Rückschläge blieben nicht aus. Als 1979 Michael Ciminos Film »Die durch die Hölle gehen« im Festival lief, verließ die sowjetische Delegation demonstrativ die Vorführung und zog alle Filme aus dem Festival ab. Der Freiheitskampf des vietnamesischen Volkes sei »in nicht völkerverständigender Art und Weise« dargestellt worden, hieß es als Begründung. Es dauerte einige Jahre, bis sich die Verhältnisse wieder normalisiert haben sollten.

Mit der Öffnung Richtung Osten und der Verlegung des Festivalzeitpunktes in den Februar etablierte sich die Berlinale endgültig unter den A-Festivals. Das Jahr 1987 ließ erkennen, dass Glasnost und Perestroika ab nun auch im Kulturleben Russlands und in der Filmpolitik Spuren hinterlassen sollten. Außer Konkurrenz lief der bereits drei Jahre alte Film »Abschied von Matjora« (Regie: Elem Klimow), und ein umstrittener Meisterregisseur wie Andrej Tarkowski durfte mit einer postumen Retrospektive geehrt werden.

Frisch vom Schneidetisch gelangte Rolan Sergejenkos Dokumentarfilm »Die Glocken von Tschernobyl« nach Berlin und wurde in einer ausverkauften Sondervorführung gezeigt, da er nicht rechtzeitig zu Festivalbeginn fertiggestellt worden war. Den Goldenen Bären 1987 gewann der bereits acht Jahre alte Spielfilm »Das Thema« aus der UdSSR.

Damit schienen die Differenzen der Vergangenheit Geschichte zu sein. Auch in den nächsten Jahren sollten noch Schätze aus Moskauer Archiven in Berlin im Wettbewerb laufen. 21 Jahre alt war der Film, der 1988 den Spezialpreis der Jury erhielt: Aleksandr Askoldovs »Der Kommissar«.

Russische Filme finden sich seitdem regelmäßig im Wettbewerb und unter den Preisträgern der Berlinale. Wie in allen A-Festivals ist die Auswahl der Filme aus Russland im Festival eher der »Arthouse« als der »Mainstream«-Kategorie zuzuordnen. Die großen Publikumserfolge der letzten Jahre in Russland schafften es deshalb selten nach Berlin oder in die deutschen Kinos. Den Platz als »Fenster zum Osten« hat sich die Berlinale jedoch erhalten und in den Jahren weiter ausgebaut. Nach einer langen und schwierigen Anlaufphase scheinen sich der Bär der Berlinale und sein russischer Vetter jetzt friedlich beschnuppert und angefreundet zu haben.