Preußische Kater in Kaliningrad

Foto: Pressebild

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Die Kaliningrader Kater haben preußisches Blut in ihren Adern. Die Stadt gedenkt ihres heimlichen Wappentiers mit Ausstellungen, Konzerten und Kreativ-Wettbewerben.

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Die Preußen gibt es heute in Kaliningrad nicht mehr. In den Katzen der Stadt aber fließt bis heute deutsches Blut. Viele Königsberger hatten ein Haustier auf vier Pfoten, welches in den Kriegswirren zurückgelassen werden musste. Generationen später sind daraus bis heute viele Nachkommen entstanden. Eben diesen Geschöpfen wurde nun schon zum 13. Mal in der ersten Frühlingswoche eine Vielzahl kultureller Veranstaltungen im ganzen Stadtgebiet gewidmet.

Ein Schönheitswettbewerb unter Katzen, eine Kreativ-Werkstatt, in der Kinder sich im Basteln von Spielzeugkatzen üben konnten, Konzerte, Bühnenshows, Gemälde- und Figurenausstellungen – das alles stand auf dem Programm der Woche des Preußischen Katers. Hauptschauplatz des Events war traditionsgemäß das Königstor, ein altes historisches und architektonisches Denkmal von Gestalt eines kleinen Schlosses, das heute eine Filiale des Museums für Weltmeere beherbergt. Dort wurde vor acht Jahren anlässlich der 750-Jahr-Feier Kaliningrads eine Skulptur des Schlüsselbewahrers der Stadt eingeweiht – ein Kater aus Bronze. Das symbolträchtige Tier ist ein Kunstwerk der Kaliningrader Bildhauerin Ljudmila Bogatowa. Wenn man ihm über den Bauch streicht und einen Wunsch erraten lässt, so sagt es der Volksglaube, dann wird dieser in Erfüllung gehen.

Zur feierlichen Eröffnung der Woche waren außer Kaliningradern auch viele deutsche Touristen gekommen. Speziell für sie spielte die Gruppe „Legenda" Friedrich Silchers „Ännchen von Tharau". Nach dem kleinen Konzert machten sich die Besucher auf den Weg zur Gemäldeausstellung. Diese präsentierte an den verstecktesten Orten der Stadt mit ungewöhnlichen Techniken unterschiedlichste Katzenmotive.

Die Künstler, deren Arbeiten ausgezeichnet wurden, bekamen Geschenke von den Veranstaltern. Die jüngste Preisträgerin, die zehnjährige Anastassija, die auf der Ausstellung ihr ersten Bild gezeigt hat, erzählt: „Ich wollte unbedingt an der Ausstellung teilnehmen. Aus diesem Grund fing ich an zu zeichnen. Meine Models waren die Nachbarskatzen Alissa und Wega. Zuhause fand ich alte Fotos von Kaliningrad. Mit Bleistiften und Markern übertrug ich die Katzenfiguren auf die Stadtaufnahmen. Die beiden Stubentiger verdienen großes Lob. Ohne dass man sie gezwungen hätte, blieben sie mehrere Stunden regungslos sitzen. Als hätten sie alles verstanden."

Neben den Kindern stellten auch erwachsene Künstler ihre Arbeiten aus. Der Moskauer Lew Bartenew reiste mit ungefähr 40 fröhlichen, frechen und teilweise auch „philosophisch" versonnenen Katzenporträts an. Seine Leidenschaft für das Katzenzeichnen erklärt er unter anderem damit, dass er selbst in der Stadt des Katers geboren wurde. Die erste Katze hat er, wie er sagt, 1993 gezeichnet. Wie viele Katzen in seinem künstlerischen Werk mittlerweile versammelt sind, kann er nicht mehr zählen. Auf der Ausstellungseröffnung zitierte er Bernard Shaw: „Ein Mensch ist erst dann als zivilisiert zu betrachten, wenn er die Katze versteht."

Unter den Teilnehmern am Schönheitswettbewerb wiederum wurde das beste Katzenpaar 2013 gewählt – der preußische Katerkönig und seine schöne Katzengemahlin. Man schmückte sie mit den entsprechenden „königlichen" Attributen: mit Kronen und Roben. Ihren Status behalten die Glückpilze auf vier Pfoten bis zum nächsten Wettbewerb im nächsten Frühjahr.

Der Kater war bereits vor Jahrhunderten „Schutzherr" Kaliningrads. Nicht umsonst machte der berühmte Sohn Königsbergs, der Märchenerzähler E.T.A. Hoffmann, Kater Murr zu einem der beliebtesten seiner Helden. Und während des Krieges stellten die Katzen ein weiteres Mal ihre Rolle wahrer Schutzpatrone der Stadt unter Beweis. Landeskundige versichern, dass die Mehrheit der städtischen Samtpfoten Nachkommen echter Königsberger Vorkriegskatzen sind. Diese wurden von ihren Herrchen und Frauchen zurückgelassen und schlossen sich erfolgreich den neuen Bewohnern der Stadt an, der sie ihren zahlreichen Nachwuchs schenkten.

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