Tunnel in die Zukunft – Max Planck in Moskau

Der halbdunkle Saal, in dem alle Ausstellungsstücke in Neonlicht getaucht sind, vermittelt die Atmosphäre eines futuristischen Wissenschaftszentrums. Foto: Pressebild

Der halbdunkle Saal, in dem alle Ausstellungsstücke in Neonlicht getaucht sind, vermittelt die Atmosphäre eines futuristischen Wissenschaftszentrums. Foto: Pressebild

In Moskau ist im Rahmen des Deutschlandjahres in Russland die multimediale Ausstellung „Max-Planck-Science-Tunnel“ zu sehen. Sie zeigt, wie moderne Technologien das Leben auf unserem Planeten in den nächsten Jahren verändern werden.

Warum gibt es in der Natur keine zwei gleichen Schneeflocken? Warum stoßen Vögel, die in Keilformation fliegen, nicht aneinander? Gibt es im Kosmos dunkle Materie? Auf diese und viele andere bewegende Fragen antwortet die Ausstellung.

Jeder Besucher erhält am Eingang einen iPod mit spezieller Software, die die QR-Codes der Exponate und Stände abliest, und wird selbst ein bisschen zum Forscher. In der Abteilung „Leben" ist ein Teil des Schädels eines Neandertalers ausgestellt. Aber erst wenn der Besucher den iPod an den QR-Code hält, erfährt er, wie alt dieser Fund ist. Er kann sich zusätzlich ein Interview mit einem Archäologen darüber anhören, an welchen Orten der Welt Grabungen nach Überresten alter Siedlungen durchgeführt werden. Das Gerät zeigt sogar ein vollständiges 3D-Modell eines Neandertaler-Schädels, das nachvollziehbar macht, um welchen Teil es sich bei dem Exponat handelt.

Der halbdunkle Saal, in dem alle Ausstellungsstücke in Neonlicht getaucht sind, vermittelt die Atmosphäre eines futuristischen Wissenschaftszentrums. Das spricht besonders Besucher an, die sich nicht in einem langweiligen Vorlesungssaal mit wissenschaftlichen Themen befassen wollen. Die Ausstellung ist in acht thematische Module unterteilt. Mithilfe eines

„Zauberspiegels" kann man zum Beispiel die inneren Organe sehen, die auf das eigene Spiegelbild projiziert werden. Bislang erzeugt der „Zauberspiegel" nur die Illusion, dass wir in unseren Körper hineinsehen können. „Aber wir haben gute Gründe zur Annahme, dass es in absehbarer Zukunft möglich sein wird, ohne schädliche Röntgenstrahlen oder schmerzhafte Schnitte ins Körperinnere zu schauen", erzählt Sawwa Michajeksu, Student an der biologischen Fakultät der Moskauer Staatlichen Lomonossow- Universität (MGU), der Besuchergruppen durch den „Tunnel" führt.

Für die Arbeit in der Ausstellung wurden einige Dutzend Studenten technischer und naturwissenschaftlicher Institute der MGU engagiert. Sie haben hier die Möglichkeit, ihr Wissen praktisch anzuwenden und erklären den Besuchern komplizierte Sachverhalte in einfachen Worten. Ohne das Mitwirken der Studenten würde die Ausstellung nicht funktionieren. Schließlich greift sie komplexe Zukunftsprobleme wie den Klimawandel oder die Verlängerung der Herzleistung auf, für deren Verständnis es nicht immer reicht, einen Text zu lesen oder den iPod an den OR-Code zu halten.

Die Wissenschaft stehe in einer Bringschuld gegenüber der Gesellschaft, beantwortet Peter Steiner, der Projektleiter des „Science Tunnel", die Frage nach dem Sinn der Ausstellung. „Auf diese Weise geben wir den Menschen zurück, was wir ihnen schuldig sind", sagt Steiner. Aufklärung sei der beste Ansatz. Die Schau erzähle den Menschen schließlich nicht nur von den Erkenntnissen der Wissenschaft, sie führe zudem Schüler und Studenten an die Forschung heran.

Der Eintritt in die Ausstellung – damit bleiben die Veranstalter ihrer Mission treu – ist kostenlos.

Die Ausstellung ist dem Begründer der Quantenphysik und Nobelpreisträger Max Planck gewidmet. Die gleichnamige deutsche Forschungsgesellschaft, der 80 Institute und Einrichtungen angehören, übernahm ihre Organisation. Seine Premiere hatte der „Science Tunnel" im Oktober 2012 in Paderborn. Die Ausstellung in Deutschland zog über 20.000 Besucher an und wurde als ein großer Erfolg gefeiert.

Nun startet der „Science Tunnel" seine internationale Tournee als Bestandteil des Deutschlandjahrs in Russland in den Räumen des Moskauer ARTPLAY-Zentrums. Hier wird er bis zum 3. Mai zu sehen sein. Danach zieht die Ausstellung weiter nach St.-Petersburg und Wladiwostok. Von Russland aus geht es dann nach Neu-Delhi, São Paulo, New York und Tokio.