Untertitel im Theater

Die mobilen Computer mit den Untertiteln werden vor der Vorstellung ausgegeben. Foto: RIA Novosti

Die mobilen Computer mit den Untertiteln werden vor der Vorstellung ausgegeben. Foto: RIA Novosti

Das Pjotr-Fomenko-Theaterstudio in Moskau will ausländischen oder hörgeschädigten Gästen den Theaterbesuch ermöglichen und bietet ihnen nun Tablet-PCs mit Untertiteln in verschiedenen Sprachen an.

Wenn jemand ein Theater in einem Land besucht, dessen Sprache er nicht versteht, wird er möglicherweise nicht viel Freude an diesem Erlebnis haben. Der ganze Saal biegt sich vor Lachen oder vergießt Tränen, doch er sitzt da und kann nicht verstehen, was auf der Bühne vor sich geht. Häufig ist das Kulturprogramm ausländischer Touristen deshalb auf den Besuch von Gemäldegalerien und Opern- bzw. Operettenhäusern beschränkt.

In einer noch misslicheren Lage befinden sich Hörgeschädigte. Sie sind mit diesem Problem nicht nur bei Reisen ins Ausland konfrontiert. Im Pjotr-Fomenko-Theaterstudio hat man nun eine Lösung gefunden. Ausländische und schwerhörige Zuschauer können die Theaterstücke hier nun mithilfe von Untertiteln auf einem persönlichen Tablet-PC mitverfolgen.

 

Mobiler Service in drei Sprachen

Die mobilen Computer mit den Untertiteln werden vor der Vorstellung ausgegeben. Das Besondere dabei ist, dass der Text nicht mit schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund, sondern weiß auf schwarz dargestellt wird, wodurch die anderen Zuschauer nicht abgelenkt werden.

Wenn ein Theaterbesucher eine fremdsprachige Textversion benötigt, reicht es aus, diesen Wunsch unmittelbar vor Beginn des Theaterstücks mitzuteilen. Sicherer ist es allerdings, vorab per Telefon Bescheid zu sagen. Zurzeit stehen nämlich erst 20 Tablets zur Verfügung und möglicherweise sind kurz vor dem Aufführungsbeginn alle Geräte bereits vergeben.

Auf die Eintrittspreise wirkt sich dieser Service nicht aus. Der Zuschauer muss lediglich einen Personalausweis, Reisepass oder Führerschein als Pfand abgeben. Aber keine Sorge, das Dokument wird in einem speziellen Safe hinterlegt, der nur durch zwei Schlüssel gleichzeitig geöffnet werden kann. Einen davon bekommt der Zuschauer ausgehändigt, der andere verbleibt beim Mitarbeiter des Theaters. Nach der Aufführung gibt der Zuschauer das Gerät wieder ab und erhält seinen Pfand zurück.

Die erste Version des Programms FOMA, eben jener Anwendung, mit deren Hilfe die Untertitel während der Aufführung dargestellt werden, entstand bereits im Jahr 2004 und wurde seitdem viermal überarbeitet.

Mittlerweile bietet das Theater Untertitel für vier Theaterstücke an: für Tschechows Drei Schwestern (Englisch, Französisch, Deutsch), Tolstois Krieg und Frieden. Beginn des Romans (Englisch, Französisch) und Familienglück (Englisch, Französisch) sowie für Ostrowskijs Wölfe und Schafe (Französisch). Die Liste der Theaterstücke und Sprachen wird ständig ergänzt, und für die nächste Zeit sind Untertitel zu weiteren Stücken aus dem Repertoire des Theaters geplant. Auch die Auswahl der Sprachen soll erweitert werden: In Zukunft werden die Zuschauer den Dienst auch in Spanisch und Italienisch nutzen können.

 

Pläne für die Zukunft

Gegenwärtig arbeitet die Theatertruppe daran, an den Rückseiten der Sitzplätze für den jeweiligen Zuschauer in der Sitzreihe dahinter spezielle Halterungen anzubringen, in denen die Geräte in bequemer Höhe befestigt werden können. Dadurch sind die Theaterbesucher nicht mehr länger gezwungen, das Tablet die gesamte Aufführung über in der Hand zu halten.

Zudem soll in nächster Zeit auch noch eine Audioübersetzung zur Verfügung gestellt werden. Dann müssen die Zuschauer kein Dokument mehr als Pfand für den Tablet-PC hinterlegen; sie erhalten vom Mitarbeiter des Theaters einen Kopfhörer ausgehändigt, den sie dann an die entsprechende Buchse im Sitz anschließen müssen. In diesem Jahr soll außerdem noch eine neue Programmversion an den Start gehen. Mit deren Hilfe wird es dann möglich sein, sich die Untertitel auf dem eigenen Tablet oder Smartphone anzeigen zu lassen. Dazu muss lediglich die App über WiFi auf das Gerät geladen werden. Ein kostenloser WiFi-Hotspot steht bereits jetzt schon zur Verfügung.

 

Die ungekürzte Fassung dieses Beitrags erschien zuerst bei Moskowskije Nowosti.

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