Russlands wertvolle Schätze

2003 wurde das Bernsteinzimmer zur Gänze fertiggestellt und der Öffentlichkeit im Katherinenpalast präsentiert. Foto: ITAR-TASS

2003 wurde das Bernsteinzimmer zur Gänze fertiggestellt und der Öffentlichkeit im Katherinenpalast präsentiert. Foto: ITAR-TASS

Ein riesiger Diamant, eine goldene Mütze, 15 000 Kleider und ein Bernsteinzimmer – dies ist nur ein kleiner Teil jener Schätze, die zur Zeit des russischen Zarenreichs angehäuft und in Museen in Moskau und Sankt Petersburg ausgestellt wurden.

Die Mütze des Monomach

Das heutige Russland, das sich aus dem Russischen Zarenreich und der Sowjetunion geformt hat, blickt auf eine jahrtausendlange Geschichte zurück, in der das Land unschätzbare Reichtümer anhäufte. Man erschuf, kaufte oder erbeutete wertvolle Schätze in Kriegen und bewahrte sie bis heute in eindrucksvollen Museen auf. Das größte und bedeutendste dieser Museen ist die Sankt Petersburger Eremitage, einer der beeindruckendsten Orte, an dem Kunst aus aller Welt bestaunt werden kann.

Auch der Moskauer Kreml, der alte Amtssitz der Großfürsten und Zaren im mittelalterlichen Russland, ist bis heute eine der wichtigsten Kunstkammern des Landes. Hier sind sämtliche Insignien der Zaren aufbewahrt und ausgestellt, wobei die goldene Mütze des Monomach, die antike russische Zarenkrone, wohl als das herausragendste Exponat bezeichnet werden kann.

 

Die Mütze des Monomach

Foto: ITAR-TASS

Die Mütze des Monomach ist eine russische Krönungsinsignie. Sie besteht aus einer kegelförmigen goldenen Mütze, die mit Edelsteinen besetzt und mit Zobelfell eingesäumt ist. Das Zobelfell wird natürlich regelmäßig ausgetauscht, denn Pelz hält nicht ewig. Die Mütze des Monomach wurde im 14. Jahrhundert dem Moskauer Großfürsten Iwan I. vom Tatarenfürsten Khan Usbek als Geschenk überreicht. Der Moskauer Großfürst war stets ein treuer Vasall und Verbündeter der Tataren gewesen, die 100 Jahre vor seiner Zeit das alte Rus eingenommen hatten.

Etwas mehr als 100 Jahre nach Iwan Kalitas Regentschaft konnte sein Nachfolger Iwan III. die Tataren besiegen und wurde so zum unabhängigen Herrscher über sein Land. Nach dem Fall von Byzanz war das Moskauer Zarenreich somit das letzte unabhängige, orthodoxe Reich. In dieser Zeit entstand so eine Legende um die Krönungsinsignie: Sie soll viel älter gewesen sein, als zuvor angenommen. Man erzählt sich, dass der byzantinische Kaiser Konstantin diese bereits im 12. Jahrhundert seinem Schwager, dem Kiewer Großfürsten und Vorfahren der Moskauer Großfürsten, Wladimir Monomach, überreichen ließ.

Die Mütze des Monomach ging jedoch nicht nur wegen dieser Legende in die Geschichte ein. Mit dieser goldenen Mütze wurden die Moskauer Zaren der alten Dynastie der Rurikiden gekrönt, ja Kriege wurden um sie in der Zeit der Wirren zu Beginn des 17. Jahrhunderts geführt, nur damit sie später weiterhin zur Krönung der Zaren der neuen Dynastie der Romanows verwendet werden konnte.

Der erste Zar dieser neuen Dynastie, der mit der Mütze des Monomach gekrönt wurde, war Michael I., der 1613 auf einer Volksversammlung zum Zaren gewählt wurde. Als letzter Zar, der diese Mütze als Krönungsinsignie besitzen durfte, ging Zar Iwan V. in die Geschichtsbücher ein, der ältere Bruder des großen Reformators und ersten Kaisers Russlands Peter I., Iwan. Er und Peter wurden gemeinsam zum Zaren gekrönt und da es nur eine Mütze des Monomach gab, wurde speziell für den jüngeren Zaren ein Duplikat angefertigt.

Nach der Krönung der beiden Herrscher übersiedelte der Hof in die neu erbaute Hauptstadt Sankt Petersburg, wo die Zaren den Titel Kaiser annahmen und daher die Mütze des Monomach nicht mehr gebraucht wurde. 2002 erlangte die Mütze des Monomach jedoch wieder neue Berühmtheit: Zu Wladimir Putins 50. Geburtstag schenkte man dem Präsidenten eine Kopie des Relikts.

 

Die Kleider der Kaiserin Elisabeth

Die Kleider der Kaiserin Elisabeth


Foto: RIA Novosti

Als Kaiser Peter I. 1725 verstarb, hinterließ er keinen männlichen Thronfolger, sondern lediglich zwei uneheliche Töchter: Elisabeth und Anna. Aus diesem Grund regierten nach Peters Tod zuerst seine Witwe, dann sein Enkel und schließlich noch seine Nichte. Elisabeth bestieg den Thron erst 1741 nach einem Staatsstreich, von denen es im 18. Jahrhundert so einige gab.

Zur Krönung der neuen Kaiserin wurde etwas ganz Besonderes geschneidert: ein Kleid aus Silberbrokat bestickt mit Gold, das heute in der Rüstkammer des Moskauer Kremls aufbewahrt wird. Natürlich musste das Kleid dem damaligen Modetrend entsprechen, weswegen es auch unter einem bestimmten Motto kreiert wurde: so breit wie möglich. Die Begeisterung für schöne Kleider machte die Königin deswegen zu einer der modischsten Frauen ihrer Zeit. Sie hinterließ nach ihrem Tod, 20 Jahre nach der Krönung, über 15 000 Kleider. Neben dieser gewaltigen Zahl an Kleidungsstücken vermachte sie ihren Nachfahren noch eine volle Strumpftruhe, einen halbfertigen Winterpalast, die heutige Eremitage, eine leere Staatskasse und einen Berg Schulden.

 

Das Bernsteinzimmer – das achte Weltwunder

Das Bernsteinzimmer – das achte Weltwunder


2003 wurde das Bernsteinzimmer zur Gänze fertiggestellt und der Öffentlichkeit im Katherinenpalast präsentiert. Foto: ITAR-TASS

Das Bernsteinzimmer wurde in Preußen im Auftrag von König Friedrich I. gefertigt und vom selben König an Peter den Großen verschenkt. Das Kabinett, welches aus kunstvoll von Hand gefertigten Bernsteinpanelen und vergoldeten Holzelementen besteht, wurde später im Auftrag von Königin Elisabeth durch den Architekten Bartolomeo Francesco Rastrelli mehrmals erweitert und umgestaltet. Das edle Zimmer wurde vor dem Zweiten Weltkrieg im Katherinenpalast in Zarskoe Selo (heute Puschkin, Anm. d. Red.), einer kleinen Vorstadt von Sankt Petersburg, aufbewahrt. Als Leningrad während des Krieges eingekesselt war, wurden alle Vorstädte geplündert und zerstört, weswegen das Bernsteinzimmer aus der Stadt gebracht und den ganzen Krieg über für die Öffentlichkeit zugänglich im Schloss von Königsberg, dem heutigen Kaliningrad, ausgestellt wurde.

Als die sowjetischen Streitkräfte Königsberg stürmten, ging jedoch das Zimmer verloren. Gerüchten und Spekulationen zufolge brannte der Prachtraum während der Bombardierung nieder. Andere meinen, man hätte das Zimmer im Keller des Königsschlosses versteckt, darum solle es jetzt auch dort für immer begraben liegen. Wieder andere behaupten, man hätte es geschafft, das Zimmer aus Königsberg zu bringen, weswegen es nun entweder irgendwo in Deutschland, Tschechien oder Österreich versteckt sei. Man weiß es bis dato nicht. Die Suche nach dem Bernsteinzimmer dauerte deshalb auch fast die ganze zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts an, bis man endlich beschloss, ein neues Bernsteinzimmer anzufertigen. Dieses Vorhaben dauerte von 1981 bis 1997. Zur Gänze fertiggestellt und der Öffentlichkeit im Katherinenpalast präsentiert wurde es aber erst 2003, als man das 300-jährige Jubiläum von Sankt Petersburg feierte.

 

Der Diamant von Orlow

Der Diamant von Orlow

Foto: Pressebild

In der Rüstungskammer des Kremls kann man einen weiteren russischen Schatz besichtigen: das kaiserliche Zepter von Katarina II. In ihm ist ein riesiger, 189,6-karätiger, grünlich schimmernder Diamant mit insgesamt 180 Facetten eingelegt. Dieses kostbare Juwel wurde Ende des 17. Jahrhunderts in Indien entdeckt, bevor es Ende des 18. Jahrhunderts von einem im Dienste für Russland tätigen armenischen Juwelier und Bankier, Iwan Lasarew, gekauft wurde. Dieser wiederum verkaufte den Diamanten an den Grafen Orlow.

Aleksej Orlow, ein Liebling der Kaiserin, schenkte den Stein dann Katharina II. Als Dank für das großzügige Geschenk ließ die Kaiserin den Stein nach ihm benennen und in das kaiserliche Zepter einlegen. Orlow war Schutzherr der Wissenschaft, pflegte überdies Korrespondenz mit Jean-Jacques Rousseau und war dafür bekannt, dass er eine eigene Pferderasse heranzüchtete, den Orlow-Traber. Außerdem ging er damit in die Geschichte ein, dass er maßgeblich an der Regierung des russischen Staates beteiligt war.

Der Diamant von Orlow wirbelte jedoch viel Staub auf in der „Alten Welt" und sorgte für neidische Blicke vonseiten vieler anderer europäischer Herrscher. Zu dieser Zeit besaß niemand einen solchen Stein. Der Cullinan-Diamant, der sich in Besitz des britischen Königshauses befindet, ist zwar noch um ein Vielfaches größer, doch dieser Stein wurde erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts gefunden.

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