Göttliche Inspiration in Utrecht

Eine Ausstellung von Sammlungen russisch-orthodoxer Ikonen des Andrej-Rubljow-Museums, eines der berühmtesten Museen Russlands, und dem niederländischen Catharijeneconvent-Museums wurde im Rahmen des russisch-niederländischen Jahres in der holländischen Stadt Utrecht eröffnet.

Das Museum Catharijneconvent in dem vierzig Kilometer von Amsterdam gelegenen Utrecht zeigt in Zusammenarbeit mit dem Andrej-Rubljow-Museum aus Moskau eine Ausstellung mit dem Titel „Göttliche Inspiration". Das Rubljow-Museum, benannt nach dem berühmtesten Ikonenmaler Russlands, ist die Heimstätte einer der weltweit größten Sammlungen russisch-orthodoxer Ikonen. Die Ausstellung hat das Ziel, die Unterschiede zwischen den religiösen Kunsttraditionen des Westens und des Osten aufzuzeigen. Die dreißig russischen Kunstwerke des Rubljow-Museums werden durch Ikonen der eigenen Sammlung des Catharijneconvent-Museums sowie durch Leihgaben aus Privatsammlungen ergänzt. Die Ikonen stammen aus dem 15. bis Anfang des 20. Jahrhunderts.

Orthodoxe Ikonen werden nach strengen Regeln gemalt. Sie werden weniger als Kunstgegenstände, sondern eher als ein integraler Bestandteil des orthodoxen Gottesdienstes betrachtet. Russisch-orthodoxe Ikonen dürfen nur aus natürlichen Materialien wie Holz und auf Eiern basierender Farbe zusammen mit Blattgold und Halbedelsteinen gefertigt werden. Die Maler russisch-orthodoxer Ikonen sind selten bekannt – Andrej Rubljow stellt eine bemerkenswerte Ausnahme dar.

Es gibt mehrere bedeutende Darstellungen von Ikonen. Eine der berühmtesten ist die Christus-Ikone, die „nicht von menschlicher Hand geschaffen wurde". Diese Ikone, die das Gesicht Christi auf einem Stück Stoff zeigt, ist entweder der Abdruck der Züge Christi auf einem Schweißtuch, das ihm von der Heiligen Veronica auf seinem Weg nach Golgotha angeboten wurde, oder aber ein Mandylion, der Abdruck des Gesichtes Christi auf einem Handtuch, das er König Abgar von Edessa sandte, um ihn von einer Krankheit zu heilen. Eine Ikone mit dieser Darstellung befindet sich in der Sammlung, die im Museum Catharijneconvent gezeigt wird.

„Eine der interessantesten Ikonen aus dem Andrej-Rubljow-Museum, die Sie in Utrecht sehen können, ist das Mandylion, das im 17. Jahrhundert geschaffen wurde", sagte Boris Jeromin, ein Restaurator des Andrej-Rubljow-Museums. „Es wurde von einem unbekannten Künstler aus der Kleinstadt Welikij Ustjug, 900 Kilometer nördlich von Moskau, gemalt. Obwohl diese Ikone den strengen Regeln der Zunft gemäß gefertigt wurde, ist es ein sehr ursprüngliches und packendes Gefühl, sie zu berühren, und sie illustriert den Malstil im Norden Russlands."

Andere Ikonen in der Ausstellung zeigen den Einfluss von künstlerischen Strömungen aus dem Westen. 1547 brannte Moskau bis auf die Grundmauern nieder und Zar Iwan IV., bekannt als der Schreckliche, lud Architekten aus dem Ausland ein, nach Russland zu kommen und dabei zu helfen, die Stadt wiederaufzubauen. Die Künstler brachten neue Techniken und ästhetische Vorstellungen mit. Infolgedessen begannen die einheimischen Künstler mit Licht und Schatten, Perspektive und der Darstellung des menschlichen Körpers zu experimentieren.

„Sie können die Ikonen mit ihrer ausgefallenen Architektur und kunstvollen Landschaft im Hintergrund, die deutlich von niederländischen und flämischen Radierungen und Gravuren beeinflusst wurden, bewundern", sagte Désirée Krikhaar, der Kurator der Ausstellung. „Es kam sogar die

Vorstellung von einer kugelförmigen Welt statt eines flachen Horizonts aus dem Westen. Die repräsentative Auswahl der Ikonen zeigt die Entwicklung der Ikonenmalerei in Russland und den Einfluss westlicher Länder auf die russische Kunst."

Laut Angaben des Museums sowie individuellen Meinungsäußerungen ist die Ausstellung bei den Besuchern sehr populär. „Wir waren hier bei der Eröffnungsveranstaltung und sind jetzt zurückgekommen, um sie uns noch einmal anzusehen", sagten etwa Carolina und Eric, die in Utrecht leben.

Rebecca aus Großbritannien fügte hinzu, dass sie zum Urlaub in die Niederlande gekommen sei. „Ich interessiere mich sehr für Religion und besuche gerne solche Ausstellungen. Daher haben meine Freunde mir den Tipp gegeben, mir die „Göttliche Inspiration" anzusehen.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 4. August.

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland