Das Petersburger Wirtschaftsforum: Der Gouverneur lädt zum Diner

Der Jelagin-Palast. Foto: RIA Novosti

Der Jelagin-Palast. Foto: RIA Novosti

Vom 20. bis 23. Juni findet in Sankt Petersburg das 17. Petersburger Internationale Wirtschaftsforum statt. Es ist bereits Tradition, dass der Gouverneur von Sankt Petersburg Georgij Poltawtschenko ausgewählte Gäste zu einem exklusiven Galaabend auf die Insel Jelagin einlädt.

Die weißen Nächte in Sankt Petersburg werden die Gäste des 17. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforums (SPIEF), das vom 20. bis 23. Juni in der Newa-Metropole stattfindet, später nicht nur als kurze Sonnenuntergänge in Erinnerung behalten, sondern darüber hinaus auch mit traditioneller russischer Gastfreundschaft verbinden.   

Für die Stadt ist der Andrang der vielen Besucher bereits Routine – jedes Jahr reisen Ende Juni einige Tausend Delegierte aus der ganzen Welt zum Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum an. Wie bereits in den Vorjahren erwarten die Teilnehmer nicht nur kontroverse Diskussionen zu verschiedenen sozial-politischen und wirtschaftlichen Themen, sondern darüber hinaus auch ein vielfältiges Kulturprogramm.

Zu den Highlights des Rahmenprogramms sind alle interessierten Gäste eingeladen – egal, ob sie dem Business-Regattasegeln zuschauen oder einem klassischen Konzert mit Il Divo und einem Symphonieorchester auf dem Schlossplatz oder dem Wohltätigkeitskonzert „Zarendorf-Etüden“ im Katharinenpalast beiwohnen möchten. Der Empfang durch den Gouverneur von Sankt Petersburg Georgij Poltawtschenko hingegen ist nur einem ausgewählten Publikum vorbehalten. Über die Einladungen zu der Veranstaltung entscheidet das Organisationskomitee des Forums. Üblicherweise setzt sich der exklusive Kreis aus führenden Wirtschaftswissenschaftlern, Spitzenpolitikern und Staatsbeamten zusammen. Pressevertreter sind auf der Veranstaltung nicht zugelassen.

Als Ehrengast des Forums und des Gouverneursempfangs wird die Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland Angela Merkel erwartet. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte sie persönlich am Rande der deutsch-russischen Regierungskonsultationen im vergangenen November in Moskau eingeladen. Mit einer verbindlichen Zusage Merkels ist jedoch erst eine Woche vor Beginn des Forums zu rechnen.


Aufwendiges Künstlerprogramm mit Skandalnote

Im vergangenen Jahr war der Galaabend des Gouverneurs vom „Wasser-Märchen“ gekrönt. Damals tanzten auf einigen Wasserbühnen unter silbernen Segeln junge Frauen und Männer mitten auf dem Kanal, Akrobaten ließen sich von Wasserstrahlen in die Luft tragen, um auf einem schwimmenden Trampolin zu landen. Der Gouverneur Grigorij Poltawtschenko selbst fuhr in einem Boot vor. Einen leicht skandalösen Beigeschmack verlieh dem letzten Empfang die Regieanweisung, Kinder als „lebende Statuen“ zu maskieren. Dieses Detail wurde lange in der Presse und in Blogs diskutiert.

Nach einer Überprüfung der Sachlage jedoch konnte kein Verstoß gegen das Kinderschutzrecht festgestellt werden und so verhallte der Lärm um diesen „Vorfall“ recht bald. „Wir haben es hier mit einem ganz normalen Auftritt eines Kinderensembles auf einer Veranstaltung zu tun. Der Skandal ist eine aufgeblasene Geschichte um nichts“, kommentierte die Ombudsfrau Swetlana Agapitowa die Äußerungen des aufgebrachten Publikums.

Der Gouverneur von Sankt Petersburg Georgij Poltawtschenko. Foto: Kommersant

Dieses Jahr ist das zentrale künstlerische Motiv des Gouverneursempfangs der „Baum des Lebens“, ein Symbol der unaufhebbaren Verbundenheit des Menschen mit seiner Umwelt. Ein etwa 100 Personen starkes Jazzorchester wird die Gäste der diesjährigen Gala empfangen. Die Musiker werden auf kleinen Schiffen auf der Kleinen Newa platziert. Höhepunkt des Konzerts und ein besonderes Geschenk an die Gäste wird der Auftritt des weltbekannten Jazzstars und russischen Volkskünstlers Igor Butman. Die Veranstalter stellen eine große Jamsession mit Soloeinlagen und Orchesterkompositionen in Aussicht, mit denen der Besuch der ausländischen Gäste des 17. Wirtschaftsforums gefeiert werden soll.

Auf einem Empfang darf auch ein erlesenes Diner nicht fehlen. An den Gängen wird nicht weniger gefeilt als am Szenario des Unterhaltungsprogramms. Die Köche werden dieses Jahr bei der Speisenwahl zwar nicht übertreiben, den Gästen jedoch Gerichte servieren, die Gourmetansprüchen genügen. Die pro Gast veranschlagten Kosten sind dabei mit 93 Euro verhältnismäßig gering.

 

Das „Venedig des Nordens“ soll Eindruck hinterlassen

Hauptveranstalter der Gouverneursempfänge auf dem SPIEF ist schon seit einigen Jahren das von Viktor Kramer geführte Unternehmen ООО Kramer & Co. Kramer hat sich als Regisseur von Slava Polunins „Snow Show“ einen Namen gemacht und war an der Inszenierung von weltweit 150 Showprojekten beteiligt, unter anderem an „Solotoj balet“ auf dem Präsidentendiner im Rahmen der Feierlichkeiten zum 300. Geburtstag von Sankt Petersburg.

Den Empfang lässt sich der Gouverneur von Sankt Petersburg in diesem Jahr rund 715 000 Euro kosten – fast doppelt so viel wie in den Jahren 2009 und 2010, in denen für das Fest 380 000 bzw. 356 000 Euro ausgegeben wurden. Mit diesen finanziellen Mitteln sollen die Veranstalter ein extravagantes künstlerisches Programm auf die Beine stellen, das Design für die Innengestaltung der Zelte mit einer Gesamtfläche von 3 000 Quadratmeter entwerfen lassen und die Sicherheit der Veranstaltung organisieren.

Schließlich soll den Gästen die unverwechselbare Petersburger Atmosphäre geboten werden: Das „Venedig des Nordens“ gilt schon seit Jahrhunderten als schönstes und ungewöhnlichstes Zentrum der russischen Kultur, als kultureller Dreh- und Angelpunkt Russlands. Die reiche Vergangenheit im Spiegel der heutigen Zeit, die Kontinuität des kulturellen Erbes, sein gigantisches Potenzial für die Zukunft und seine wegweisende Bedeutung für das Land in einem Galaabend einzufangen, dürfte sich erneut als nicht alltägliche Aufgabe erweisen.