Puschkin – ein russischer Europäer

 Im Westen steht Puschkin jedoch deutlich hinter solchen Giganten der russischen Literatur wie Tolstoi und Dostojewski zurück. Bild aus den freien Quellen.

Im Westen steht Puschkin jedoch deutlich hinter solchen Giganten der russischen Literatur wie Tolstoi und Dostojewski zurück. Bild aus den freien Quellen.

Am 6. Juni feiert der große Alexander Puschkin seinen 214. Geburtstag. Puschkin gilt in Russland als nationales Erbe. In Europa ist der Poet weniger bekannt. Russland HEUTE möchte das mit fünf Fakten ändern.

Am 6. Juni feiert der große russische Poet Alexander Puschkin seinen 214. Geburtstag. Puschkin ist für Russland ein nationales Erbe: Seine Märchen werden den Kindern vor dem Einschlafen vorgelesen und jeder Schüler muss Auszüge aus dem Roman „Jewgeni Onegin“ auswendig lernen. Im Westen steht Puschkin jedoch deutlich hinter solchen Giganten der russischen Literatur wie Tolstoi und Dostojewski zurück. Russland HEUTE möchte dieses Missverständnis aus dem Weg räumen und weist anhand von fünf Fakten nach, dass der in Russland hochgeschätzte Nationaldichter auch ein großer Europäer war.

1. Europa nimmt Notiz von Puschkin

Als eines der Ersten in Europa nahm das französische Journal „Revue Encyclopédique“ Notiz von Alexander Puschkin. Ein Hinweis darauf fand sich in den Unterlagen des Dichters - er hatte die Zeitschriftennotiz sorgfältig aufbewahrt. „Vor kurzem zog ein in unserer Stadt veröffentlichtes Werk die Aufmerksamkeit aller Freunde der Literatur auf sich. Es handelt sich um das romantische Poem in zehn Gesängen mit dem Titel „Ruslan und Ljudmila“. Sein Autor, Puschkin, ehemaliger Zögling des Lyzeums von Zarskoje Selo, welches heute zum Generalgouvernement von Bessarabien zählt [das heutige Rumänien, früher Teil des russischen Imperiums], ist erst 22 Jahre alt. Dieses Poem setzt sich aus Volksmärchen aus der Zeit des Großfürsten Wladimir zusammen“. Puschkin unterstrich in der Zeitschriftennotiz eine Ungenauigkeit - tatsächlich bestand das Poem aus sechs Gesängen, und nicht aus zehn.

 

2. Puschkins Weg nach Europa

Puschkins Werke wurden ab 1820 auch in andere Sprachen übersetzt: ins deutsche und ins französische. Die Übersetzungen wurden zuerst nur in Moskau und St. Petersburg gedruckt, fanden dann aber schnell den Weg in

den Westen und wurden in den einschlägigen Literaturzirkeln besprochen. Eine der Übersetzungen brachte dem Dichter übrigens finanziell kein Glück. Der Postzensor und Herausgeber der Sankt Petersburger Zeitschrift „Eustachius Oldekop“ versah die deutsche Übersetzung von “Der Gefangene im Kaukasus“ mit dem russischen Text und beraubte Puschkin somit der Möglichkeit, einen Vertrag zum Druck einer russischen Ausgabe mit einem anderen Verlag abzuschließen.

3. Puschkin in Europa hochgeschätzt

Zu Puschkins Lebzeiten zeigten viele bedeutende europäische Schriftsteller Interesse an seinem Werk und seiner Person. Von manchen erhielt er sogar bemerkenswerte Geschenke. So wurde ihm beispielsweise 1827 von Goethe, dem großen Klassiker der deutschen Literatur, eine Gänsefeder überbracht. Der Dichter ließ sogleich ein rotes Etui aus Saffianleder für diese Feder herstellen und schätzte dieses Geschenk sehr. Freunde Puschkins, die häufig die europäischen Hauptstädte besuchten, erzählten dem italienischen Schriftsteller Alessandro Manzoni und dem französischen Literaten Alphones de Lamartine von seinem Talent.

4. Halévy  setzt „Pique Dame“ als Oper um

Tschaikowskis Oper „Pique Dame“ nach der gleichnamigen Erzählung von Puschkin ist weltweit bekannt. Die wenigsten wissen allerdings, dass nicht Tschaikowski der Erste war, der das Werk in die internationale Sprache der Musik „übersetzte“, sondern der französische Komponist Jacques Fromental Halévy. Er tat dies ganze 40 Jahre vor Tschaikowski, im Jahr 1850. Die Übersetzung der Erzählung stammte von Prosper Mérimée.

5. „Jewgeni Onegin“ erstmals in Deutschland verfilmt

Die erste Verfilmung von „Jewgeni Onegin“ kam 1911 in Russland in die Kinos (als Stummfilm unter der Regie von Wasili Gontscharow). Allerdings gab es bereits acht Jahre zuvor eine europäische Version - den deutschen „Onegin“ verfilmte der Regisseur und Drehbuchautor Alfred Halm. 1972 kehrten die Deutschen dann zu diesem Werk zurück - das ZDF produzierte eine musikalische Version des Films. Auf den Fernsehbildschirmen war „Onegin“ auch in England zu sehen, und zwar ab 1994 in der Interpretation des Regisseurs Humphrey Burton. Die heutzutage bekannteste Kinoadaption stammt ebenfalls aus britischer Hand. In der Inszenierung der Regisseurin Martha Fiennes, die 1999 erstmals in die Kinos kam, glänzen die berühmten Schauspieler Ralph Fiennes und Liv Taylor in den Hauptrollen.

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