Ausstellung: Starkes Bündnis gegen Napoleon

Die Ausstellung im Wappensaal der Russischen Botschaft in Berlin. Foto: Eduard Osechkin

Die Ausstellung im Wappensaal der Russischen Botschaft in Berlin. Foto: Eduard Osechkin

Die kunsthistorische Ausstellung „Und Frieden aller Welt gebracht“, die in der Botschaft der Russischen Föderation in Berlin zu sehen ist, illustriert das russisch-preußische Bündnis während der europäischen Befreiungskriege vor 200 Jahren.

Zum ersten Mal seit fünfzig Jahren wurde das Glasmosaik, das den Spasskij-Turm des Moskauer Kreml in der Botschaft der Russischen Föderation darstellt, verhängt. Grund dafür ist die kunsthistorische Ausstellung „Und Frieden aller Welt gebracht“, die den russisch-preußischen Feldzug von 1813 bis 1814 illustriert und seit dem 18. April 2013 in den Räumlichkeiten der Botschaft der Russischen Föderation in Berlin ausgestellt ist.

Frieden – den brauchte Europa, nachdem Napoleon mit seiner 600 000 Mann starken „Grande Armée“ in Russland einfiel. Preußen und Russland wurden vor genau 200 Jahren Bündnispartner im gemeinsamen Kampf gegen Napoleon.

Die kunsthistorische Ausstellung

„Und Frieden aller Welt gebracht“.

Foto: Russland HEUTE

Dr. Andrej Tchernodarov, Kurator der Ausstellung und Lehrbeauftragter für Politik- und Kulturwissenschaften an den Universitäten Potsdam und Jena, führt die Führungen persönlich durch. „In Deutschland wird gerne vergessen, dass sich Russland und Preußen im russisch-preußischen Feldzug von 1813 bis 1814 gegen Napoleon verbündet haben. In der Ausstellung soll nicht nur die russische Sicht auf den Feldzug vermittelt werden. Auf diese Tatsache weisen die 175 Exponate hin, von denen die meisten von deutschen Künstlern gefertigt sind.“

Da kämpfen im Gemälde von F. L. Schubauer Kosaken in roten Mützen gegen die Grand Armée, die Pferde wiehern mit blutunterlaufenen Augen, und in der „Schlacht von Borodino“ von A. Adam, wird ein detailliertes topografisches Bild des Kampfes dargestellt. Der Künstler, der den Auftrag erhielt, die Schlacht für die Grande Armée abzubilden, erzählt Tchernodarov, habe sich kurz darauf Urlaub genommen und sei nach Italien gefahren. Der Anblick des Gefechts sei zu erschütternd gewesen. An einem einzigen Tag fielen auf russischer und französischer Seite knapp 100 000 Soldaten.

Tchernodarov ist ein Kenner seines Fachs. Er lässt ungern ein Exponat aus und kennt die Geschichte jedes einzelnen Werkes. Zwei Jahre hat die Zusammenstellung der Exponate gedauert. Manchmal verliert er sich beim Erzählen in Details. Seine lebhafte, anekdotische Erzählweise ist allerdings immer von einem ungewöhnlichen Blick auf die Befreiungskriege gegen Napoleon und einem beeindruckendem Hintergrundwissen geprägt.

Der Ausstellungstitel ist dem Gedicht „Erinnerungen an Zarskoje Selo“ von Alexander Puschkin entnommen, der seinerzeit im Knabenalter über die Schlacht von Borodino dichtete. Gedichtzeilen Puschkins durchziehen die Ausstellung, die unter anderem von der Deutschen Puschkin-Gesellschaft unterstützt wird. In einem zweiten Saal werden sogenannte Volksbilderbögen, Grafiken aus der Zeit und Karikaturen gezeigt, die Napoleon als „Klein Boney“ und Luise, die Königin von Preußen, als Bewunderin von Zar Alexander I., darstellen.

Kaum Resonanz in den deutschen Medien


Zu den Besuchern der Ausstellung zählen sowohl Deutsche als auch Russen, doch sind Russen die häufigeren Gäste. Im Schnitt gibt es vier Führungen pro Tag. Die Besucherzahlen halten sich, im Vergleich zur ersten Ausstellung „Macht, Pracht und Herrlichkeit – Die Moskauer Zarenkrönung von 1856“, die Tchernodarov 2011 in der Botschaft der Russischen Föderation kuratierte, allerdings in Grenzen. Auf die Frage hin, ob der Besuchermangel möglicherweise auf die Anmeldepflicht bei der russischen Botschaft zurückzuführen sei, verneint Tchernodarov: „Unsere erste Ausstellung hier 2011 wurde kaum reklamiert und war mit über 10 000 Besuchern dennoch ein großer Erfolg.“

Der Botschaftsrat der Russischen Botschaft in Berlin, Alexander Lopuschinski, gibt sich optimistischer: „Jeden Tag haben wir in der Botschaft ein bis zwei größere Besuchergruppen. Ich schätze, dass bis heute etwa 3 000 bis 4 000 Besucher die Ausstellung gesehen haben. Natürlich wäre die Zahl noch größer, wenn wir etwas mehr Unterstützung seitens der deutschen Medien bekämen. Doch leider ist die Berichterstattung in diesem Jahr sehr bescheiden ausgefallen.“

Auch Tchernodarov sieht den Besuchermangel der kargen Medienresonanz geschuldet. Doch er gibt auch zu, dass die Thematik der Ausstellung möglicherweise eine Rolle spielt: „In Deutschland sind die Begriffe ‚Krieg‘ und ‚Militär‘ negativ besetzt. In Russland dagegen haben wir eine Mentalität des Siegers.“

Die Ausstellung versteht der Kurator als ein Zeichen des deutsch-russischen Bündnisses, der Diplomatie und einer gemeinsamen Geschichte. „Es könnte wohl kein größeres Symbol dieser jahrhundertealten Freundschaft ausgestellt werden als die Uniform des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III., ein Geschenk des russischen Zaren Alexander I., angefertigt in Russland.“

 

Info

 Führungen können noch bis zum 8. Juli 2013 bei Dr. Andrej Tchernodarov unter +49 162 2505565 und chernodarov@yahoo.de angemeldet werden. Führungszeiten sind Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr. Nach Absprache sind auch samstags Führungen möglich. Die Begleitpublikation zur Ausstellung ist für 15 Euro im Buchhandel erhältlich.

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