Berlin Fashion Week: Mode von einem anderen Stern

Jung-Designerin Sofia Zharova aus Moskau. Foto: Aus dem persönlichen Archiv

Jung-Designerin Sofia Zharova aus Moskau. Foto: Aus dem persönlichen Archiv

Zurzeit findet die Berlin Fashion Week statt. Russland HEUTE verschaffte sich einen Einblick in die Modetrends des kommenden Jahres und sprach mit der russischen Jung-Designerin Sofia Zharova aus Moskau über den Stellenwert der osteuropäischen Mode in Deutschland und Inspirationen von den Straßen Berlins.

23 000 Quadratmeter, 1 500 Kollektionen aus der ganzen Welt, 900 Marken und 65 Minuten Zeit, um im zügigen Schritt und ohne Pausen so viele Stände wie möglich zu besichtigen. Die PREMIUM, eine Messe im Rahmen der Berliner Modewoche, gibt es bereits seit zehn Jahren. Sie hat sich schon lange als Treffpunkt für Designer aus aller Welt etabliert. Im Winter verwendeten zahlreiche der bei der Berlin Fashion Week versammelten Designer russische Motive in ihren Kollektionen, jetzt sind russische Modeprofis zu Gast in Deutschland, denen diese Motive ihrer Heimat fremd sind. „Im Westen hat man ganz bestimmte Vorstellungen von russischem Design – man denkt an orientalischen Stil mit viel Stickerei, Steinen und Strass“, erklärt die Moskauer Designerin Sofia Zharova. „Meine hochwertigen und bequemen Seidenkleider und Baumwoll-Parkas bekomme ich aus Frankreich.“

Zharova hat in Moskau Design studiert, sie arbeitete in Paris und Florenz und gründete schließlich 2010 die Marke SOFIA ZHAROVA, die sie bereits auf der Mailänder und Russischen Modewoche präsentierte. Minimalismus, Komfort und französische Stoffe von Fabien Doligez scheinen das Erfolgsrezept der jungen Designerin zu sein. „Meine Interessen sind das Entwerfen, das Konstruieren von Design-Schablonen und Miniaturmodelle. Ich produziere permanent“, erzählt die 33-jährige Designerin.

„Russen bevorzugen nach wie vor eine eher traditionelle Mode. Zu sowjetischen Zeiten war der Traditionalismus sehr dominant. Es galt als unfein, aufzufallen, damit erweckte man sofort den Argwohn seiner Umgebung“, sagt Zharova.

Noch vor fünf Jahren war Design in Russland gleichbedeutend mit der Einzelanfertigung von Kleidung für Stars und reiche Leute. Bis heute sind die Entwicklung modischer Trends und das Entwerfen von Kollektionen für jede Saison eher die Ausnahme als die Regel. „In den großen Städten sind die Leute etwas experimentierfreudiger. Man braucht aber nur 50 bis 100 Kilometer von Moskau wegzufahren und befindet sich in einer sehr konservativen Welt“, klagt die junge Modemacherin. 

Kreativität lebt in Berlin

Die auf der Berlin Fashion Week präsentierten Frühjahrs- und Sommerkollektionen 2014 sind von Pastelltönen getragen. Nächstes Jahr kommen ausgeblichene Stoffe mit fuchsroten und hellgrünen Farbsprengseln in die Geschäfte. Leuchtende Farben sprechen auch Sofia Zharova sehr an, besonders in Berlin.

„Ich sitze in der U-Bahn neben einer jungen Frau mit pinkfarbenen Haaren, niemand mustert sie mit abschätzigen Blicken. Ihre Haarfarbe wird so selbstverständlich aufgenommen, als wäre sie damit schon auf die Welt gekommen“, erzählt die Designerin amüsiert.

In Berlin wohnt Zharova in Kreuzberg oberhalb einer kleinen Terrasse. Wenn sie morgens aufwacht, sieht sie aus dem Fenster einen dunkelhäutigen jungen Mann trommeln. „Da geht ein Fenster über uns auf, jemand schaut hinaus und ruft: ‚Das klingt gut!‘ und steigt auf seiner Fensterbank in den Rhythmus ein. In Berlin kann man sich überall anregen lassen, positive Energien und Freude schöpfen.“ 

Die junge Frau, auf die die Kollektionen von Sofia Zharova zugeschnitten sind, ist eine zierliche verträumte Außerirdische. Die Designerin selbst ist von dieser Art. In Russland wird ihre Mode nach wie vor wie eine Parallelwirklichkeit von einem anderen Stern aufgenommen. 

„Was will man machen. Russland zählt traditionell nicht zu den Zentren der Modewelt. Umso interessanter ist die Herausforderung, die Kunden zu begeistern.“ Europäische Einkäufer und Modeexperten konnte die junge Frau aus Moskau bereits überraschen.