Peter der Große in Zaandam

Die Ausstattung des Zar-Peter-Hauses. Foto: Zaans Museum

Die Ausstattung des Zar-Peter-Hauses. Foto: Zaans Museum

Im Zaans-Museum der 17 Kilometer von Amsterdam entfernten Gemeinde Zaandam eröffnete die Ausstellung „Acht fantastische Tage“, die vom Aufenthalt des Zaren Peter I. in dieser Stadt erzählt. Sie wurde im Rahmen des Niederlande-Russland-Jahres konzipiert.

Jeder russische Schüler weiß, dass Peter der Große (1672-1725) nach Europa reiste, um sich dort mit Handwerkstechniken und dem Schiffbau vertraut zu machen. Mit dem Ziel, den russischen Staat nach europäischem Vorbild zu reformieren, organisierte der russische Zar in den Jahren 1697 bis 1698 eine sogenannte „Große Gesandtschaft“ in verschiedene Länder des europäischen Westens. Er selbst reiste inkognito unter dem Namen Pjotr Michailow als Unteroffizier des Preobraschensker Regiments.

Da ihn das Handwerk und besonders der Schiffsbau interessierten, arbeitete er in dieser Zeit in Werkstätten und Werften. Ihm bewusst war, wie wichtig die Flotte für die Zukunft Russlands sein würde, weswegen er jede Gelegenheit nutzte, mehr darüber zu erfahren. Auf dem Weg nach Amsterdam machte er daher Halt in Zaandam, einer Stadt mit zahlreichen Werften, wo er acht Tage in einem Holzhaus wohnte und als einfacher Handwerker arbeitete. Dieses Haus und seine Geschichte blieben erhalten, es ist heute als Zar-Peter-Haus Teil des Museums. Das nächste Ziel seiner Reise war Amsterdam, wo er weitere Erfahrungen im Schiffsbau sammelte. Peter verliebte sich in diese Region und gründete als Erinnerung an seine Zeit dort 1703 Sankt Petersburg, auch aufgrund der vielen Kanäle an der Newa. Hier spielt der Schiffsbau auch heute noch eine sehr wichtige wirtschaftliche Rolle.

Das Zar-Peter-Haus Teil im Zaans-Museum. Foto:Zaans Museum

Die Ausstellung „Acht fantastische Tage“ präsentiert eine große Auswahl an Werkzeugen des 18. Jahrhunderts, die auch Peter der Große damals hier kennenlernte. Die Kuratorin der Ausstellung, Ellen van Veen, erzählt: „Der Ausstellung liegen drei Ideen zugrunde. Wir wollten erstens zeigen, dass diese Geschichte bereits in das 18. Jahrhundert gehört, obwohl Zar Peter im Jahr 1697 hier war. Der gesellschaftliche Entwicklungsstand entsprach aber bereits den Anforderungen des neuen Jahrhunderts. Wir wollten die geschichtliche Situation zweitens aus der Perspektive der Einwohner von Zaandam, also hauptsächlich einfacher Arbeiter, darstellen. Und drittens wollten wir zeigen, dass der russische Zar tatsächlich nur in einem Holzhaus wohnte und während seines Aufenthalts in unserer Stadt 14 verschiedene Handwerke kennenlernte.“ 

Und tatsächlich fühlt man sich bei einem Besuch des Hauses kaum wie in den Gemächern eines Zaren: Es wurde aus den Resten alter Schiffe erbaut, wie es zur damaligen Zeit bei den einfachen Arbeitern sehr häufig vorkam, und bot sehr wenig Platz für seine Bewohner.   

Ein Ausländer war für die Zaandamer nicht Ungewöhnliches, als wichtiges Zentrum des Schiffsbaus in den Niederlanden zog es immer wieder Reisende aus aller Welt an. Als jedoch bekannt wurde, dass der russische Zar in ihrer Stadt zu Gast war und dort auch arbeitete, verbreitete sich dies wie ein Lauffeuer. Das Interesse der Einwohner an dem berühmten Besucher war am Ende so groß, dass Peter seine Ausbildung in einer Werft in Amsterdam fortsetzen musste. Auch heute noch regen diese acht Tage die Phantasie der Einheimischen an und ist ein Highlight unter den Stadtlegenden. Schon seit 1761 ist das Haus ein beliebtes Reiseziel: Damals erwähnte Voltaire es in seiner Biografie über Peter den Großen und in der Folge besuchten es sowohl die Adeligen der naheliegenden Staaten als auch russische Bürger, die durch die Niederlande reisten.

Am Interesse von Einwohnern und Touristen hat sich nichts geändert: Der Zaandamer Fred Irenberger sagt zum Besuch der Ausstellung: „Ich bin gekommen, weil mich die Epoche und die Persönlichkeit interessieren. Peter war ein ungewöhnlicher Mensch.“ 

„Ich habe von der Ausstellung aus den lokalen Medien erfahren und bin mit ein paar Freunden hier. Die Reise des russischen Zaren in unsere Stadt ist ein Teil unserer Geschichte. Fast alle Zaandamer wissen von ihr“, erzählt Debora Bosman, die in der Nähe des Museums wohnt.

Noch bis zum 5. Januar 2014 ist die Ausstellung geöffnet, neben einer Besichtigung können Besucher hier auch ihre Handflächen mit einem Handabdruck von Peter dem Großen vergleichen oder an der Wand mit Bleistift ihre Größe neben einer Messlatte vermerken. Allerdings konnte bisher niemand die überlieferten 2,03 Meter Peters des Großen übertreffen, sodass er bis heute der größte Besucher dieses Hauses bleibt.