Gesundes Essen als Geschäftsmodell

Die russische Start-up-Szene unterstützt mit vielfältigen Ideen eine gesunde Ernährung. Foto: Mark Bojarsky

Die russische Start-up-Szene unterstützt mit vielfältigen Ideen eine gesunde Ernährung. Foto: Mark Bojarsky

Ob gesundes Fastfood, eine individuelle Ernährungsberatung mit dazu passenden Gerichten oder ein soziales Netzwerk für Freunde guten Essens – die russische Start-up-Szene unterstützt mit vielfältigen Ideen eine gesunde Ernährung.

Gesundes Fastfood

Im Sandwichrestaurant ButerBro haben die Eigentümer des Moskauer Restaurants Delicatessen ihre Vorstellungen von Fastfood verwirklicht. Das Brot wird jeden Morgen vor Ort gebacken, bevor das Café im Moskauer Park Eremitage um 12 Uhr öffnet. Das Sandwich selbst wird dann vor den Augen der Kunden frisch zubereitet. Damit die Zutaten stets frisch sind, arbeiten die Betreiber zum Beispiel mit dem Projekt LavkaLavka zusammen, wo landwirtschaftliche Produkte der Bauern aus dem Moskauer Umland ohne großen Aufwand von Unternehmen und Privatpersonen bestellt werden können.

Da die Gründer mit ihrem erfolgreichen Restaurantprojekt bereits Erfahrung vorweisen konnten, war es problemlos möglich, das nötige Startkapital zu sammeln. Ein Großteil dessen wurde in die Suche sowie die Renovierung und Ausstattung des Restaurants investiert. Heraus kam ein gemütliches Café mit frischen Sandwiches und Brot aus der hauseigenen Bäckerei. Das Projekt ist sehr erfolgreich und soll bereits ab Herbst Gewinne abwerfen.

Im Sandwichrestaurant ButerBro werden Sandwiches vor den Augen der Kunden frisch zubereitet. Foto: Mark Bojarsky

Ein weiteres Projekt der Gründer ist „Dary prirody“ (zu Deutsch: „Gaben der Natur“), ein umgebauter Anhänger, der zurzeit durch Moskau tourt. Das Augenmerk wird dabei auf qualitativ hochwertige, leckere und gesunde Straßengastronomie gelegt. Der Wagen des Herstellers Airstream wurde in Deutschland überarbeitet und dabei mit einer professionell ausgestatteten Küche in ein Restaurant auf Rädern verwandelt. Während bei ButerBro auf Baguettes und Sandwich gesetzt wird, liegt das Augenmerk bei Dary prirody vorwiegend auf Suppen, Salaten und Gerichten vom Grill.

Das Projekt „Dary prirody“ (zu Deutsch: „Gaben der Natur“). Foto: Mark Bojarsky

Im Blickpunkt steht die Gesundheit

Die Idee zu dem Service „EasyMeal“ entwickelte der Gründer Vadim Malkin bei seinen eigenen Versuchen, abzunehmen. Das hierbei angesammelte Wissen, das ihm half, rund 30 Kilogramm abzunehmen, setzte er in sein Unternehmen um: Zusammen mit seinem Partner Jurij Samochin erstellt er seit Sommer 2012 für jeden Kunden individuelle Diätpläne.

Das Besondere an diesem Projekt ist die Personalisierung und hierzu ergänzend die Möglichkeit, auf jeden Kunden individuell Rücksicht zu nehmen, so zum Beispiel durch glutenfreie Produkte. Inzwischen kann man über die Internetseite glutenfreie Makkaronis und Backmischungen kaufen. Außerdem haben die Nutzer die Möglichkeit, in einem der Partnerrestaurants ein Menü für ihr Profil auszuwählen. Das Essen wird dann nach Hause oder ins Büro geliefert.           

Die Flexibilität hebt EasyMeal von den Konkurrenten in Moskau und auch von vergleichbaren Unternehmen in Europa ab, da hier meist nur vorgefertigte Menüs zur Auswahl stehen.

Das Startkapital betrug etwa 35 000 Euro aus eigenen Mitteln. Inzwischen arbeitet das Projekt rentabel. Als nächste Schritte sollen mehr Partnerrestaurants angeworben werden sowie die Beratung auf der Webseite noch verbessert und ausgebaut werden. Zudem ist geplant, das Geschäftsfeld zu erweitern und auch einen Catering-Service mit gesunden Produkten anzubieten.

Lerne kochen und rede darüber!

Auch bei Foodclub.ru stammt die Idee aus dem Privatleben der Gründer: Maxim und Maria Sawjolow wollten nach ihrer Heirat gesundes und schmackhaftes Essen in den Mittelpunkt ihrer Ernährung stellen, ohne dass das Kochen zu einer reinen Routine wird. Gerade Maria empfindet die Kochkunst als einen kreativen Prozess, bei dem sich der Koch selbst verwirklichen kann, und empfand daher die Rezepte der traditionellen Kochbücher als sehr einschränkend und zu kompliziert geschrieben.

Aus dem ursprünglichen Plan, ein eigenes Kochbuch mit einsteigerfreundlichen Rezepten zu schreiben, entwickelte sich mithilfe von Maxim, zu dieser Zeit Leiter eines Webstudios, schnell Foodclub.ru. Sie begannen im Jahr 2008, ohne Startkapital zu benötigen, mit einem Livejournal-Blog, in dem ihre bebilderten Anleitungen veröffentlicht wurden. Später zog die Rezeptsammlung dann auf eine eigene Webseite um; mittlerweile gibt es auch eine App für iPhone und iPad. Gerade die steigende Popularität solcher Apps ist für Foodclub.ru profitabel: Nutzer zahlen mittlerweile für den Zugang zu der kompletten Rezeptdatenbank, weitere Umsätze werden durch Bannerwerbung und Partnerprogramme mit anderen Webseiten erzeugt. Zusätzlich treten die Sawjolows bei kulinarischen Veranstaltungen auf und veröffentlichen gesponsorte Rezepte, in denen die Küchengeräte der Hersteller verwendet werden.

Mittlerweile gibt es über 1 500 Rezepte für die knapp 20 000 registrierten Benutzer. Täglich verzeichnet die Webseite durchschnittlich etwa 50 000 Besuche, unmittelbar vor Feiertagen schnellt dieser Wert noch in die Höhe. Für die Nutzer sind neben den vorhandenen Rezepten auch die sozialen Möglichkeiten des Netzwerks interessant, da sie hier ihre eigenen Profile erstellen und mit ihren eigenen Rezepten versehen können. Die Rezepte werden dabei einer intensiven Kritik ausgesetzt, sodass das Niveau und die Qualität des Portals gesichert sind. Auch das Blog erfreut sich immer noch einer großen Beliebtheit. Künftig sind beispielsweise ein Onlineshop und die Portierung der App in das Android-System geplant.

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