Die Moskauerinnen steigen auf die Zweiräder um

In Moskau zeigt sich jeden Sommer deutlich, dass Motorräder keineswegs nur Männersache sind. Aber auch das Moped liegt aufgrund überfüllter Straßen und Bahnen bei Moskaus Frauen im Trend. Anja und Bajira gehören zu den Frauen auf zwei Rädern.

Schon seit etwa zwei Jahren wird Moskau von Transportmitteln aller Art überschwemmt. Die Moskauer sind es immer mehr leid im Stau zu stehen und haben genauso wenig Lust, die stickige, überfüllte Metro zu benutzen.

Motorräder, Mopeds, Fahrräder, Rollschuhe, City-Roller und andere fahrbare Untersätze, deren Namen man teilweise nicht einmal kennt, sind bereits zum gewohnten Anblick auf den Straßen Moskaus geworden.

Doch auch wenn die Moskauer schon Vieles gewohnt sind – der Anblick der Schönheiten, die in den Cabrios ihre Haare im Wind flattern lassen, lässt sie nicht kalt, und noch weniger, wenn diese auf wuchtigen Motorrädern sitzen oder hochhackig auf Mopeds durch die Hauptstadt fahren.

Russland HEUTE fragte zwei Moskauerinnen, warum sie sich für die Zweiräder entschieden haben.

 

Anja: Mit High Heels gemütlich durch die Stadt

Anja fährt schon die dritte Saison Moped, für sie ist diese Art der Fortbewegung die optimale für so eine große Stadt wie Moskau.

Foto: Alexandra Gusewa

Anja besitzt auch ein Fahrrad – aber das nutzt sie ausschließlich am Wochenende im Gorki-Park. Ein Motorrad lehnt sie ab, dafür brauche man einen Führerschein und außerdem sei es unbequem, mit hohen Absätzen und Rock aufzusteigen. Die hohen Geschwindigkeiten und die notwendigen Schutzklamotten gefallen ihr ebenso wenig.

Die einzigen Nachteile eines Mopeds sieht Anja darin, dass man wegen des Wetters und der schlechten Straßenverhältnisse nicht ganzjährig fahren könne und die Geschwindigkeit verglichen mit den anderen Verkehrsteilnehmern zu gering sei: „Ganz schrecklich ist es auf dem Moped, wenn man aus dem gemütlichen Zentrum auf die großen Ausfallstraßen oder den Moskauer Autobahnring fährt. Die Höchstgeschwindigkeit eines Mopeds liegt bei 60 Stundenkilometern, alle anderen fahren aber 150.“

Einen Spitznamen hat Anjas Yamaha Vino nicht, dafür aber Charakter, nach den Worten der jungen Frau einen sehr üblen noch dazu: „Manchmal will es nicht anspringen, vor allem dann, wenn ich sowieso schon spät dran bin. Dann reicht es nicht, es einfach mit dem Kickstarter anzulassen, sondern man muss ihm auch noch gut zureden, damit es anspringt und losfährt. Nur so funktioniert es und bringt mich schließlich rechtzeitig zum Ziel.“

Anja gibt sich jedoch versöhnlich: „Im Großen und Ganzen ist ein Moped ein klasse Teil.“ Viele ihrer Freunde haben sich bereits durch ihre Fotos auf Instagram überzeugen lassen und sich ebenfalls ein Moped zugelegt.

 

Bajira: Schnelligkeit und ein Gefühl von Freiheit

Bajira liebt von Natur aus starke Emotionen und Extreme, die Finalistin der Boxmeisterschaft in Moskau entschied sich daher schon vor zwei Jahren für ein Motorrad.

                    

Foto: Alexandra Gusewa

„Ein Motorrad kann hohe Geschwindigkeiten erreichen – das war sicher der ausschlaggebende Faktor für meinen Kauf“, erklärt sie.

Bajira fährt nicht nur durch die Straßen Moskaus, sondern auch außerhalb. Wenn sie an einem Stau vorbeifährt – selbst wenn sie nicht volles Tempo geben kann –, spürt Baja ihre Flexibilität und Freiheit.

„Der größte Vorteil eines Motorradfahrers gegenüber einem Mopedfahrer ist seine Schnelligkeit. Außerdem müssen wir einen Führerschein machen und kennen die Verkehrsregeln, und das heißt, wir verursachen weniger Unfälle.“

Ihr Motorrad ist für Bajira ein echter Freund, sie nennt es zärtlich „Schwalbe“ oder auch „mein Mädchen“. Sie beklagt sich, dass die Motorradsaison in Moskau nur von Mai bis Oktober läuft.

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