Mit dem Kickroller auf Museumstour in Moskau

Foto: RIA Novosti

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Am 27. Juli startete in Moskau das Projekt „TourKultur“. Hierbei kann die vielfältige Museumslandschaft der russischen Hauptstadt auf einem Tretroller erkundet werden. In Zukunft sollen den Nutzern auch zusätzliche Vergünstigungen angeboten werden.

Ein museumsübergreifendes Navigationssystem soll die Moskauer Manege mit einer Reihe weiterer Museen verbinden. Das ist der Sinn des neuen Projekts „TourKultur“: den Menschen die Möglichkeit geben, an einem Tag mehrere Museen im Zentrum zu besuchen, indem sie auf einem Roller von einem Punkt zum nächsten fahren und gleichzeitig über alle Sehenswürdigkeiten informiert werden, die auf dem Weg liegen. Zusammen mit dem Roller erhält man eine Karte mit der Fahrtroute. Insgesamt werden zehn Fahrtrouten angeboten mit einer Dauer zwischen 15 und 120 Minuten.

So funktioniert es

INFO

Ausleihzeiten: Vom 27. Juli bis 22. Oktober 2013, täglich von 12 bis 21.30 Uhr

Pfand: 50 Euro

Anschrift der Moskauer Manege: Manegenplatz 1, Moskau, Metro „Ochotnyj rjad“, „Aleksandrowskij sad“, „Leninbibliothek“

Näheres zum Projekt:moscowmanege.ru

„Den Roller bekommt man beim Besuch der Ausstellung in der Manege“, erzählt der Kurator des Projekts Alexander Uskov-Kell. „Wir haben 100 Roller angeschafft. Wir verlangen 50 Euro Pfand für die Ausleihe des Rollers, die Nutzung selbst ist komplett kostenlos. Das Servicepersonal, das die Roller ausgibt, kann Ratschläge über Ausstellungen und Routen geben. Es gibt einfache Routen, die es ermöglichen, in aller Ruhe Strecken zu fahren, wo es fast keine Fußgänger gibt, und es gibt schwierigere mit Anstiegen und Gefällen.“

Andere neben der Manege am Projekt beteiligte Museen sind das Puschkin-Museum für bildende Künste, das Staatliche Historische Museum, das Schtschusew-Architekturmuseum, das Moskauer Museum für Moderne Kunst, die Galerien „An der Soljanka“ und „Triumph“ sowie der Kulturfond Jekaterina. Wer mit dem Kultur-Roller eines dieser Museen besucht, gibt seinen Roller wie einen Mantel oder eine Jacke in der Garderobe ab, solange man die Ausstellung besucht.

 „Wenn Sie das nächste Museum nicht besuchen wollen, können Sie es auslassen oder in ein Café gehen. Hauptsache, Sie bringen den Roller am selben Tag bis 21.30 Uhr wieder in die Manege zurück, wo Sie dann Ihr Pfand zurückbekommen“, erklärt Uskov-Kell.

Die Route ändern und den Roller in einem anderen Projekt-Museum abgeben, geht allerdings nicht – noch nicht, wie der Kurator meint: „Wir sind noch in der Testphase, aber bis Ende Oktober werden wir wissen, wie alles läuft. Falls das Projekt Zuspruch findet und wir den Eindruck haben, dass es den Leuten gefällt, wird es im nächsten Jahr mehr Ausleihstellen für die Roller geben.“

Mit dem Tag des Projektstarts wird eine Hotline eingerichtet, bei der man nicht nur Schäden oder Pannen melden, sondern auch Fragen zum Projekt stellen kann. Die Telefonnummer ist auf der Homepage der Manege unter dem Punkt „TourKultur“ veröffentlicht sowie an der Ausleihstation. Auf der Projekt-Seite kann man auch erfahren, wie viele freie Roller es gibt, damit man besser planen kann.

Die Pläne

Laut Alexander Uskov-Kell gibt es kein vergleichbares Projekt auf der Welt. Die Idee kam ihm nach dem Kauf eines eigenen Tretrollers: „Ich arbeite in der Manege und habe vor Kurzem einen Roller gekauft. Mir wurde klar, dass man sich eigentlich nur so optimal zwischen den Museen bewegen kann. Innerhalb von vier Monaten richteten wir im Austausch mit den Besuchern das neue Roller-Programm ein.“

Der Zukunft des Projekts sieht Uskov-Kell optimistisch entgegen: „Die Hauptsache ist, dass das Projekt in diesem Jahr Unterstützung findet, damit man sieht, dass ein Bedarf da ist. Im nächsten Jahr werden bereits mehr als 20 Museen teilnehmen und dann, so hoffe ich, wird es das weltweit erste Netz für Kulturroller-Fahrtrouten und Museumshaltepunkte geben. Ein Kombiticket und Ermäßigungen für Ausstellungen als Bonus für die Rollerbenutzung sind auch geplant.“

An alles ist gedacht

Viele befürchten, dass das Projekt „TourKultur“, das vorläufig auf den Zeitraum vom 27. Juli bis 22. Oktober befristet ist, dem Moskauer Herbst nicht gewachsen sein wird. Alexander Uskov-Kell weist diese Befürchtungen zurück: „Es gibt die gleichen Bedingungen – wenn nicht sogar schwierigere als in Moskau – in Finnland, Estland oder Norwegen. Dort fahren die Leute das ganze Jahr hindurch Roller. Unser Roller ist etwas Besonderes, er ist mit einer speziellen Federung und sogar mit Schutzblechen ausgestattet, denen keine Pfütze etwas anhaben kann. Selbst wenn es im Herbst regnet, können Sie genauso bequem damit fahren wie im Sommer.“

Die Meinung des Profis: Alexander Nilow, Organisator der Bewegung „Let's Kick Moscow“

Über den Roller: „Es ist ein ausgezeichneter Roller und er ist ideal geeignet fürs Moskauer Zentrum. Er hat eine Federung, das heißt, er gibt nach, wenn man über unebenes Pflaster fährt und man spürt keine heftige Erschütterung. Er hat eine standardmäßige Bremse, die mit dem Fuß betätigt wird, er hat ein Trittbrett und außerdem ist er zusammenklappbar, deshalb kann man ihn mit ins Café, in die Metro oder mit in den Bus nehmen, wenn es nötig ist. Er ist kompakt, bequem und relativ leicht, jedenfalls im Vergleich zum Fahrrad. Die komfortable Fahrtgeschwindigkeit beträgt ungefähr zwölf bis 15 Stundenkilometer, das heißt, man ist zwei- oder dreimal schneller als zu Fuß.“

Über die Routen: „Das Zentrum von Moskau ist nicht der allerbequemste Ort zum Rollerfahren. Das Schwierigste sind die Bordsteine, aber der Roller ist kein Fahrrad und man kann immer absteigen und ihn aufs Trottoir heben.“

Über die Perspektiven: „Betrachtet man zum Beispiel die Anzahl der Leute, die sich der Gruppe „Let's kick“ in den sozialen Netzwerken anschließen, zeigt sich eine explosionsartige Nachfrage nach den Kickrollern: 2011 hatte die Community vier Leute, jetzt sind es 78.“

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