Moskau: Ökologische Kunst im Blickpunkt

Im Rahmen der 5. Moskauer Biennale für Zeitgenössische Kunst werden eine Reihe interessanter Projekte vorgestellt. Foto: Pressebild

Im Rahmen der 5. Moskauer Biennale für Zeitgenössische Kunst werden eine Reihe interessanter Projekte vorgestellt. Foto: Pressebild

Die 5. Moskauer Biennale für Zeitgenössische Kunst befasst sich in diesem Jahr besonders mit den Themen Ökologie und BioArt. Neben einer Messe für Kunst der Gegenwart soll die Ausstellung eCONSCIOUSNESS für Aufsehen sorgen.

Vom 18. bis zum 22. September findet im Zentralen Haus der Künstler (ZDCh) am Krymskij Wal 10 das Festival „Art Moscow", eine internationale Messe für zeitgenössische Kunst, statt. Die Veranstaltung ist eine Plattform für Kunsthändler, Kuratoren, Vertreter kultureller Einrichtungen und Liebhaber zeitgenössischer Kunst. Die Messe wird zeitgleich mit der 5. Moskauer Biennale für Zeitgenössische Kunst stattfinden.

Auf der Biennale werden eine Installation der Künstlergruppe „Recycle" sowie Filme der Projekte „Positive / Negative" und „Videonale.14 on Tour" zu sehen sein. Im Rahmen des Programms „Scientific Art", eines gemeinsamen Projekts des Zentralen Hauses der Künstler und der Moskauer Staatlichen Universität, wird die Ausstellung „eCONSCIOUSNESS" die jüngsten wissenschaftlichen Forschungsprojekte zu den Schnittstellen von Wissenschaft und Umwelt präsentieren. In ihren Arbeiten fokussieren die Künstler die Probleme sozialer und ökologischer Verantwortung. Aufgegriffen wird dabei ein weites Spektrum ökologischer Fragen der Interaktion von Lebewesen und ihren Gemeinschaften untereinander und mit der Umwelt.

 

Verbindung zwischen Kunst und Biotechnologie

Gezeigt werden in der Ausstellung „eCONSCIOUSNESS" zum Beispiel die Installation „Kakerlakengesteuerter Roboter" von Garnet Hertz aus den USA und das Gemälde „Decon" von Marta de Menezes aus Portugal.

„Decon", die Reproduktion einer Arbeit von Piet Mondrian, ist ein „lebendiges" Gemälde der Künstlerin aus dem Jahr 2007. Es dekonstruiert sich selbst im Prozess seiner Präsentation. Bei seiner Erschaffung verwendete die Künstlerin Materialien und Substanzen der Biotechnologie. Dabei fügte sie eine Substanz auf der Basis des Bakteriums Pseudomonas Putida zu den Pigmenten und Farbstoffen hinzu, die eine Entfärbung des Gemäldes herbeiführt.

„Kakerlakengesteuerter Roboter" ist eine Serie künstlerischer und experimenteller Installationen. Eine monströse Madagaskar-Kakerlake steuert hier mithilfe eines Tischtennisballs ein motorisiertes Fahrzeug. Sie rollt den Ball mit ihren Beinchen vorwärts und erzeugt so die Bewegung des Vehikels.

Der Kurator der Ausstellung, Semjon Jerochin, glaubt, dass eCONSCIOUSNESS ein großes Publikum ansprechen wird und für Schüler, Künstler und Wissenschaftler gleichermaßen von Interesse ist. „Obwohl wir unter Ökologie in seiner klassischen Bedeutung die Beziehung und Wechselwirkung zwischen verschiedenen Arten und ihren Lebensräumen verstehen, sind viele der Exponate eher der BioArt zuzuordnen", sagt Jerochin. BioArt sei eine bestimmte Form wissenschaftlich fundierter Kunst, bei der die Künstler für ihre künstlerischen und wissenschaftlichen Arbeiten Biotechnologie, also die neuesten Errungenschaften der Genetik, Genomik, Proteomik und anderer fortgeschrittener Bereiche der Biologie einsetzen. „Die BioArts könnten richtungsweisend für die grundlegenden Trends und Entwicklungen der zeitgenössischen Kunst im nächsten Jahrhundert sein."

 

Vorträge und Workshops begleiten die Ausstellung

Das Programm sieht jeden Tag interessante Veranstaltungen vor. Die meisten Informationen erwarten die Besucher am 18. September, dem Konferenztag, an dem auch die Ausstellung eröffnet wird. Die Konferenz

„Ästhetische und ethische Aspekte der synthetischen Biotechnologie in der zeitgenössischen Kunst" soll um 11 Uhr beginnen. Erwartet werden führende russische und ausländische Experten – Philosophen, Kunsthistoriker, Naturwissenschaftler und Künstler, die in der synthetischen Biologie neue Technologien einsetzen. Unter den ausländischen Künstlern werden Garnet Hertz und Marta de Menezes, James Auger und Jimmy Loizeau aus Großbritannien und Juan M. Castro aus Japan erwartet.

Das Werk von James Auger und Kimmy Loizeau „Carnivorous domestic entertainment robots" enthält Elemente, die Funktionen der Entseuchung mit alternativer Energieerzeugung kombinieren. Auf den ersten Blick handelt es sich um eine übliche UV-Licht-Vorrichtung und eine mikrobielle Brennstoffzelle, in der eine Bakterienkolonie die Reste von in das Licht geflogenen Insekten zersetzt und sie für die Erzeugung des Stroms verwendet, mit der die Lampe betrieben wird.

Am 18. September wird der Künstler und Biologe Juan M. Castro aus Japan um 19 Uhr einen Meisterkurs mit dem Titel „Über Cholesterol, Neuronen und die Entstehung künstlicher Zellen" leiten. Juan M. Castro arbeitet an der Schnittstelle zwischen Medienkunst, Mikrobiologie und Biochemie in Projekten, deren Gegenstand die Visualisierung biologischer Prozesse in Echtzeit ist. Der in Bogotá, Kolumbien, geborene Künstler lebt und arbeitet in Tokio, wo er 2008 die Gesellschaft „Biodynamische Geometrien" gründete. Seinen Arbeitsschwerpunkt bilden experimentelle wissenschaftliche und künstlerische Studien zum organischen Leben. Seine auf der Ausstellung präsentierte interaktive Installation trägt den Titel „Impulse". Castro war bereits im April 2012 in Moskau, als er seine Arbeit „Heliotropika" zeigte. Bis jetzt hat er fünf Installationen geschaffen.

 

eCONSCIOUSNESS soll Bewusstsein für BioArt-Praktiken schaffen

Dieses Mal bringt Juan M. Castro eine Arbeit mit dem Titel „Fett zwischen zwei Welten" mit. „Als Stoffe eröffnen uns Fette neue Einblicke in organische Substanzen", so der Künstler. „Wir können ihre Prinzipien nutzen und neue Formen der Architektur und des Designs auf der Grundlage der Selbstanordnung und molekularen Interaktionen schaffen."

Castro glaubt, dass internationale Events wie Science Art in Russland aus verschiedenen Gründen wichtig sind. „Die Ausstellung möchte ein relativ neues interdisziplinäres Feld abdecken, das noch nicht kohärent beschrieben und analysiert wurde."

Castro ist außerdem davon überzeugt, dass die Ausstellung neue konzeptionelle und praktische Instrumente für künftige Interaktionen zwischen Ästhetik und Biowissenschaften entwickeln werde. Die Ausstellung werde auf kompakte Weise beschreiben, wie die aufkommenden Biotechnologien als neues Material kreativer Prozesse in Kunst und Design Eingang finden.

eCONSCIOUSNESS werde zudem erläutern, wie BioArt-Praktiken der russischen Gesellschaft zugutekommen können, indem sie die gesellschaftliche Bedeutung der Biowissenschaften und der neuen Ästhetik aufgreifen.

 

Auch für die Kleinsten ist etwas geboten

Kinder sind eingeladen, an einem von Nikolai Seliwanow geleiteten Programm teilzunehmen, das der gestalterischen Aufgabenstellung „Tiere

der Zukunft" gewidmet ist und kreatives Denken über ökologische Probleme fördern will. Die Ausstellung wird „Nasekosm", ein von Kindern im Alter von sechs bis acht Jahren kreiertes Puzzle, „Ein Fisch, der unter Menschen lebte", eine kollektive Arbeit von Kindern im Alter von acht bis elf Jahren" sowie „Skin", Designideen von Kindern zwischen zehn und zwölf Jahren, präsentieren.

Ziel der Ausstellung ist es, auf Probleme des Umweltschutzes hinzuweisen, mit Mitteln der Kunst Umweltbewusstsein in der Gemeinschaft zu erzeugen sowie neue Wege der Interaktion lebender Organismen und ihrer Gemeinschaften untereinander und mit der Umwelt aufzuzeigen.

Leider werden keine Projekte russischer Künstler zu sehen sein – ein weiterer Beweis dessen, dass in Russland die Herausbildung einer transdisziplinären Plattform für wissenschaftlich fundierte Kunst hinter der weltweiten Entwicklung zurückbleibt, so Jerochin.

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