Warum Bruce Willis und Johnny Depp eine Zeitung aus dem Ural lesen

Die Fotos zahlreicher Hollywoodgrößen beim Lesen des Kopejski rabotschij haben die Medienlandschaft in Aufruhr versetzt. Foto: Pressebild

Die Fotos zahlreicher Hollywoodgrößen beim Lesen des Kopejski rabotschij haben die Medienlandschaft in Aufruhr versetzt. Foto: Pressebild

Manchmal wird eine Zeitung selbst zur Geschichte, statt sie zu berichten. Dies ist einem kleinen Provinzblatt aus Kopejsk im Ural, dem Kopejski rabotschij, eindrucksvoll mit einer Reihe von Fotos gelungen.

Foto: Pressebild

Etablierte Weltstars wie Bruce Willis, Johnny Depp, Tom Hanks oder Richard Gere schienen ebenso in die Lektüre des Blatts vertieft wie Justin Timberlake, Emma Watson und Naomi Watts. Die kleine Fangemeinde des Kopejski rabotschij in Hollywood umfasste so am Ende insgesamt 17 Hochkaräter aus der Filmbranche. Die ersten Reaktionen beschuldigten die Zeitung einer Fotomontage, der Chefredakteur beteuerte jedoch die Wahrheit der Fotos und nannte gute Beziehungen nach Los Angeles als Grund.

Unfassbar! Seien sie aus New York, London oder Frankfurt - die größten Blätter der Welt würden wohl ein Vermögen für eine solche Werbekampagne ausgeben müssen. Die Zeitung der eher kleinen Industriestadt Kopejsk dagegen, in einer Auflagenhöhe von 9 000 Exemplaren erscheinend, kam kostenlos in den Genuss dieser spektakulären PR-Aktion.

Die Erklärung für die ungewöhnliche Fotoserie ist so einfach wie verblüffend: Sie stammt von Margarita, einer einstigen Bewohnerin aus Kopejsk, die heute in den USA lebt. Margarita fotografiert gemeinsam mit ihrem Mann Stars und bot ihnen dabei einen originellen Gag an: Sie können sich mit einer Zeitung aus dem fernen Ural in den Händen ablichten lassen. Dass ihr Mann Jack Tewksbury unter anderem die Verleihung der Golden Globes produziert, dürfte der Bereitschaft der Stars zumindest nicht abträglich gewesen sein.

 

Statt Schauspieltalenten fördert man hier Steinkohle

Die Entfernung zu Hollywood ist nicht nur geographischer Art, auch sonst könnten die Unterschiede wohl kaum größer sein. Die wirtschaftlichen Ressourcen sind in der Schwerindustrie konzentriert, Meteoriten fallen vom Himmel und ringsherum machen die unhaltbaren Zustände der zahlreichen Gefängnisse von sich reden. Mit dem Englischen ist man bisher auch noch nicht richtig warm geworden. Nun beschränkten sich die Hollywood-Größen nicht auf ein Foto. Sie gaben ein ausführliches Interview für die Bewohner der russischen Provinz. In Kopejsk reagierte man nervös, denn niemand

konnte dieses Interview ins Russische übersetzen. So veröffentlichte die Zeitung auf ihrer Website einen Aufruf an ihre Leser: Helft uns bei der Übersetzung!

Die Redaktion des Kopejskij rabotschij kam schließlich auf die rettende Idee, die Übersetzung unter Schülern und Studenten auszuschreiben. Die Bewerber müssen zwischen 15 und 20 Jahren alt sein, Unterstützung durch Eltern und Lehrer ist jedoch nicht verboten, wie es ausdrücklich in dem Ausschreibungstext heißt. Für die besten Übersetzungen wurden zudem wertvolle Preise ausgelobt.

 

Ungemeiner Bekanntheitsschub für die Zeitung

Die ganze Geschichte hat die Popularität des Blattes ungemein gesteigert. Kaufte man es früher ohne besondere Begeisterung, so wurde die letzte Ausgabe den Zeitungsverkäufern buchstäblich aus den Händen gerissen. Auch die Besucherzahlen der Website schnellten schlagartig in die Höhe. Die Redaktion denkt nun darüber nach, ob eine Erweiterung ihres Onlineauftritts lohnenswert wäre.

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