Moskau zeigt holländische Porträtkunst

Eine Ausstellung in Moskau zeigt das Alltagsleben in den Niederlanden vor 400 Jahren. Foto: ITAR-TASS

Eine Ausstellung in Moskau zeigt das Alltagsleben in den Niederlanden vor 400 Jahren. Foto: ITAR-TASS

Das Puschkin-Museum für bildende Künste in Moskau zeigt die Ausstellung „Holländisches Gruppenporträt des Goldenen Zeitalters“. Zu sehen ist das Alltagsleben der holländischen Stadtbürger im 16. und 17. Jahrhundert.

Das Puschkin-Museum für bildende Künste in Moskau hat im Rahmen des Niederlande-Russland-Jahres die Ausstellung „Holländisches Gruppenporträt des Goldenen Zeitalters" eröffnet.

Die Ausstellung kommt aus dem ehemaligen Historischen Museum der Stadt Amsterdam, dessen Bestände Dutzende ähnliche Kunstwerke umfassen. Insgesamt sind im heutigen Amsterdam-Museum etwa 125 Gruppenporträts erhalten. Die nach Moskau gereisten zehn kolossalen Bildnisse aus dem 16. und 17. Jahrhundert verlassen nur sehr selten die Mauern des Museums.

„Das bekannteste Werk dieses Genres ist natürlich Rembrandts ‚Nachtwache'. Dieses Gemälde hängt jedoch im Rijksmuseum und wir konnten es nicht in die Ausstellung integrieren", sagt der Schirmherr der Ausstellung von holländischer Seite Norbert Middelkoop. „Das Amsterdam-Museum beherbergt allerdings Gruppenporträts von großen Künstlern jener Epoche, die teilweise Zeitgenossen oder Schüler Rembrandts waren. Zu den Sammlungen des Puschkin-Museums für bildende Künste und der Eremitage gehören auch deren Gemälde anderer Genres."

 

Handwerk und Militär als Förderer der Kunst

Die Ausstellung zeigt zum Beispiel die Arbeit des Rembrandt-Schülers Govert Flinck. Eine fünf Meter große Leinwand versammelt die Porträts der Schützen einer Amsterdamer Bürgerwehr. Ein anderes, etwas kleineres, aber nicht weniger eindrucksvolles Bild ist das Porträt von Regent und Regentin eines Arbeitshauses für Frauen. Bartholomäus van der Helst, der dieses Gemälde schuf, war seinerzeit ein nicht weniger anerkannter Maler als Rembrandt.

„Wir sehen hier zwei charakteristische Kompositionsarten", sagt der Schirmherr der Ausstellung von russischer Seite, der Leiter der Abteilung Alte Meister im Puschkin-Museum Wadim Sadkow. „Während im katholischen Europa der wichtigste Auftraggeber von Gemälden die Kirche war, bedienten die Maler im protestantischen Holland des 16. Jahrhunderts im Wesentlichen die Nachfrage der Schützenkompanien und Gilden, im 17. Jahrhundert schlossen sich ihnen verschiedentlich auch karitative Organisationen an."

In den Gruppenporträts kommen das bürgerliche Selbstverständnis und die Ideale der bürgerlichen Gesellschaft im Holland des 16. und 17. Jahrhunderts zum Ausdruck. Sie sind eine Art Visualisierung der Werte und

des gesellschaftlichen Status der bürgerlichen Stadtelite. Jeder Porträtierte zahlte dem Künstler selbst sein Bildnis. Auf den Porträts sind daher alle Mitglieder der Gruppe gut zu sehen, nicht einer überschattet einen anderen.

Traditionell sind Armenhausvorsteher und andere wohltätige Personen in strenger schwarzer Kleidung bei ihrer dienstlichen Tätigkeit abgebildet. Die Schützen der drei Bürgerwehrverbände Amsterdams – Bogenschützen, Armbrustschützen und Arkebuse-Schützen – werden zumeist vor ihrem Aufbruch, auf einer offiziellen Versammlung oder bei einem Festmahl gezeigt. Leiter von Handwerkszünften ließen sich in jedem Fall mit Attributen ihrer beruflichen Tätigkeit porträtieren, wie etwa am „Gruppenporträt der Vorsteher der Küfer- und Weinabfüllergilde" von Gerbrand van den Eeckhout zu sehen ist. Die Angehörigen dieser Gilde überwachten die Normentsprechung der Behältnisse für Bier, Seife und Heringe – in den Bildvordergrund rückte der Künstler ein Fass und ein großes Kupfergefäß.

 

Das Leben steckt im Detail

Die vermeintlichen Kleinigkeiten und Details erzählen viel über die auf der Leinwand abgebildeten Figuren, darüber hinaus aber über die historische Epoche selbst. „Ich schaue mir besonders gerne die Kleidung, die Frisuren, die Einzelheiten des Alltagslebens und die verschiedenen Details aus dieser Epoche an", erzählt eine Besucherin von Jewgenis Ausstellung.

Ihre Begleiterin meint: „Es wäre toll, wenn man mit einem interaktiven Programm sein eigenes Gesicht in diese Porträts einsetzen könnte. Die Idee ist vielleicht ein bisschen albern, ich weiß, aber so könnte das Publikum die Besonderheiten des Lebens vergangener Jahrhunderte an sich selbst ermessen und sich diese Eindrücke einprägen."

Für die Besucher, die am niederländischen Alltagsleben jener Zeit interessiert sind, wurde die Ausstellung um einige Vitrinen mit Waffen aus

dem 17. Jahrhundert erweitert, die die Rüstkammer des Moskauer Kremls zur Verfügung gestellt hat.

Außerdem liefern im Saal installierte Bildschirme per Knopfdruck Informationen über die Geschichte einzelner auf den Gemälden abgebildeter Elemente und Gegenstände. „Diese Technik macht die Ausstellung moderner und komfortabler für junge Leute und alle Besucher, denen der Umgang mit dem Computer zur Alltagsgewohnheit geworden ist", sagt die Direktorin des Puschkin-Museums für bildende Künste Marina Loschak.

Die Ausstellung wird bis Mitte Januar 2014 verlängert.