Russland will Rachmaninows Villa in der Schweiz kaufen

Villa Senar von Alexander Rachmaninow in der Schweiz. Foto: Pressebild

Villa Senar von Alexander Rachmaninow in der Schweiz. Foto: Pressebild

Präsident Putin hat das Kulturministerium angewiesen, sich um den Erwerb der 15 Millionen Euro teuren Villa des berühmten russischen Komponisten Rachmaninow in der Schweiz zu bemühen. Geplant ist ein Museum.

Die Zeit für den Kauf der Villa Senar im schweizerischen Luzern ist günstig für Putin: Zum ersten Mal seit vielen Jahren bietet sich die Gelegenheit eines Erwerbs, überdies wünschen sich die Nachkommen Rachmaninows Russland als Käufer.

Letzter Besitzer des Anwesens war der Enkel des Komponisten, Alexander Rachmaninow, Gründer und Präsident der Rachmaninow-Stiftung. Laut seinem Vermächtnis sollten die Eigentumsrechte und alle Einrichtungsgegenstände sowie das Archiv, der Flügel und persönliche Gegenstände des Komponisten in die Stiftung übergehen, deren Leitung nach dem Tod Alexander Rachmaninows seine Witwe Natalja übernahm.

„Meine Idee ist, das Haus und das ganze Anwesen mit dem Archiv an Russland zu verkaufen“, teilte Natalja Rachmaninowa mit. „Die Kinder bekommen die Hälfte vom Verkaufserlös und die restlichen 50 Prozent gehen an die Stiftung, sodass wir die Arbeit fortsetzen können, die mein Mann begonnen hat. Ich habe mich persönlich an den Präsidenten gewandt und ein Jurist der Stiftung steht in engem Kontakt zum russischen Botschafter.“

Je schneller eine Entscheidung getroffen wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Anwesen des Komponisten mitsamt seinem Archiv als Ganzes erhalten bleibt – Russland könnte ein einzigartiges Museum bekommen.

„Experten des russischen Glinka-Museums haben den kulturellen Wert der Villa Senar bestimmt – Briefe, Bücher, persönliche Gegenstände. Es ging um die Frage, ob man ein Museum daraus machen könnte“, erzählt Natalja Rachmaninowa. „Den Experten zufolge ist das Anwesen von unschätzbarem historischem und musealem Wert, nicht nur für Russland, sondern für die ganze Welt.“

Ein Stück russisches Nationalgut

Für Minister Medinski hat der mögliche Erwerb der kleinen russischen Enklave bei Luzern einen wichtigen patriotischen Aspekt, denn er missbilligt, dass Rachmaninow im Westen oft als amerikanischer Komponist bezeichnet wird: „Uns ist wichtig, dass Rachmaninow zu jeder Zeit ein überzeugter Russe war. Er hat immer Russisch gesprochen und träumte davon, nach Kriegsende nach Russland zurückzukehren. Während der Kriegsjahre hat er die Honorare für seine Konzerte dem Rote-Armee-Fonds gespendet. Trotzdem versucht man, ihn als amerikanischen Komponisten darzustellen, was kränkend, falsch und völlig ungerecht gegenüber diesem großen russischen Komponisten ist. Deshalb wäre der Kauf der Villa durch Russland sehr wichtig.“

Er äußerte sich auch zum Wert des Objekts aus kunsthistorischer Sicht:„Es ist ein einzigartiges Objekt, nicht nur durch die Lage, sondern in erster Linie dadurch, dass dort eine riesige Anzahl an Rachmaninows persönlichen Dingen konserviert wurde wie Tagebücher, Noten, Briefe, Kleidung, Möbel oder ein Flügel, auf dem er komponierte und spielte – ganz zu schweigen davon, dass das Haus nach dem Entwurf Rachmaninows gebaut wurde. Es ist ein Stück seines Lebens, das im ursprünglichen Zustand erhalten ist.“

Auch aus kommerzieller Sicht wäre ein Erwerb durchaus sinnvoll, wie der Pianist Andrej Gawrilow erklärt: „Die Gelder würden mit großem Gewinn zurückfließen. Meisterklassen, Konzerte, Aufnahmen, Seminare, Touristen aus der ganzen Welt – all das würde schnell sämtliche Ausgaben decken.“

Die Villa Senar steht im Dorf Hertenstein am Ufer des Vierwaldstätter Sees im Kanton Luzern. Das Grundstück wurde 1930 von Rachmaninow erworben, ein Jahr später begann der Komponist mit dem Bau des zweistöckigen Gebäudes, mit der Anlage des Gartens und der Anlegestelle. Die Familie Rachmaninow siedelte 1934 in die Villa über und blieb dort bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs, bevor sie in die USA auswanderten.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Zeitung Iswestija.

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