Judaschkin: Zar der Modewelt

Valentin Judaschkin. Foto: AFP / East News

Valentin Judaschkin. Foto: AFP / East News

Valentin Judaschkin, einer der erfolgreichsten russischen Modeschöpfer, brilliert seit 25 Jahren mit spektakulären Projekten. Der Designer von Olympia-Uniformen für das russische Team und vielen anderen prestigereichen Stücken führt sein eigenes Modehaus mit Geschäften in Hongkong, Frankreich und den USA.

Auch ein berühmter Designer landet nicht immer Volltreffer. So entwarf Valentin Judaschkin vor wenigen Jahren im Auftrag des Verteidigungsministeriums eine elegante neue Militäruniform. Die Armee wurde schließlich von einer Erkältungswelle heimgesucht, für die man den Modeschöpfer verantwortlich machte. Kritiker nörgelten, sie hätten von Judaschkin und seiner „Kunst“ ohnehin nichts Nützliches erwartet. Judaschkin selbst erklärte damals, dass seine Stoffvorgaben, bei denen er leichte, aber trotzdem warme Stoffe und multifunktionale Besätze vorgesehen hatte, bei der Ausführung der Näharbeiten praktisch ignoriert worden seien.

Auf dem Gebiet historischer Kostüme ist Judaschkin übrigens ausgewiesener Experte, so hatte seine erste Ausbildung am Künstlerischen Technikum den Schwerpunkt „Geschichte des Kostüms“. Seinen Auftrag für die Armee bearbeitete er mit großer Sorgfalt. Um sich mit den Besonderheiten von Militäruniformen vertraut zu machen, verbrachte der Modedesigner über ein Jahr lang mit Recherchen in Armeearchiven.

Präsentation der neuen Uniform im Jahr 2008. Foto: AFP / East News

Judaschkin ist generell kein Vertreter einer überstürzten Herangehensweise, er bevorzugt es, sehr gründlich vorbereitet zu sein. Seine erste wirkliche Kollektion trug den vielversprechenden Namen „Fabergé“ und jedes ihrer Kleider verdient es, als Kunstwerk bezeichnet zu werden. Eines zählt heute zu den Beständen des Kleidermuseums des Louvre, einige weitere Exemplare sind im Kalifornischen Modemuseum und im Staatlichen Historischen Museum in Moskau ausgestellt.

Kleider aus der Kollektion „Fabergé“. Foto: RIA Nowosti

Haute Couture in der Sowjetunion

Judaschkins Projekte haben alle auch künstlerischen Tiefgang und müssen seinen hohen Ansprüchen genügen. Wenn jemand wie er eine Marke aufbaut, dann mit einer gemeinsamen Modelinie für Dessous, Prêt-à-porter-Kleidung und Jeans, mit Geschäften für Designer-Accessoires, Schuhe, Juwelierschmuck, Uhren, Porzellan und Inneneinrichtung. Und wenn schon Karriere, dann gleich mit einem Aufstieg bis zur Mitgliedschaft im „Pariser Syndikat für hohe Mode und fertige Kleidungsstücke“ nach nicht einmal zehn Jahren professioneller Laufbahn. Im Jahr 1996 hatte Judaschkin bereits eine Position auf Augenhöhe mit Valentino Gavarani und Gianni Versace inne.

Seine erste Parisreise beeindruckte Judaschkin außerordentlich. In der ewigen sowjetischen Mangelwirtschaft kam man an hochwertige Stoffe nur über einfallsreiche „Beschaffungswege“ mithilfe von Bekannten oder über Zwischenhändler. Accessoires galten als verzichtbarer Luxus, in den Textilfabriken stellte man massenhaft ein oder zwei Modelle von Fausthandschuhen und Mützen her, die vor allem praktischen Ansprüchen genügen sollten. In ihrem Kleiderschrank mehrere Handtaschen und die dazu passenden Handschuhe zu haben, das war für die durchschnittliche sowjetische Frau nicht mehr als ein kühner Traum.

Modische Kleidung war grundsätzlich Importware aus anderen sozialistischen Ländern, kostete viel und erreichte die Regale der Kaufhäuser nur in kleiner Stückzahl. An die ersehnten rumänischen Handschuhe kam man also auch nach mehrstündigem Anstehen in der Warteschlange nur mit Glück. Vielleicht war das der Hintergrund, vor dem Judaschkin ein wirklicher Star werden konnte. Modeschöpfer gab es in der Sowjetunion nur wenige. Jeder von ihnen hatte gute Chancen, berühmt und beliebt zu werden. Nach dem Ende der Sowjetunion hatte ein „Judaschkin-Kleid“ ein nicht weniger luxuriöses Image als ein Kleid von Pierre Cardin oder ein Kostüm von Chanel. Und das, obwohl selbst in Russland kaum jemand wusste, dass Kollektionen des Judaschkin-Hauses auch auf den Modewochen in Paris gezeigt wurden.

Judaschkin-Boutique in Moskau. Foto: Foto Imedia

Verspielte Mode für die pragmatische Frau

Die Entscheidung für den Namen des eigenen Ateliers, des „Mode-Theaters Vali-Moda“, war bedeutend in vielerlei Hinsicht. Zum einen war Anfang der 1990er-Jahre die sowjetische Vorstellung von der Gleichheit der Massen noch tief im Bewusstsein der Bevölkerung verankert. Einem Unternehmen seinen Namen zu geben, konnte als Anmaßung ausgelegt werden.

Judaschkin aber unternahm diesen offensiven Schritt und setzte damit ein Zeichen. Zum anderen passte der Name zum überwiegend künstlerisch-verspielten Charakter der Kollektionen des Modeschöpfers. Die Models fielen durch eine Fülle von Dekor und wilde Farben, gewagte Formen und Weiblichkeit auf. Zu sowjetischen Zeiten schien das alles märchenhaft und wurde tatsächlich als großes Schauspiel aufgefasst. „Wir fuhren an die Orte, die man uns zugewiesen hatte, zum Beispiel zu einem Schlachthof. Und da zeigten wir um 9 Uhr morgens den Arbeiterinnen unsere Kostüme und Kleider. Sie standen vor uns in ihren Steppjacken, mit Kopftüchern und Mützen – und applaudierten begeistert! Ihre Einstellung dazu war: Ich werde solche Kleider nie anziehen können, ich werde mir sie nie kaufen können, aber zumindest kann ich sie mir anschauen“, erinnert sich der Meister.

Judaschkin ist mit einer unbändigen Fantasie gesegnet. Ein Beispiel dafür ist die Präsentation seiner Herbst-Winter-Kollektion 2013/14, die er unter dem Titel „Schneekönigin“ vorführen ließ. Die Models gingen in stahlfarbenen Hosenanzügen über den Laufsteg, mit Fellstola aus silberfarbenem Pelz und in halbtransparenten Spitzenkleidern, was an Eisblumen am Fenster erinnerte. Es war ein echtes Wintermärchen wie in einem Kindertheater, zu dem zahlreiche weiße Pelzaccessoires beitrugen: Mützchen mit Bommeln, Muffe, Brioletts mit Bommeln und sogar Gamaschen.

Pariser Modenschau der Herbst-Winterkollektion 2013-2014. Foto: Vostock Photo

Die modebewusste Frau von heute kennzeichnet für Judaschkin vor allem Selbstsicherheit und Eigenständigkeit. „Die moderne Frau ist pragmatisch, strukturiert und weiß, was sie will. Meine Heldin ist jung, sexy, sportlich, aktiv und berufstätig.“