„Rambo“-Kunst: Stallone eröffnet Kunstausstellung in Russland

Sylvester Stallone ist weltweit als „Rambo“ und „Rocky“ bekannt. Den Experten des Russischen Staatsmuseums zufolge ist er allerdings auch ein talentierter Künstler, und so wurde eine Ausstellung mit seinen Gemälden eröffnet.

Foto: Natalia Pietra/Rossijskaja Gaseta

Hunderte von Menschen standen am vergangenen Sonntag Schlange, um in den Michailowski-Palast in Sankt Petersburg zu gelangen. Der Grund dafür war die Eröffnung von Sylvester Stallones Ausstellung, die das Russische Staatsmuseum organisiert hat. Der Künstler war eigens aus den USA angereist, um die Besucher zu begrüßen und von seiner Kunst und Malerei zu erzählen.

Stallone malt schon seit über 40 Jahren, doch erst vor Kurzem hat er beschlossen, seine Werke öffentlich zu zeigen. Im Jahr 2011 fand eine Ausstellung von Stallones Werk in der Galerie Gmurzynska im Schweizer Sankt Moritz statt. Die Ausstellung im Russischen Staatsmuseum ist die erste Präsentation seiner Kunst in Russland. Im Michailowski-Palast werden 36 seiner Werke aus verschiedenen Sammlungen gezeigt.

 

Nicht der Name zählt, sondern die Kunst

Stallone begann Ende der 1960er-Jahre zu malen, als er an der Universität in Miami Schauspielkunst studierte und ernsthaft in Erwägung zog, Künstler zu werden.

Obgleich Stallone später professioneller Schauspieler wurde, malte er weiterhin „für sich selbst", parallel zu den Filmdrehs. „Ich liebe Kunst mehr als alles andere auf der Welt – mit Ausnahme meiner Familie natürlich", sagte der Künstler auf der Pressekonferenz, die eine Stunde vor Eröffnung der Ausstellung stattfand. Er fügte hinzu, dass Malen für ihn der beste Weg sei, sich selbst sowie all seine Gefühle und Gedanken auszudrücken.

Die meisten Gemälde von Stallone sind durch Erfahrungen inspiriert, die er in Filmen oder in der wirklichen Welt gemacht hat. Das früheste dieser Werke ist „In Search of Rocky" („Auf der Suche nach Rocky", 1974), das noch entstand, bevor das Drehbuch zu diesem berühmten Film geschrieben war. Stallones persönliche Kämpfe spiegeln sich beispielsweise in dem tragischen Bild „Death of a Friend" („Tod eines Freundes", 1977) wider. Dieses Werk entstand nach dem Tod seiner Managerin Jane Oliver. Und das Bild „Love You Baby" („Ich liebe dich, Süße", 1996) ist Jennifer Flavin gewidmet, die im Jahr 1997 Stallones dritte Ehefrau wurde. „Wenn ich der gesamten Ausstellung einen Titel geben sollte, würde ich sie ‚Ein Zug vom Tal in die Berge' nennen", bemerkte Stallone.

Die Idee, eine Ausstellung von Stallones Werken zu organisieren, übernahm das Russische Staatsmuseum von der Galerie Gmurzynska, die das Projekt finanziell unterstützt. „Wir bekommen vom Staat lediglich Geld

für ein oder zwei Ausstellungen pro Jahr. Zum Glück haben wir noch Sponsoren", erklärte Wladimir Gusew, Direktor des Russischen Staatsmuseums. „Diese Ausstellung ist seriöse Kunst, es geht nicht um den Namen des Künstlers. Und heute eröffnen wir nicht nur eine neue Ausstellung, sondern wir führen einen neuen Künstler ein."

Ewgenija Petrowa, die Geschäftsführerin des Russischen Staatsmuseums, ergänzte rasch, dass nur Spießer allein den Namen des Künstlers sähen, während wahre Kenner, die wirklich etwas von Kunst verstünden, den echten Wert der Werke erkennen könnten. Wenn sie diese Gemälde gesehen hätten und der Name des Malers ein anderer gewesen wäre, hätten sie die Ausstellung trotzdem veranstaltet, so Petrowa.

 

Ist Stallones Kunst „unmoralisch"?

Die Ausstellung sorgt in Russland für viel Aufsehen. Während zahlreiche Menschen sich darum rissen, die Bilder und den Künstler mit eigenen Augen zu sehen, erklärte die Kommunistische Partei Russlands, es sei unmoralisch, diese Gemälde in Sankt Petersburg zu zeigen. Ihrer Meinung nach töte Rambo-Stallone russische Soldaten und er werde immer ein Symbol des Kalten Kriegs bleiben. Bei der Eröffnung kommentierte Sylvester Stallone diese Aussage dahingehend, dass es ihm ebenso wie in seiner Kunst immer um Herausforderungen gehe, und eine Reaktion wie diese sei angesichts dessen, was er tue, ganz normal. Der Künstler erwähnte überdies, dass in seinen Adern auch russisches Blut fließe: „Meine Urgroßmutter stammt aus Odessa, und so hat diese Mischung aus

italienischem, französischem und russischem Blut natürlich auch meine Kunst beeinflusst."

Obwohl Stallone ein reicher Mann ist, verkauft er seine Werke. 2009 brachte eines seiner Gemälde knapp 30 000 Euro ein. „Manche Bilder stehen zum Verkauf, viele aber auch nicht, da sie zu persönlich sind", erklärte Stallone. „Doch wenn Gemälde verkauft werden, ist es mir egal, wer sie kauft."

Die Ausstellung ist noch bis Mitte Januar 2014 zu besichtigen. Steve Caron, aktiver Teilhaber von ISIC Russland und Sindbad, sagte zur Ausstellungseröffnung: „Ich war erstaunt, wie viele Besucher heute da waren, und natürlich war ich von dieser anderen Ausdrucksform von Sylvester Stallones Kreativität angenehm überrascht."

Stallone verließ Sankt Petersburg direkt nach der Eröffnung, versprach aber, bald mit seiner Familie zurückzukehren, da die Stadt ihn sehr beeindruckt habe. Schließlich wurde Stallone zur Eröffnung der Ausstellung seines russischen Lieblingskünstlers Kasimir Malewitsch eingeladen, die im Dezember 2013 stattfinden wird.

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