Moskau: US-Architekten planen originellen Park gegenüber dem Kreml

Foto: Pressebild

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Ein Architektenkonsortium unter der Leitung der US-amerikanischen Firma Diller Scodifio + Renfro hat einen internationalen Wettbewerb gewonnen, bei dem es um den Entwurf des ersten neuen Parks Moskaus seit 50 Jahren ging – des Sarjadje-Parks.

Nachdem im Jahr 2006 die Behörden entschieden hatten, das Rossija Hotel abzureißen, lag die 13 Hektar große Fläche mitten im Herzen Moskaus brach. Das Hotel galt zu seiner Entstehungszeit in den 1970er-Jahren als das größte der Welt und stand sogar im Guinness-Buch der Rekorde. Im Januar 2012 schlug Wladimir Putin vor, die riesige, brach liegende Fläche in einen multifunktionalen Park umzuwandeln.

Am 1. Februar 2012 wurde ein Wettbewerb zur Nutzung der Freifläche ausgeschrieben. Es war ein offener Wettbewerb, der Hunderte von Vorschlägen einbrachte, von denen 116 von der Jury in die engere Wahl genommen wurden. Nun steht der Sieger fest: Ein Architektenkonsortium unter der Leitung der US-amerikanischen Firma Diller Scodifio + Renfro konnte den internationalen Wettbewerb für sich entscheiden, wie die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti vermeldete.

Einer Internetseite zufolge wird es in dem Park vier verschiedene Bereiche für die unterschiedlichen Landschaftsformen geben, die in Russland vorkommen: Tundra, Steppe, Wald und Sumpfland. Die Zonen des Parks werden in Terrassen angelegt sein und jeweils ein künstliches Mikroklima aufweisen, das durch die Kontrolle des natürlichen Lichts, die Regulierung der Temperatur und die Simulation des Windes beeinflusst werden kann.

in dem Park werden vier verschiedene Bereiche für die unterschiedlichen Landschaftsformen dargestellt, die in Russland vorkommen: Tundra, Steppe, Wald und Sumpfland. Foto: Pressebild

Der Moskauer Chefarchitekt erklärte gegenüber RIA Novosti, dass die Anlage des Parks rund 230 Millionen Euro kosten werde, die aus dem Haushalt der Stadt Moskau kommen sollen.

Neben dem Siegerprojekt gab es auch viele andere Vorschläge, die ähnlich originell waren. Manche Projekte überraschten hinsichtlich ihrer Zielsetzung, andere ließen Zweifel entstehen, ob sie im Zentrum Moskaus überhaupt realisiert werden können.

 

Chochloma-Park

Die Inspiration hierzu stammte von der traditionellen Chochloma-Malerei. Der Park sollte mit raffiniert geschwungenen Blumenbeeten und Wegen, die

die Muster der Blätter und Blumen wieder aufnehmen, gestaltet sein. In der Mitte des Parks hätte sich ein Konzertsaal mit einem gläsernen Kuppeldach befunden. Der Plan sah auch ein astronomisches Observatorium mit einer Glaskugel vor. Zu den weiteren Besonderheiten gehörten Wasserbecken mit künstlichen Inseln, Radwegen und Fußgängerbrücken.

 

Konzertsaal Rossija

Im Mittelpunkt dieses Projekts stand ein Konzerthaus, aus zwei Gebäuden bestehend, die wie Blüten geformt und durch mehrere gläserne Gänge miteinander verbunden gewesen wären. Unter gläsernen Decken wären Bäume gepflanzt worden, sodass eine angenehme Atmosphäre für ein Erholungsgelände und Cafés entstanden wäre.

Park mit künstlichen Felsen

Ein ambitioniertes Projekt im Geiste der Bewegung „Zurück zur Natur": Zwei Kanäle sollten vom Fluss Moskwa gegraben werden, damit die Menschen in unmittelbarer Nähe des Wassers spazieren gehen können. Um das Gefühl von Natur und Distanz zur betriebsamen Großstadt zu unterstützen, schlugen die Gestalter vor, die Landschaft durch künstliche Hügel und Felsen zu verändern. Unter einem solchen Felsen sollte eine Konzerthalle errichtet werden. Im Winter hätten die Abhänge für den Wintersport genutzt werden können.

Tatlin-Turm

Eine multifunktionale Parkanlage mit einer Bühne für Konzerte und einem Tatlin-Turm, der alles überragt – ein Symbol für Russlands Avantgarde des 20. Jahrhunderts. Der Turm sollte 180 Meter hoch sein, und mehrere Wege wären von ihm ausgegangen. Ein wichtiger Bestandteil des Plans bestand darin, den Park mit Skulpturen zu dekorieren. Unterirdisch sollte es Parkmöglichkeiten, Geschäfte, Kinos und Ausstellungsflächen geben.

Ostereier

Das Projekt imitierte Hühnereier, die auf einem zerknüllten Tischtuch verteilt sind. Die Schöpfer gaben zu, dass ihr Konzept eine Parodie der russischen Identität sein sollte: Ostereier, ein Symbol für den wichtigsten orthodoxen Feiertag, werden verwendet, um einen Konzertsaal, ein Café und Parkplätze zu beherbergen – das alles soll sich im Inneren von fünf gigantischen Eiern befinden. Der Rest soll ein Erholungsbereich mit Blumenbeeten und Bäumen sein. Der Park wird von einem Netz überspannt, um die Besucher im Sommer vor der heißen Sonne und im Winter vor Schnee zu schützen.

Blumenpark

Die Grundidee war ein Blütenmeer. Das Gelände sollte von einem Netz von Fußwegen durchzogen werden, die an einem Teich, Blumenbeeten und Erholungsflächen vorbeigeführt hätten. Das Projekt sah außerdem den Bau

eines Konzertsaals mit gläsernem Dach und eines Wintergartens vor, ein unterirdisches Gewächshaus für Blütenpflanzen.

 

Park zum Ruhme Russlands

Das Ziel dieses groß angelegten Projekts bestand darin, einen symbolträchtigen Park zu erschaffen, um die Pracht Russlands zu feiern. Im Mittelpunkt stand ein Konzertsaal, der in Form einer riesigen, weißen Glocke zwischen sechs Türmen hängen sollte. Neben dem Konzertsaal sollte der Bereich unterhalb der Glocke auch Ausstellungshallen und ein Café beherbergen. Vier Türme sollten mit Treppen und Aufzügen ausgestattet sein, die beiden übrigen waren für einen Theaterkomplex eingeplant. Dieser hätte inmitten eines grünen Parks gestanden, in dem Statuen bedeutender Russen aufgestellt worden wären.

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland