Russische Filmwoche wirbt mit Moskauer Sommernachtstraum

Anlässlich der Russischen Filmwoche in Berlin haben zwei der bekanntesten Filmhochschulen einen gemeinsamen Trailer gedreht. Foto: Pressebild

Anlässlich der Russischen Filmwoche in Berlin haben zwei der bekanntesten Filmhochschulen einen gemeinsamen Trailer gedreht. Foto: Pressebild

Die Moskauer Filmhochschule VGIK und ihr deutsches Pendant HFF aus Potsdam haben gemeinsam einen Trailer anlässlich der Russischen Filmwoche in Berlin gedreht. Daraus könnte eine langfristige Zusammenarbeit entstehen von der beide Seiten profitieren.

Der gelangweilte Mann schleppt sich über den Alexanderplatz in Berlin, nimmt, völlig desinteressiert, einen Flyer aus den Händen einer schönen Frau und lässt sich auf die Rückbank eines Taxis fallen. Dass in diesem Stück Papier weitaus mehr steckt, als ein Werbetext, wird schon bald klar, als er plötzlich aus dem Fenster seiner Luxuskarre Twerskaja und nicht Unter-den-Linden sieht. Es ist eine Moskauer Nacht: Vor dem Bolschoi tanzt eine Ballerina, Eishocker-Spieler kommen in den Zweikampf, junge Leute feiern mitten auf der Straße mit Feuerwerk, eine Schönheit in der russischen Nationaltracht taucht plötzlich auf - es passiert so ziemlich alles, was eine Moskauer Nacht an magischen Erlebnissen bieten kann. Als der Wagen anhält und sich die Tür öffnet, steht der völlig desorientierte aber dennoch glücklich erscheinende Mann unter tobenden Journalisten auf dem roten Teppich der Russischen Filmwoche. Was soll das Ganze? Ach, na klar: der neue Trailer der Russischen Filmwoche in Berlin ist da.

"Von sieben Ideen, die wir angereicht haben, wurde diejenige ausgewählt, die, technisch gesehen, am aufwendigsten war", erzählt Anton Backmann, der nicht nur das Drehbuch schrieb, sondern auch das gemeinsame Projekt der deutschen und russischen Studierenden zur Erstellung des Trailers mitkoordinierte. Die Studenten waren gefordert im großen Stil zu arbeiten, nachts im Zentrum von Moskau mit Polizeieskorte zu drehen und unter Zeitdruck komplizierte technische Probleme zu lösen. Ein Hauch von der deutschen Ordentlichkeit kam da gerade recht, sagt Tatjana Schumiliwer, die für die Zusammenarbeit von der russischen Seite verantwortlich war. "Die deutsche Art alle Details im Voraus zu besprechen und immer einen genauen Zeitplan parat zu haben hat uns sehr beeindruckt, ich würde sogar sagen motiviert. Das Ergebnis lässt sich sehen", erzählt Tatjana.

Anton Backmann ist 23 und studiert an der Potsdamer Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf (HFF) ‚Drehbuch und Dramaturgie'. Tatjana Schumiliwer ist 22 und studierte zur Zeit der Dreharbeiten „Produktion" an der Moskauer Allrussischen Universität für Kinematografie (VGIK). Mittlerweile hat sie ihren Abschluss gemacht und bestimmt nun das Programm in einem der Moskauer Arthouse-Kinos. Der Trailer, obwohl technisch wunderbar realisiert, schlägt mit der tanzenden Ballerina vor dem Bolschoi sicherlich keine neue Seite in der Weltkinogeschichte ein – was auch nicht Sinn und Zweck war. Trotzdem könnte er ein prägendes Ereignis sein. Seine Produktion bedeutet, dass die alte Kooperation zwischen VGIK und der HFF wiederbelebt wurde. Dass es bereits der zweite Trailer ist, der aus der Kooperation hervorgeht, ist Beweis für eine engere Zusammenarbeit. Die Schauspielerin Mascha Tokarewa, die wieder dabei ist und ein starkes Duo mit dem deutschen Schauspieler Dominik Klingberg bildet, wird langsam zum Gesicht der Russischen Filmwoche. Übrigens, Regie führen durfte diesmal Roman Grigoriew von der VGIK.

Der berühmte Regisseur Konrad Wolf, der Namenspatron der HFF, war bekanntermaßen ein VGIK-Absolvent. Ja, selbst die Gründung der HFF 1954 wurde mit dem Wunsch verbunden ein DDR-VGIK nach dem Moskauer Vorbild zu erschaffen. Inzwischen ist die HFF die älteste und größte Filmhochschule in Deutschland, in der ganzen Welt bekannt und hochgelobt. Die Nabelschnur zur VGIK, wenn sie jemals existierte, wurde schon längst getrennt. Dennoch kann die Kooperation mit der VGIK für die HFF ein wichtiger Stützpunkt sein, nicht nur aus nostalgischen Gründen: Es geht um die eigene Hochschulidentität und Horizonterweiterung für Studenten.

Für Anton Backmann, der, obwohl in Deutschland aufgewachsen, in der russischen Kleinstadt Obninsk geboren wurde, war das einwöchige Russland-Abenteuer auch aus persönlichen Gründen mehr als ein

gewöhnlicher Arbeitsauftrag. „Bei allen deutschen Teammitgliedern waren Affinität zu Russland oder Hintergrundmotive sehr stark vertreten", sagt er. Die VGIK beschreibt Anton beinahe wie die Hogwarts-Schule aus der Harry Potter-Reihe. "VGIK erlebte ich als Kunsthochschule schlechthin", erzählt Anton. „Altes Gebäude, unglaublich atmosphärisch, mit Parkettböden, die sich noch an Schritte des eilenden Eisenstein erinnern würden. Überall stehen Klaviere rum, überall ist Gesang zu hören. Dagegen wirkt unser modernes HFF-Gebäude wie eine Unternehmensberatung."

Auch Tatjana schwärmt heute über die „kleine Familie", die plötzlich während der Dreharbeiten aus den deutschen und russischen Studierenden entstand. So leicht vergisst man die Moskauer Sommernächte nicht. Können auf diesem Wege zukünftige Arbeitspartnerschaften entsprossen? Warum nicht! Ein gegenseitiges Interesse und Sympathie ist auf jeden Fall vorhanden. Bis dahin aber kann man den Trailer ab 27. November während der Russischen Filmwoche in ausgewählten Berliner Kinos sehen. Und natürlich im Internet.

Bereits zum 9. Mal findet in der deutschen Hauptstadt die Russische Filmwoche statt. Vom 27. November bis 4. Dezember werden insgesamt 16 neue Filmproduktionen – inklusive Kurz- und Animationsfilmen – von russischen Filmemachern und Stars präsentiert.

Die Russische Filmwoche wird von „Interfest" und der Berliner Agentur „Interkultura Kommunikation", mit Unterstützung des Kulturministeriums der Russischen Föderation und des Russischen Hauses der Wissenschaft und Kultur in Berlin, veranstaltet. Die Schirmherren der Veranstaltung sind der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, sowie der außerordentliche und bevollmächtigte Botschafter der Russischen Föderation in Deutschland, Wladimir M. Grinin. Hauptsponsor der Filmwoche ist die GAZPROM Germania GmbH.

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