Andere Liebe - gleiche Rechte: Sankt-Petersburg veranstaltet schwul-lesbisches Filmfestival

Unter dem Motto „Andere Liebe, gleiche Rechte“ wird das Thema Homosexualität auf die russische Leinwand gebracht.  Foto: Pressebild

Unter dem Motto „Andere Liebe, gleiche Rechte“ wird das Thema Homosexualität auf die russische Leinwand gebracht. Foto: Pressebild

Seit 21. November und noch bis Ende des Monats läuft in Sankt Petersburg das VI. internationale Lesbian, Gay, Bisexual und Trans (LGBT) -Filmfestival „Bok o Bok“ (zu Deutsch „Seite an Seite“).

Ziel der Veranstaltung, die unter dem Motto „Andere Liebe, gleiche Rechte" steht, ist es, die Thematik der Homosexualität, Bisexualität und des Transgenderdaseins aus der Perspektive des Films zu betrachten.

Im Rahmen des Programms werden 32 Filme gezeigt, unter ihnen zehn Streifen mit voller Spielfilmlänge und drei Zusammenstellungen von Kurzfilmen. Gewinner und Teilnehmer der weltweit größten Filmfeste wie Sundance, Cannes und Berlin sind nach Sankt Petersburg angereist. Die Vorstellungen und Diskussionen finden an vier Standorten in der Stadt statt. 2012 hatte das Festival etwa 2.500 Besucher gezählt.

Eingeladen zu „Seite an Seite" sind solche bekannten Regisseure, wie Diederik Ebbinge („Matterhorn", Zuschauerpreis auf dem Moskauer Filmfestival), Marta Cunningham („Valentine Road") und Ed Wolf („We Were Here"). Stargast des Festivals ist Gus Van Sant, Autor des legendären „Harvey Milk" (2008), der nicht nur zu einem Klassiker der LGBT-Kultur, sondern des Weltfilms überhaupt, geworden ist.

Präsentiert wird im Rahmen des Festivals auch „Das Leben von Adèle" des französischen Regisseurs Abdellatif Kechiche, der in diesem Jahr die

Goldene Palme in Cannes gewann. Dieser Film wird auch in den russischen Kinos gezeigt.

Am Ende des Festivals entscheidet die Jury über die Vergabe des „Bobik" in verschiedenen Kategorien. Außerdem wird der Preis „Tapferer Hund" für besonderen Mut in der Verteidigung der LGBT in Russland vergeben.

Das Festival existiert seit 2008 und sorgt für ganz unterschiedliche Reaktionen, bis hin zu Gewalttätigkeit und Klagen vor Gericht. In diesem Jahr verlangte der für seine extremen Positionen bekannte Sankt Petersburger Duma-Abgeordnete Vitalij Milonow, einer Reihe von Filmen die Drehlizenz zu entziehen, weil sie die „Prinzipien der öffentlichen Moral und des Anstandes verletzen". Sein Assistent Anatolij Artjuch veranstaltete eine Schlägerei mit einem LGBT-Aktivisten.

Am 23. November wurde ein Versuch unternommen, das Festival zu stören, indem eine Meldung über eine Bombenlegung im Gebäude des „Loft-Projekt Etaschi", in dem Filmvorführungen stattfinden, lanciert wurde. Die Nachricht stellte sich als Ente heraus.

Im Juni wurde „Seite an Seite" als „Ausländischer Agent" eingestuft und zu einer Strafe von 500.000 Rubel (etwa 12.500 Euro) verurteilt. Am 9. Oktober hob das Stadtgericht von Sankt Petersburg die Entscheidung der tieferstehenden Instanzen auf und befreite das Festival von der Zahlung der Strafe.

 

Nach Materialen von Gazeta.ru und Grani.ru

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