Hollywoods russische Wurzeln

Zwei Brüder, die aus Russland in die USA emigrierten, wurden zu Hollywoods Gründungsvätern. Foto: Getty Images/Fotobank

Zwei Brüder, die aus Russland in die USA emigrierten, wurden zu Hollywoods Gründungsvätern. Foto: Getty Images/Fotobank

Als Kinder wanderten sie mit ihren Eltern von Rybinsk in die USA aus. Dort amerikanisierten sie ihre Namen und wurden zu reichen Filmmagnaten, die Hollywood miterschufen: die Brüder Nick und Joe Schenk.

Stars mit russischen Wurzeln sind in Hollywood keine Seltenheit. Die Großmutter von Leonardo DiCaprio hieß Elisaweta Smirnowa, Mila Kunis und Milla Jovovich sprechen Russisch – ihre Kindheit verbrachten sie in der Sowjetunion. Und auch unter den Gründervätern von Hollywood gibt es viele Einwanderer aus Russland. Zu den bekanntesten zählen die Brüder Schenk. Nick Schenk leitete MGM, Josef Schenk war Gründer der Filmakademie.

Die Brüder Schenk wuchsen in Rybinsk auf, einer Kleinstadt an der Wolga. Ihr Vater, Chaim Scheinker, war als Prokurist bei einer Reederei tätig. Wie viele andere russische Juden Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts emigrierte auch die Familie Scheinker nach Amerika. Dort ließen sie sich auf der Lower East Side von New York nieder, von wo aus sie schließlich weiter nach Harlem zogen. Ihren Nachnamen verkürzten sie, um amerikanischer zu klingen, und so wurden aus den Scheinkers die Schenks, und aus Nikolai und Iosif wurden Nick und Joe.

In New York zogen sie anfangs als Zeitungsverkäufer durch die Straßen. Irgendwann fiel ihnen am Bahnhof auf, dass sich Hunderte von Leuten beim Warten auf den Zug langweilten. Und so mieteten die Brüder einen Bierstand an, mit dem sie dem Publikum einfache Unterhaltung boten. An diesem Stand lernten sie Marcus Loew kennen, einen Theaterbetreiber und späterer Eigentümer eines Filmstudios, das uns heute unter dem Namen Metro-Goldwyn-Mayer bekannt ist. Und so kam es, dass die Brüder zu Filmmagnaten wurden, auch wenn sie sehr unterschiedliche Wege beschritten.

 

Mit Filmstudios und Filmakademie in den Hollywood-Olymp

Nick arbeitete weiter mit Loew zusammen und wurde Chef von Metro-Goldwyn-Mayer. Bereits 1932 leitete er ein ganzes Imperium, bestehend aus einem Netz erfolgreicher Kinos und der Filmgesellschaft MGM. Er wurde zu einem der reichsten Amerikaner seiner Zeit. In der Stummfilmära glänzte Greta Garbo in den Filmen von Metro-Goldwyn-Meyer, zu Zeiten des Tonfilms waren es Kathrin Hepburn und Vivien Leigh, Clark Gable und Fred Astaire. Die Filme von MGM heimsten mehr als 200 Oscars ein. Zu den Meisterwerken der Filmgesellschaft zählen „Der Zauberer von Oz", „Vom Winde verweht", „Singin' in the Rain", die Zeichentrickfilme mit Tom und Jerry und andere unvergessene Klassiker. Nick Schenk war ein führungsstarker und begabter Manager, dem es zu verdanken war, dass die riesige Filmgesellschaft selbst während der Großen Depression wie ein Uhrwerk lief.

Josef trennte sich von seinem Bruder und Loew und suchte sein Glück an der Westküste der USA. 1925 war er Vizepräsident des unabhängigen Filmstudios United Artists, das von den Stummfilmstars Charlie Chaplin, Mary Pickford, Douglas Fairbanks und dem Regisseur David Griffith gegründet worden war. Ein knappes Jahrzehnt später gründete er selbst 20th Century Pictures.

Josef Schenk war einer der Gründer der Amerikanischen Filmakademie, die mit dem Oscar den wichtigsten Preis der Filmindustrie ins Leben rief. Auch im Leben von Marilyn Monroe spielte er eine entscheidende Rolle. Joe verliebte sich in die Schauspielerin, als diese 1946 ins Filmstudio kam, und half ihrer Karriere auf die Sprünge. 1952 erhielt Joe einen Oscar als Anerkennung für seine großen Verdienste um die Entwicklung der Filmindustrie sowie einen Stern auf dem „Walk of Fame" in Hollywood.

In Russland erfuhr man von den Brüdern Schenk erst in den 1990er-Jahren, nach dem Zerfall der Sowjetunion. Das ist nicht sehr verwunderlich: Zu Zeiten des Eisernen Vorhangs breitete man über zweifelhafte Persönlichkeiten lieber den Mantel des Schweigens aus. Heute ist in der Stadt Rybinsk eine Gedenktafel zu finden, zu der man Touristen von Kreuzfahrtschiffen bei ihren Landgängen führt.

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