Alexander-Newski-Kloster von St. Petersburg 300 Jahre alt

Alexander-Newski-Kloster in Sankt Petersburg. Foto: Lori/Legion Media

Alexander-Newski-Kloster in Sankt Petersburg. Foto: Lori/Legion Media

Das berühmte Kloster am Rande des Stadtzentrums ist noch heute ein wichtiger Ort des Glaubens und für die Ausbildung neuer Priester.

Das Alexander-Newski-Kloster, oder „Lawra" genannt, befindet sich am Alexander-Newski-Platz – also am Ende der fünf Kilometer langen Prachtstraße St. Petersburgs, dem Newski Prospekt. In der Mitte prangt – in Bronze gegossen – der russische Nationalheld auf seinem Pferd. Geht man durch das Haupttor, an den Bettlern vorbei, eröffnet sich der Blick auf das wichtigste Männerkloster der Stadt. Zum 300-jährigen Jubiläum wurde es aufwendig renoviert. Der Leiter des Klosters, der 61-jährige Bischof Nasarij, erklärt, dass die Gründung der Lawra fast zeitgleich mit der Stadtgründung zusammenfiel. Demnach habe man Aufzeichnungen gefunden, die beweisen, dass Zar Peter der Große bereits 1704 Pläne hatte, ein bedeutendes Männerkloster zu errichten. „Deshalb ist es kein Zufall," sagt Bischof Nasarij, „dass es als geistliches Herz von St. Petersburg bezeichnet wird."

In Russland gibt es mehr als 330 Bischöfe und rund 80 „Metropoliten", die in der Hierarchie über den Erzbischöfen stehen. An der Spitze thront Patriarch Kyrill I. – so etwas wie der Papst der russisch-orthodoxen Kirche. Kyrill I. gilt als ausgesprochener Traditionalist und geißelte Feminismus kürzlich als „gefährliches Phänomen".

Ähnlich traditionell eingestellt ist auch der Petersburger Bischof Nasarij. Seit 17 Jahren leitet er das Alexander-Newski-Kloster und bezeichnet es als „Kaderschmiede von geistlichen Führern". Die „Geistliche Akademie", wie sie heute heißt, bildet vor allem Priesteramtskandidaten, Theologen, Ikonenmaler und Kantoren für Kirchenchöre aus.

 

Name geht auf Schutzpatron Alexander Newski zurück

Der Name des Klosters geht auf den Heiligen und Schutzpatron Alexander Newski zurück. Man spricht davon, dass er genau an dem Ufer, an dem die Lawra heute steht, die damalige Rus vor westlichen Eindringlingen beschützt hat. Alexander Newski konnte mit seinem Heer die Gebietsansprüche Schwedens und des Deutschen Ordens abwehren. Unter seiner Führung entstand das erste russische Nationalgefühl – das schon immer eng an die russisch-orthodoxen Kirche gekoppelt war. Bischof Nasarij meint: „Die Orthodoxe Kirche ist die einzige, die alle osteuropäischen Slawen verbindet – die „Heilige Rus" steckt tief in uns drin – und zwar in jedem von uns." So steckt die „Heilige Rus" wohl auch in Gazprom. Der halbstaatliche Öl- und Gaskonzern hat die Renovierung der Gebäudefassaden zum 300-jährigen Jubiläum gesponsert. Kostenpunkt: umgerechnet rund 5,5 Millionen Euro.

In den letzten 300 Jahren hatte die Lawra durchaus eine wechselvolle Geschichte. Glocken wurden in Kanonenkugeln umgegossen, während des Ersten Weltkriegs wurde es als Lazarett gebraucht und in der Sowjetzeit als

Versammlungsstätte von Arbeiter- und Soldatenräten benutzt. 1917 wurden die Gebeine von Alexander Newski konfisziert – und erst 1989 wieder an die russisch-orthodoxe Kirche zurückgegeben. Heute werden die kostbaren Reliquien im Altarraum der frisch renovierten klassizistischen Dreifaltigkeitskathedrale aufbewahrt.

Wenige Gehminuten davon entfernt befindet sich die Maria-Verkündigungskirche, an deren Stelle im Jahr 1713 der erste Gottesdienst abgehalten wurde und die damit als Ursprungszelle der Lawra gilt. Apropos, der Name „Lawra" kam erst Ende des 18. Jahrhunderts: 1797 hat ihn Zar Paul I. verliehen um den Status des Klosters aufzuwerten. In Russland gibt es heute nur noch ein anderes Männerkloster in der Nähe von Moskau – das Dreifaltigkeitskloster von Sergijew Possad – das als vergleichbar wichtige Pilgerstätte für russisch-orthodoxe Gläubige gilt.

Die 1990er Jahre – nach dem Zerfall der Sowjetunion – waren auch für das Kloster schwierig und so hat man damit angefangen, eigene Werkstätten zu errichten, um über die Runden zu kommen. „Damals gab es noch keine

Geschäftsleute, die uns großzügige Spenden zukommen ließen", erinnert sich Bischof Nasarij. Deshalb habe man eine Goldschmiede-, Keramik-, Porzellan-, Näh- und Grafikwerkstatt aufgemacht. Außerdem gibt es eine Abteilung, die für Ikonenmalerei und Ikonenrestauration zuständig ist. Bis heute spülen die Werkstätten – neben den privaten Spenden – Geld in die Klosterkasse.

Nicht zuletzt ist das Alexander-Newski-Kloster auch wegen seiner beiden Friedhöfe berühmt, die in keinem Reiseführer fehlen dürfen. Auf dem „Lazarusfriedhof" und dem „Tichwiner Friedhof" befinden sich bekannte russische Persönlichkeiten – vor allem Komponisten und Schriftsteller wie Pjotr Tschaikowski und Fjodor Dostojewski. Die Friedhöfe werden allerdings nicht vom Kloster verwaltet sondern vom städtischen Skulpturenmuseum. Über die Zahl der Besucher pro Jahr kann Bischof Nasarij keine Auskunft geben. Nur eines könne er sagen: Es werden immer mehr – und die 42 Mönche kommen mit dem Beten gar nicht nach.

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