Lenin lebt weiter

Kuba, das der kommunistischen Ideologie bis heute treu geblieben ist, hat einen ganzen Park nach Lenin benannt. Foto: AP

Kuba, das der kommunistischen Ideologie bis heute treu geblieben ist, hat einen ganzen Park nach Lenin benannt. Foto: AP

Noch 90 Jahre nach dem Tod des Revolutionsführers erinnern Denkmäler auf der ganzen Welt an Wladimir Lenin. Auch von zeitgenössischen Künstlern wird der bekannteste Bolschewik immer wieder aufgegriffen.

Als das sowjetische Imperium auseinandergefallen war, versuchten viele Länder, sich ihrer kommunistischen Vergangenheit so schnell wie möglich zu entledigen. Obwohl viele Denkmäler des „Arbeiterführers" zerstört oder von ihren Sockeln entfernt wurden, gibt es weltweit immer noch schätzungsweise 6 000 Lenindenkmäler.

 

Büsten und Denkmäler – von Kuba bis in die Antarktis

Kuba, das der kommunistischen Ideologie bis heute treu geblieben ist, hat einen ganzen Park nach ihm benannt. In dem für das kubanische Proletariat angelegten Freizeitareal in Havanna erhebt sich eine neun Meter hohe Marmorstatue Lenins.

In Russland befindet sich eines der unkonventionelleren Lenindenkmäler im Ural, in der Stadt Tscheljabinsk. Die an ein Mausoleum erinnernde Anlage ist von Säulen, einem Balkon und einer bronzenen Büste des bolschewistischen Revolutionärs geschmückt. Spenden einheimischer Arbeiter ermöglichten ihren Bau. Er wurde 1925, kurz nach Lenins Tod, eingeweiht.

Das Lenindenkmal in Tscheljabinsk. Foto: Wladimir Koslow

Einer der Orte, an denen man ein Denkmal für den Kommunistenführer am wenigsten erwartet, ist Mauritius. Und doch: Die Inselhauptstadt Port Louis hat eines. Es wurde 1983 errichtet.

In den USA findet man ebenfalls ein paar Denkmäler des Revolutionärs. Eines von ihnen steht auf dem Dach eines 13-geschossigen Gebäudes am Red Square im East Village, Manhattan. Das Kunstwerk des russischen Bildhauers Juri Gerasimow wurde in seiner Heimat angesichts des Kollapses der Sowjetunion nie öffentlich gezeigt. Es fristete ein Schattendasein im Garten einer Datscha in der Nähe von Moskau, wo Michael Shaoul, einer der Red-Square-Architekten, es Mitte der 1990er-Jahre entdeckte.

Das Lenindenkmal von Juri Gerasimow in New York. Foto: Alamy/Legion Media

Eine größere, knapp fünf Meter hohe Statue stellte man an der Westküste in Fremont, einem Vorort von Seattle, auf. Das von dem slowakisch-bulgarischen Bildhauer Emil Venkov geschaffene Werk stand ursprünglich in der slowakischen Stadt Poprad, wo es 1988 eingeweiht wurde. Dort blieb es der Öffentlichkeit ein gutes Jahr erhalten, bevor man es im Zuge der tschechoslowakischen „samtenen Revolution" ohne großes Aufheben entfernte. Einige Jahre später fand ein amerikanischer Lehrer die Statue zufällig auf einem Schrottplatz in Poprad. 1995 schließlich gelangte es in Fremont zu neuen Ehren.

Eine Leninbüste prangt selbst in der Antarktis. Sowjetische Forscher hatten sie 1958 dorthin gebracht. Die Kunststoffbüste hat dort bis heute überdauert, trotz klirrender Temperaturen von bis zu minus 60 Grad Celsius.

 

Auf Band und in Kunststoff: Filme und Sammlergegenstände

In der kommunistischen Ära entstanden in der Sowjetunion unzählige Spiel- und Dokumentarfilme über Lenin, von kleinen Propagandastreifen mit geringem künstlerischem Wert bis zu Sergej Eisensteins Klassiker „Oktober" und Dsiga Wertows „Drei Lieder über Lenin".

Speilszene aus dem Film "Oktober" von Sergej Eisenstein. Foto: kinopoisk.ru

Filmemacher auf der ganzen Welt bauten Lenin als Figur in ihre Filmhandlungen ein. In Franklin J. Schaffners „Nikolaus und Alexandra", einem Film über den 1917 gestürzten letzten russischen Zaren Nikolaus II., war der britische Schauspieler Michael Bryant in der Rolle Lenins zu sehen.

Nach dem Fall des Kommunismus änderte sich der Charakter der Darstellung des Bolschewistenführers, der nun oft alles andere als respektvoll porträtiert wurde. Der 1997 erschienene Film „Minu Leninid" („All My Lenins") des Regisseurs Hardi Volmer ist eine Komödie über fiktionale Schulstunden mit Doppelgängern Lenins.

Das vielleicht bekannteste Filmwerk der vergangenen Jahre trägt Lenin im Titel. In „Goodbye Lenin" des deutschen Regisseurs Wolfgang Becker aus dem Jahr 2003 spielt die russische Schauspielerin Tschulpan Chamatowa

eine der Hauptrollen. Angesiedelt in den Monaten nach der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990, baute der Film tatsächlich Lenin in die Handlung mit ein, allerdings nur als Statue, die als Relikt der kommunistischen Vergangenheit fortgeschafft wird.

In einem ähnlichen Akt der Neudeutung der kommunistischen Vergangenheit entwarf der Norilsker Künstler Oleg Osmuk Bilder von Lenin und anderen bolschewistischen Führern im Comicstil. In einem von ihnen sieht man Lenin einen Batman zerschlagen.

In den späten 1980er-Jahren brachte die sowjetische Perestroika Gegenstände mit kommunistischer Symbolik hervor, die im Westen in Mode kamen. Bei Sammlern standen Leninbüsten und Skulpturen des Revolutionärs hoch im Kurs, die man mehr oder weniger inoffiziell aus Russland ausführte.

 

Lenin lebt im Internet

Heute ist das Interesse an Sammlergegenständen mit Lenin-Bezug deutlich abgeebbt. Von Zeit zu Zeit bieten Antiquare im Internet noch einschlägige Objekte an. Ein amerikanisches Unternehmen, das auf „ausgefallene und

einzigartige Antiquitäten" spezialisiert ist, hat eine knapp fünf Meter hohe Lenin-Statue im Angebot, die einst in der Nähe des mittlerweile geschlossenen Restaurants Red Square am Atlantic City Tropicana Casino stand.

Das 2005 dort installierte Kunstwerk hatte einige Kontroversen ausgelöst. Der Restaurantbesitzer musste schließlich den Kopf der Statue abnehmen und sie mit etwas bedecken, was Taubenkot ähnelte, um unerwünschte historische Assoziationen zu vermeiden. Aussagen des Anbieters zufolge ist die Statue heute in einem guten Zustand. Sie wird für 29 500 Euro gehandelt.

Wer an einer etwas preisgünstigeren Ausführung interessiert ist, kann bei einem anderen Onlinehändler eine Porzellanbüste Lenins für 95 Euro erwerben.

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