Sotschi nicht nur zu Olympia

Zurzeit steht die russische Schwarzmeerstadt Sotschi dank der Olympischen Spiele im Blickpunkt der Welt. Der Berliner Trescher-Verlag hat die Chance genutzt und einen erstklassigen Reiseführer herausgebracht.

Ein spezieller Olympia-Führer enthält 

Informationstexte über die Geschichte,

Geografie oder gastronomische Tradition

der Sotschi-Region.

Es gibt wahrscheinlich kaum einen besseren Moment, einen Reiseführer über die Schwarzmeerstadt Sotschi herauszubringen, als zum Jahresbeginn 2014, kurz vor den Olympischen Winterspielen. Es ist schon verwunderlich, dass im deutschsprachigen Raum offenbar nur der Trescher-Verlag als Ostreisen-Spezialist diese Chance genutzt hat.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ein spezieller Olympia-Führer ist „Sotschi, Russische Schwarzmeerküste und Kaukasus", wie das Buch vollständig heißt, nicht. Die olympischen Stätten werden vergleichsweise knapp auf nur fünf Seiten abgehandelt, dazu gibt es einige spezielle Anreisehinweise für die Zeit der Spiele wie zusätzliche Flugverbindungen. Aber wer für seinen Sotschi-Trip zu Olympia einen Reiseführer erwirbt, will natürlich etwas über den Austragungsort der Winterspiele selbst, seine Sehenswürdigkeiten oder Naturschönheiten erfahren. Und hier hat der neue Sotschi-Führer von Trescher sehr viel zu bieten.

Denn der Guide geht auf seinen über 200 Seiten mehr in die Tiefe, als man das von der üblichen Reiseliteratur aus der Auslage eines Standard-Buchladens gewohnt ist. Er enthält weniger großflächige Fotos, aber umfangreichere Informationstexte über die Geschichte, Geografie oder gastronomische Tradition der Region. Top-Listen zum Zeit sparen findet man keine, denn dieser Sotschi-Guide richtet sich weniger an eilige Gelegenheitstouristen. Dafür wird praktisch jede Sehenswürdigkeit des Großraums umfassend beschrieben, ob es sich nun um Museen, Nachtleben, Naturparks oder Sportgebiete handelt. Der Reiseführer nutzt die Aktualität des Reiseziels Sotschi, hofft jedoch, auch Sotschi-Touristen zu erreichen, die nicht speziell zu den Winterspielen an die russische Riviera fahren wollen. So gibt es spezielle Abschnitte sowohl für Kur- oder Badeurlauber als auch für Wandertouristen oder Wintersportler.

Nach einer allgemeinen Einführung wird die gesamte Region Sotschi räumlich gegliedert vorgestellt – von der Meeresküste bis zum Hochgebirge im Hinterland. Groß-Sotschi ist ein ganzes Konglomerat von benachbarten und voneinander völlig verschiedenen Orten, Kurstädten wie dem Flughafenort Adler, touristisch erschlossenen Bergdörfern wie Krasnaja

Poljana, Thermalbädern wie Mazesta oder dem mondänen Badeort Sotschi selbst. Der Text ist übersichtlich gestaltet, umfassend recherchiert und verständlich formuliert, Attraktionen sind auf zweisprachigen Übersichtskarten verzeichnet (kyrillisch/lateinisch). Eine Besonderheit gegenüber anderen Reiseführern sind zwischen die Texte eingestreute Essays, tiefer gehende Aufsätze etwa über die örtliche Weinregion, die Kubaner Kosaken, den speziellen Honig aus Krasnaja Poljana und vielem mehr.

Die Vielfalt ist es, die Sotschi ausmacht und von vielen bei westlichen Touristen bekannteren Reisezielen unterscheidet. Sotschi ist ein Kurort mit im Sommer subtropischem Klima und wertvollen Mineralquellen, mit Stränden und Infrastruktur für „normale" Badeurlauber, aber eben auch einem Hochgebirge in unmittelbarer Nähe mit Wintersportgebieten. Der Reiseführer zeigt, dass Reisen in diese touristisch erschlossene Region gar nicht so verschieden von Reisen in beliebte Regionen von Mitteleuropa sind. Es ist zu hoffen, dass die Leser die Botschaft verstehen und nicht nur zur Winterolympiade nach Sotschi fahren.

 

Andreas Sternfeldt: Sotschi. Russische Schwarzmeerküste und Kaukasus, Trescher-Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-89794-262-2

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