Blumen und Parfüm am Tag der Frau

Frauen der ersten Stunde: Clara Zetkin und Rosa Luxemburg im Jahr 1910. Foto: ITAR-TASS

Frauen der ersten Stunde: Clara Zetkin und Rosa Luxemburg im Jahr 1910. Foto: ITAR-TASS

Am 8. März wird in Russland der Internationale Frauentag gefeiert. Nach mehr als hundert Jahren hat sich seine Bedeutung verändert.

Es sei die „wuchtigste Kundgebung für das Frauenwahlrecht ..., welche die Geschichte der Bewegung für die Emanzipation des weiblichen Geschlechts bis heute verzeichnen kann". Dieser Meinung war Clara Zetkin im Jahr 1911. Über 45 000 Frauen hatte die Idee der sozialistischen Frauenrechtlerin in Berlin auf die Beine gebracht: Sie kamen zum ersten Internationalen Frauentag zusammen. Die Demonstrantinnen traten an, um für ihr Wahlrecht zu kämpfen. Heute ist der Tag zwar immer noch politisch, die Sache sieht – zumal in Russland – aber trotzdem etwas anders aus.

Aber vielleicht erst einmal zurück zu den Wurzeln, die in den USA liegen. 1908 hatten die Frauen der dortigen Sozialistischen Partei vorgeschlagen, einen „Kampftag" für das Frauenwahlrecht zu organisieren, was ein Jahr später in die Tat umgesetzt wurde. Über den Atlantik kam die Anregung dann auch nach Europa: Auf dem Zweiten Internationalen Frauenkongress in Kopenhagen machten sich Clara Zetkin und Käte Duncker für einen Internationalen Frauentag stark. Auf ihren Antrag hin beschlossen ihn die Delegierten.

Der erste wirkliche Weltfrauentag war der 19. März 1911: „Die Forderung nach dem Frauenwahlrecht ist die notwendige Folge der durch die kapitalistische Produktionsweise bedingten wirtschaftlichen und sozialen Umwälzung, die die Stellung der Frau von Grunde aus umgewandelt hat", hieß es in der auf den Veranstaltungen verabschiedeten Resolution. Jenes Datum wurde gewählt, um den revolutionären Charakter hervorzuheben: Am 18. März wurde die Märzrevolution 1848 blutig niedergeschlagen.

Der Weltfrauentag fand seitdem jährlich statt, wenn auch mit unterschiedlichen Zielsetzungen. Im Ersten Weltkrieg demonstrierten die Frauen vor allem für den Frieden. 1919 wurde in Deutschland den Frauen

das Wahlrecht zugestanden, das Ursprungsziel des Tages war erreicht.

In Russland beschloss die „Zweite Internationale Konferenz kommunistischer Frauen" in Moskau 1921 die Einführung. Hier taucht auch erstmals der 8. März auf: Vier Jahre zuvor hatten an diesem Tag in St. Petersburg die Frauen der armen Stadtviertel gestreikt und die Februarrevolution ausgelöst. Zum ihrem Gedenken legte man den Tag auf dieses Datum – und dort blieb er bis heute.

Begangen wird der Tag heute vor allem in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion, in Russland ist er ein staatlicher Feiertag. Blumen stehen hoch im Kurs – es gibt Schätzungen, nach denen die Floristen an diesem Tag 70 Prozent ihres Umsatzes machen. Auch Parfüm und Schokolade werden verschenkt. Aus dem Kampftag für die Rechte der Frauen ist eine Mischung aus Valentins- und Muttertaggeworden.

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