Mode der Alëuten: Ethno-Style à la russe

Die Ureinwohner Kamtschatkas. Foto: ITAR-TASS

Die Ureinwohner Kamtschatkas. Foto: ITAR-TASS

Modejournale widmen ganze Kolumnen den traditionellen Ornamenten, Aufdrucken und Accessoires aus Leder und Glasperlenschnüren der Urvölker Amerikas. Auch russische Modedesigner lassen sich von Ureinwohnern inspirieren – den Alëuten.

Das Volk der Alëuten lebt im pazifischen Küstengebiet in der Region Kamtschatka, genauer gesagt auf den Kommandeurinseln. Laut dem Ergebnis der letzten Bevölkerungszählung lebten dort im Jahr 2002 gerade einmal 540 Einwohner.

Seit ihrer Entdeckung durch die zweite Kamtschatka-Expedition (1733 bis 1743), auch als Große Nordische Expedition bekannt, befindet sich die Inselgruppe der Alëuten sowie ein Teil Alaskas unter der Verwaltung der Russisch-Amerikanischen Kompagnie. Damals kamen die Alëuten auf die Kommandeurinseln, wo sie bis heute noch leben. Sie wurden in dieses Gebiet zur „Erschließung der unbewohnten Inseln“ umgesiedelt – eine übliche Praxis zur damaligen Zeit.


Der alëutische Parka

Das extreme Klima dort hat eine vollkommen eigenständige Kleidungskultur geschaffen. Das im Alltag wichtigste Element der alëutischen Garderobe ist der Parka, ein langer, doppelwandiger Mantel zum Überziehen, gefertigt aus dem Leder einer Bärenrobbe, eines Meerotters oder aus Vogelhaut.

Der Alëuten-Überziehmantel. 

Foto: Witalij Karpow/RIA-Novosti.

Der moderne Parka ist im Grunde genommen eine Weiterentwicklung des Alëuten-Überziehmantels, welcher aus wesentlich leichteren Geweben gefertigt wird und über einen Reißverschluss auf der Vorderseite verfügt. Bei rauen Wetterbedingungen wurden die traditionellen Parkas mit dem Fell als Innenseite getragen, die Hemden aus Vogelhaut dementsprechend mit den Federn nach außen. Das bot einen idealen Schutz vor Regen, da das Wasser an den Federn abperlte.

Über den Parka wurde bei Bedarf eine Kamlejka angezogen, eine wasserfeste Kleidung aus Därmen von Meerestieren mit langen Ärmeln und einer am Hals mittels einer Kordel zusammenziehbaren Kapuze. Die Kamlejka könnte durchaus den Prototyp der modernen Windjacke darstellen. Sowohl der Parka als auch die Kamlejka wurden bestickt und mit Borden verziert. Die Varianten für Männer und Frauen hatten die gleiche Fasson und ähnliche Verzierungen. Besonders stechen die aus den Pelzen von Silber- oder Rotfüchsen gefertigten Trachten der Frauen hervor.

Traditionell getragen wurden auch die Brodni, wasserundurchlässige, weiche Wathosen, die aus der Haut von Seelöwen gefertigt wurden.


Die Erfindung des Basecaps

Außerdem haben die Alëuten die Schirmmütze erfunden. Ihre „Berufsbekleidung“ bestand unter anderem bei den einfachen Jägern aus einer Kopfbedeckung mit einem hölzernen Mützenschirm oder beim Häuptling aus einer hölzernen Kappe mit Mützenschirm, die die Augen des Trägers ausgezeichnet vor den von der Wasseroberfläche reflektierten Sonnenstrahlen und den Spritzern des Meereswassers schützte.  

Foto: Witalij Karpow/RIA-Novosti

Im Unterschied zu den heutigen Basecaps, die industriell gefertigt werden, erforderte die Herstellung dieser Kappen aus Holz und Wal-Barten ein großes Können und nahm meist mehrere Monate in Anspruch. Sie wurden aus einem Holzklotz „herausgedrückt“ und anschließend unter Dampf in die entsprechende Form versetzt. Danach versah man sie mit kräftigen Farben und ausgefallenen Ornamenten.

An den Seiten und auf der Rückseite wurden sie mit geschnitzten Blättchen aus Walrosszähnen, in die geometrische Muster geschnitzt wurden, verziert. An der Spitze der hinteren Blättchen, die gleichzeitig die Spitze der Kappe bildeten, wurde eine Vogel- oder Tierfigur, ein Totem, aus Knochen befestigt. Diese Verzierungen hatten eine magische Bedeutung und sollten dem Jäger Glück bringen. In die Seitenöffnungen der Blättchen steckte man bis zu fünfzig Zentimeter lange Seelöwen-Barten. Deren Zahl hing vom Jagderfolg des Besitzers ab und symbolisierte die Zahl der erlegten Seelöwen. Solche Kopfbedeckungen wurden ausschließlich von den Männern getragen und demonstrierten deren sozialen Status.
Die Frauen dagegen trugen Festtagshüte aus Leder und Vogelhaut mit verschiedensten Verzierungen oder aus mit Mustern versehenen Leder-Kordeln.

Die Alëuten waren sehr modebewusst und hatten ein Gespür dafür, dass die Erscheinung stark von den Accessoires abhängt. So waren Armbänder und Halsketten ein untrennbarer Bestandteil der Festtagskleidung. Sogar Anhänger für Piercings kannte man bereits – sie wurden aus Stein, Knochen, Holz, den Barten von Seelöwen, Wurzeln oder Knochen gefertigt.

 

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