Der Gorki Park: Eine eigene Stadt innerhalb Moskaus

Olga Sacharowa, Parkdirektorin seit 2011: "In Russland gehört zur Erholung unbedingt ein Kulturprogramm, Sportangebote und Essen und Trinken." Foto aus dem persönlichen Archiv

Olga Sacharowa, Parkdirektorin seit 2011: "In Russland gehört zur Erholung unbedingt ein Kulturprogramm, Sportangebote und Essen und Trinken." Foto aus dem persönlichen Archiv

Olga Sacharowa ist seit 2011 Direktorin des Moskauer Gorki Parks. In nur drei Jahren verwandelte sie den einst heruntergekommenen und verlassenen Park zum beliebten Treffpunkt für Erholungssuchende. Das war keine leichte Aufgabe. In RBTH verrät sie ihr Erfolgsrezept.

RBTH: Wie sah der Gorki Park vor drei Jahren aus?

Olga Sacharowa: Der Park war ein Treffpunkt für Alkoholiker, die hier Bier tranken, alte sowjetische Chansons hörten und Schawarma, die russische Variante des Döner Kebab, aßen. Nach so einem entspannten Abend gingen sie dann wieder nach Hause. Damals gab es keinen Verleih von Sportgeräten und kein Freizeitangebot, sondern nur schlechtes Essen und ein paar in die Jahre gekommene Fahrgeschäfte.

Das erste Mal war ich zu einer Feier von Freunden im Park. Ich erinnere mich noch gut an das monströse weiße Riesenrad. Es war wie der Eingang zur Hölle. Und weit und breit war keine Menschenseele zu sehen. Als ich

das zweite Mal dort war, konnte ich mich schon gar nicht mehr daran erinnern, dass ich schon einmal dort gewesen war. Der Park wirkte teilweise komplett verlassen, wie zum Beispiel im Garten Neskutschny Sad. Der Garten war zu einem traurigen und leblosen Wald verkommen, der total verdreckt war, sodass man dort nur noch seinen Hund ausführen konnte.

Heute ist der Gorki Park wie eine eigene Stadt innerhalb Moskaus. Wir haben hier unser eigenes Transportsystem, Elektriker, Reinigungspersonal, Hausmeister, Landschaftsgärtner und eigene Bistros und Restaurants, wo wir essen können. Wenn wir die Tore schließen würden, könnten wir hier ohne Probleme eigenständig weiterleben.

Wenn der Gorki Park so ein schrecklicher und verrufener Ort war, wie haben Sie es dann geschafft, die Meinung der Menschen so zu verändern, dass sie den Park heute gerne besuchen?

In Moskau weiß jeder alles und kennt jeder alles. Und es gibt wenig, womit sich der Moskauer beeindrucken lässt. Es war daher wirklich schwierig, stereotypen Vorstellungen entgegenzuwirken. Bei einer Befragung, in der wir herausfinden wollten, wie sich die Bevölkerung den Park wünscht, antworteten 99 Prozent, dass wir die Fahrgeschäfte wieder aufbauen sollten. Das hat uns nicht überrascht. Viele Moskauer haben keine Vorstellung von öffentlichen Erholungsräumen.

Die Idee, dem Gorki Park neues Leben einzuhauchen, hat allem Anschein nach funktioniert. Schon im ersten Jahr haben sich die Besucherzahlen beinahe verdoppelt. Inzwischen sind es an die 15 Millionen – mehr als Moskau Einwohner hat. Welche Altersgruppe hat den Park zuerst neu für sich entdeckt?

Zuerst kamen die jungen Moskauer und die Hipster. Sie wollten wissen, was im Park los ist. Junge Leute sind offen für alles, sie haben keine Berührungsängste. Der neu gestaltete Park wurde so schnell zum Geheimtipp. Der Geheimtipp sprach sich herum und so kamen als nächstes Eltern mit ihren Kindern. Schließlich fand auch die ältere Generation ihren Weg in den neuen Gorki Park.

Was ist am Gorki Park typisch russisch und was ist eher international?

Wir denken durchaus international. Wir schauen uns internationale Parks an und analysieren, was sie beliebt macht. Wir wollen zum Beispiel Theateraufführungen, wie es sie in den Parks von Avignon, Venedig oder Edinburgh gibt, in den Gorki Park bringen. Wir planen auch mehr Open-Air-Festivals.

Die Parkmanager haben Anlagen auf der ganzen Welt besucht, wie beispielsweise den Millennium Park in Chicago, den High Line Park und den Central Park in New York. Wir haben das Beste aus allen Parks in die Gestaltung des Gorki Parks einfließen lassen. Wir machen alles selbst, wir haben keine Agentur.

Worin unterscheidet sich der Gorki Park von europäischen oder US-amerikanischen Parks?

Auch europäische Parks bieten den Besuchern viel Abwechslung. Es gibt dort die Möglichkeit, gemütlich an einem Teich oder Bach zu sitzen und zu

lesen oder Sport zu treiben und verschiedene Angebote zur Freizeitgestaltung zu nutzen.

Die Mentalitäten von Europäern und Russen unterscheiden sich jedoch sehr stark voneinander. Den Europäern genügt oft schon ein Spaziergang, um sich zu erholen. Den Russen nicht: Hier gehört zur Erholung unbedingt ein Kulturprogramm, Sportangebote und Essen und Trinken.

Haben Sie Unterstützung bei der Parkgestaltung?

Die Agentur LDA Design, die den Olympiapark in London entworfen hat, unterstützt uns bei unseren Konzepten. Für LDA Design war es das erste russische Projekt. Sie kannten sich mit dem Konzept russischer Freizeitparks nicht aus. Es war auch für sie eine neue Erfahrung. Wir passen das Konzept des Gorki Parks jedoch stetig an. Wir nehmen das Feedback der Besucher auf und bauen unsere Strategie rundherum.

Stimmt es, dass Sie sogar eine eigene Eiscreme verkaufen?

Ja, tatsächlich. Wir habe eine eigene Eiscrememarke. Sie wird in einer Eisfabrik außerhalb von Moskau hergestellt.

 

 

Waren Sie schon einmal im Gorki-Park? 

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